Gendersternchen als "heilsame Irritation"

Theologin: "Gott*" mit Stern führt zu biblischer Sprache hin

Aktualisiert am 03.11.2021  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Die Diskussion um "Gott*" mit Gendersternchen geht weiter: Die Theologin Irene Diller findet die Idee des Jugendverbands KjG gut – schließlich sei es biblische Tradition, Gott viele Namen zu geben. Auch für die Liturgie hofft sie auf Impulse.

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Die Theologin Irene Diller sieht den Vorschlag, "Gott*" mit Sternchen zu schreiben, um eine Vielfalt der Gottesbilder auszudrücken, als "heilsame Irritation". Im Interview mit dem Kölner Domradio (Dienstag) betonte die Leiterin der Stabsstelle Vielfalt und Gender in der Evangelischen Kirche im Rheinland, dass derartige Formulierungen näher an die biblische Sprache heranführten. Zentral für das biblische Reden von Gott sei, dass der Name Gottes mit Ehrfurcht behandelt und nicht ausgesprochen wurde. "In der Bibel kommt der Name Gottes 7.000 mal vor, aber er wird nicht ausgesprochen, sondern er wird immer mit Ersatz-Wörtern versehen. Und diese Ersatzwörter sind kunterbunt", so Diller.

Statt des Gottesnamens würden etwa Begriffe aus der Natur wie "Adlermutter" oder "Henne", Begriffe wie "Kraft" und kriegerische Bilder wie "Herr der Heerscharen" verwendet. In der Liturgie finde man diese Fülle nicht. "Und da, finde ich, sollten wir wieder hin, dass wir ein größeres Angebot machen, wo Menschen sich auch wiederfinden können in den Bildern, die wir mit Gott verbinden", meint Diller. Dabei gehe es nicht darum, Dauerlösungen zu finden. Sprache sei stets im Fluss, und gerade im Blick auf gendergerechte Sprache werde viel ausprobiert.

Die Katholische junge Gemeinde (KjG) hatte im Oktober diskutiert, ob sie künftig wie bereits die Katholische Studierende Jugend (KSJ) die Schreibweise "Gott*" verwenden wird. Die Art, wie von Gott gesprochen werde, präge auch das Menschenbild, so der Jugendverband. Diese Erkenntnis sei nicht neu. "Neu ist aber, dass immer mehr Gläubige von der Vorstellung eines männlich patriarchalen, weißen Gottesbildes befremdet sind und das auch laut sagen", heißt es in einer Pressemitteilung der KjG. Die "männlich weiße Vorstellung von Gott" greife theologisch zu kurz und erschwere vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott.

Gottesbilder hinterfragen

Von einer neuen Schreibweise erhofft sich Diller, dass Gottesbilder hinterfragt werden: "Haben wir uns Gott vielleicht doch zu sehr verfügbar gemacht und auch zu schnell einen Haken daran gemacht?" Gott als "alter weißer Mann mit langem Bart" sei für viele unattraktiv. "Aber Gott, wie wir ihn bekennen, ist eine lebendige Kraft in unserem Leben, die uns zu Gerechtigkeit aufruft und gegen Ausgrenzung aufruft. Das gilt für Geschlechter, für andere Minderheiten. Da haben wir viel zu tun, auch in der Kirche und auch in der Gesellschaft", betonte die Theologin.

Bereits der Beschluss der KSJ im vergangenen Jahr hatte zu einer intensiven Diskussion geführt, die mit der Ankündigung der KjG, das Thema auch in diesem Verband auf die Tagesordnung zu setzen, wieder aufgeflammt ist. Während der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, die theologische Debatte darüber als "derzeit nicht aktuell" bezeichnete, da die Kirche "ganz andere Probleme" habe, begrüßte der im September neu gewählte Jugendbischof der DBK, der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe, dass sich junge Christen Gedanken über eine Vorstellung von Gott machen. (fxn)