Bischof Hanke: Synodaler Weg "zu sehr auf Strukturen fixiert"
Reformprozess sei methodisch "zur Textwerkstatt geworden"

Bischof Hanke: Synodaler Weg "zu sehr auf Strukturen fixiert"

Die "Verständigung auf grundsätzliche Punkte" hat dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke beim Synodalen Weg gefehlt. Es hätte "wesentlich mehr Diskurs" gebraucht. Den weltweiten synodalen Prozess des Papstes sieht er dagegen positiver.

Ingolstadt - 26.10.2021

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat die Debatte um eine Reform der katholischen Kirche in Deutschland kritisiert. Der Synodale Weg sei "zu sehr auf Strukturen fixiert" und methodisch "zur Textwerkstatt geworden", sagte Hanke der Zeitung "Donaukurier" (Mittwoch) in Ingolstadt. Historisch hätten kirchliche Reformbewegungen anders angesetzt. "Franz von Assisi beispielsweise hat nicht begonnen, Strukturen aufzubauen, sondern er fing an, einen neuen Geist, den Geist des Evangeliums, in den Herzen und Köpfen der Brüder zu wecken. Von daher hat sich eine Erneuerung ergeben."

Der von Papst Franziskus initiierte Weltsynodalprozess ist nach Hankes Einschätzung an diesem Vorbild näher dran als der deutsche Weg, der "wesentlich mehr politisiert" sei. In Deutschland gehe es "um das Abarbeiten einer Agenda", Papst Franziskus "um einen geistlichen Prozess, von dem er Früchte eines Wandels erwartet". Im Synodalen Weg in Deutschland hätte es nach Dafürhalten des Bischofs "wesentlich mehr Diskurs und Auseinandersetzung untereinander gebraucht". Es habe die "Verständigung auf grundsätzliche Punkte" gefehlt.

Hanke: "Ich weiß nicht, ob Sie Eltern auf Zeit sein möchten"

Zum Vorschlag einer Amtszeitbegrenzung für Bischöfe meinte Hanke, er könne "dieses Misstrauen in das Amt auch aufgrund des sexuellen Missbrauchs verstehen" und wolle das ernst nehmen. Er glaube aber nicht, dass eine befristete Vergabe von Ämtern "das entsprechende Heilmittel ist". Das sakramentale Amt könne nicht als bloße kirchliche Funktion gesehen werden. "Sein Wesen ist Sendung, Dienst an der Mehrung der Gegenwart des Herrn, also auch Mehrung wahren Lebens. Ich weiß nicht, ob Sie Eltern auf Zeit sein möchten."

Der Eichstätter Oberhirte hatte sich bereits in der Vergangenheit mehrfach kritisch gegenüber dem deutschen Synodalen Weg geäußert. Im April warnte er vor einer Spaltung der katholischen Kirche in Deutschland durch den Reformprozess und beklagte den fehlenden spirituellen Aufbruch. In einem Interview im Februar des verganenen Jahres sprach er von der Gefahr der Ergebnislosigkeit. "Ergebnislosigkeit in dem Sinn, dass man zwar viele Beschlüsse fasst, aber man sich dann letztlich durch die Beschlussfassung abkapselt von der Tradition der Kirche und von der Gemeinschaft der Weltkirche." (cbr/KNA)