Bischof Heiner Koch besucht die sächsische Stadt Pirna nach der Hochwasserkatastrophe 2013.
Auch deutsche Diözesen hatten mit der Flut 2013 zu kämpfen

Nach der Flut

Hochwasser - Knapp ein Jahr ist es her, dass Deutschland nahezu hilflos auf das Hochwasser blickte. Aus beschaulichen Bächen waren reißende Flüsse geworden. In vielen Dörfern und Städten stand brauner Schlamm. Auch deutsche Diözesen waren von der Flutkatastrophe im Juni 2013 betroffen, besonders im Süden und Osten Deutschlands. Katholisch.de hat nachgefragt, wie groß die Schäden waren und wie es heute dort aussieht.

Bonn - 05.06.2014

Bischof Heiner Koch besucht die sächsische Stadt Pirna nach der Hochwasserkatastrophe 2013.

Bischof Heiner Koch besucht die sächsische Stadt Pirna nach der Hochwasserkatastrophe 2013.

Die Schäden an kirchlichen Gebäuden und Einrichtungen seien überschaubar gewesen, berichtet Bistums-Pressesprecher Michael Baudisch. Das Bistum habe vor allem Hochwasseropfern geholfen: Hier lag alles in der Hand von Fluthilfekoordinator Marcus Schmidt vom Diözesancaritasverband. Gemeinsam mit der Diakonie und dem Deutschen Roten Kreuz hat die Caritas neben Soforthilfen wie dem Verleih von Geräten zum Trocknen von Gebäuden auch psychische Unterstützung für die Betroffenen organisiert. "Wir haben viele Menschen persönlich aufgesucht und sie gefragt, was für Hilfe sie brauchen", so Schmidt. Beseitigt sind die Schäden an den Häusern noch längst nicht: "Wir haben erst ein Drittel geschafft." Die Auszahlung der Fluthilfen, die der Bund und die EU-Kommission in Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt hatten, dauere nach wie vor an, erklärten Vertreter der Hilfswerke auf einer Pressekonferenz.

Immer noch stehen elf Caritas-Mitarbeiter flutbetroffenen Menschen zur Seite, ebenso wie ein Baufachberater, der im gesamten Bistumsgebiet unterwegs ist, um Haushalte in baufachlichen Fragen zu beraten. Das sei wichtig, betont Koordinator Marcus Schmidt: "Wir wollen einen möglichst nachhaltigen Wiederaufbau."

Die über die Ufer getretene Elbe in Magdeburg während der Flutkatastrophe im Juni 2013.

Die über die Ufer getretene Elbe in Magdeburg während der Flutkatastrophe im Juni 2013.

Eigene Einrichtungen und Dienste der katholischen Kirche im Bistum seien größtenteils verschont geblieben, sagt Christian Laas, Pressesprecher und Fluthilfekoordinator des Diözesancaritasverbands.
In einigen Pfarreien, wie beispielsweise St. Konrad in Aken, habe zwar das Wasser gestanden, größere Schäden seien aber ausgeblieben. Doch auch wenn das Bistum selbst weitestgehend verschont blieb – viele Ortschaften und Städte Sachsen-Anhalts blieben es nicht. "Hier haben wir Fluthilfe geleistet", sagt Laas. Dazu habe neben einer Soforthilfe von 1.500 Euro für betroffene Haushalte auch der Verleih von Hochleistungspumpen und -reinigern gehört. "Wir haben sogar Mückenschutzmittel in Gegenden gebracht, wo diese ausverkauft waren", erinnert sich Christian Laas. Zudem gebe es auch heute noch mehrere Projekte, die den Menschen bei der Verarbeitung der Katastrophe helfen sollen: Dazu gehört ein Projektchor in Elster an der Elbe, in dem Betroffene ein kleines Musical einstudiert haben; inhaltlich geht es um ihre Erfahrungen mit der Flut.

Nach wie vor seien aber 50 Prozent der Geräte im Einsatz, ergänzt Laas. Außerdem hätten viele Menschen mit Folgeschäden der Flut wie einem absackenden Boden zu kämpfen. "Teilweise ist es noch sehr schlimm", so Laas. Die Flut im Bistum Magdeburg ist noch längst nicht vergessen.

Hochwasser herrscht am 03.06.2013 in Passau (Bayern). Die Hochwasserlage in Passau spitzt sich weiter zu,

Hochwasser herrscht am 03.06.2013 in Passau (Bayern). Die Hochwasserlage in Passau spitzt sich weiter zu,

Unvergessen sind wohl die Bilder aus der Domstadt Passau, in der der Wasserpegel bis auf 12,50 Meter stieg. Die Höhe der Schäden an kirchlichen Gebäuden und Einrichtungen lag schließlich bei knapp 25 Millionen Euro, wie das Bistum bekannt gab. Besonders betroffen von der Flut waren Ortschaften und Städte nahe der drei Flüsse Donau, Inn und Ilz. Während der Flut musste sogar das Ordinariat in Passau geschlossen werden, ebenso die diözesane Caritaszentrale. In einer ersten Hilfsaktion hatte das Bistum Flutopfer mit 3,5 Millionen Euro unterstützt. Die Schadensbeseitigung ist mittlerweile in vollem Gange, wie das Bistum gegenüber katholisch.de erklärte.

Für die Zukunft ist es vorgesehen, dem Hochwasser "auszuweichen"; so soll es beispielsweise keine Nutzflächen mehr im Hochwasserbereich geben, erklärten Vertreter der Diözese. Dort, wo es nicht möglich sei, in trockene Bereiche zu wechseln, soll es einen mobilen Hochwasserschutz geben.

Ein Berg mit Sperrmüll liegt am 10.06.2013 im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf (Bayern) vor dem Haus der Familie Weinberg.

Ein Berg mit Sperrmüll liegt am 10.06.2013 im Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf (Bayern) vor dem Haus der Familie Weinberg.

Im Bistum Regensburg hat das Hochwasser vor allem in Deggendorf seine Spuren hinterlassen. Rund 600 Haushalte waren von der Flut teilweise so stark betroffen, dass sie sämtliches Hab und Gut verloren. Mit finanziellen Soforthilfen hatten Diözese und Caritas versucht, den Menschen – unabhängig von ihrer Konfession – zu helfen. Unterstützt wurden sie dabei besonders von der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt, deren eigene Kapelle ebenfalls schwer beschädigt war, sagt Caritaspressesprecher Marcus Weigl. Jeder Haushalt bekam neben einer Soforthilfe von 300 Euro eine sogenannte Haushaltshilfe von 2.000 Euro zur Verfügung gestellt. Natürlich könne damit kein komplettes Haus wieder aufgebaut werden, so Weigl, aber es sei immerhin eine erste Hilfe.

Doch auch fast ein Jahr nach der Flut sei noch viel zu tun, ergänzt er. "Die Menschen sind traumatisiert." Aus diesem Grund sei auch ein Erfahrungsaustausch mit den Opfern des Pfingsthochwassers von 1999 organisiert worden, der sehr geholfen habe, sagt Weigl.

Von Sophia Michalzik

Malteser: Jahresbilanz zum Hochwasser 2013

Neun Millionen Euro hat der Malteser Hilfsdienst für die Unterstützung von Hochwasseropfern ausgegeben und verplant. Dies gab das Hilfswerk in einer Pressemitteilung bekannt. In den Mitteln befinden sich unter anderem finanzielle Hilfen für 400 Personen zur Reparatur von Gebäudeschäden sowie das Geld für 19.000 warme Mahlzeiten. Der Bedarf an sozialer und psychologischer Unterstützung sei groß, sagt Constantin von Branden, Präsident des Malteser Hilfsdienstes. "Das Hochwasser hat viel mehr zerstört als Steine und Häuser." Nach wie vor bieten die Malteser Hilfe bei Fragen rund um das Thema Hochwasser an. Dazu gehöre eine psychosoziale Betreuung genauso wie Unterstützung bei wirtschaftlichen Folgen. Weitere Informationen gibt es bei der Hochwasserhilfe der Malteser. (som)