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Standpunkt

Wer geistliche Prozesse will, braucht Exerzitienhäuser

Überall würden geistliche Prozesse und eine geistlich-theologische Kirche gefordert – und gleichzeitig Klöster und Exerzitienhäuser geschlossen, kommentiert Stefan Kiechle. Das Argument, dafür sei kein Geld da, will er nicht mehr gelten lassen.

Von Stefan Kiechle SJ |  Bonn - 22.11.2021

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Alle wollen geistliche Prozesse: Pfarreien werden fusioniert; Bistümer machen, oft mit teurer Organisationsberatung, aufwändige "Restrukturierungsprozesse"; die deutsche Kirche geht einen Synodalen Weg; auch die Weltkirche will synodaler werden. All das sollen, so wird immer betont, "geistliche Prozesse" sein – zurecht, denn die Kirche würde ihr Innerstes verraten und zur x-beliebigen NGO werden, wenn sie sich in der Krise einfach nur effizienter organisieren würde.

Für geistliche Prozesse braucht es allerdings geistliche Begleiterinnen und Begleiter – woher kommen diese? Nur wenn diese selbst einen intensiven geistlichen Weg gegangen sind, persönlich und mit anderen, können sie erahnen, wie der Geist die Kirche führt. Um allerdings geistliche Wege zu gehen, braucht es geistliche Orte: Klöster, Wallfahrtsorte, Exerzitienhäuser, geistliche Zentren. Die Orden haben kaum Nachwuchs und wenig Geld; viele müssen ihre Häuser, die sie lange in ihrem Geist belebt haben, schließen. Wo bleiben Orte für spirituelle Erfahrung und geistliches Wachstum?

Vielerorts schließen Exerzitienhäuser: Bei Frankfurt schließt jenes in Hofheim; die Franziskaner haben keine Ressourcen mehr, das Bistum Limburg weist eine Übernahme weit von sich: "kein Geld". In der Umgebung schließen auch die Bistümer Mainz und Würzburg einige Häuser. Natürlich sind solche Häuser teuer. Natürlich machen das nicht alle Bistümer so, aber doch viele. Die Frage bleibt: Wird nicht andernorts weiterhin sehr viel Geld ausgegeben, oft für Gebäude und Einrichtungen, die sehr viel weniger "brummen" als so manches Exerzitienhaus? Gibt es für geistliche Zentren zu wenig Verständnis und Wertschätzung? Wird das – überall weniger werdende – pastorale Personal richtig eingesetzt? Warum werden Verwaltungen immer größer, und das Geistliche wird kleiner?

Wer geistliche Prozesse will und eine geistlich-theologisch fundierte Kirche haben will – und nur diese wird Zukunft haben! – sollte mehr für die spirituelle Bildung tun. Viele Christinnen und Christen wollen geistliche Wege gehen. Die Häuser dafür brauchen weniger Komfort als teure Bildungshotels. Wer sagt, dafür sei kein Geld da – ich mag das Argument nicht mehr akzeptieren.

Von Stefan Kiechle SJ

Der Autor

Pater Stefan Kiechle SJ ist seit 2018 Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zuvor leitete er sieben Jahre die Deutsche Provinz des Jesuitenordens.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.