Schachfigur
Standpunkt

Eine glaubwürdigere Kirche mit Strahlkraft ist möglich

An zwei Spitzenpositionen des deutschen Katholizismus stehen nun Frauen: Irme Stetter-Karp als ZdK-Präsidentin, Eva Maria Welskop-Deffaa als Kopf der Caritas. Für Stefan Orth sind das Fingerzeige für die Zukunft der Kirche.

Von Stefan Orth |  Bonn - 23.11.2021

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Sie kommt aus dem Maschinenraum der Amtskirche. So kann man es sehen, wenn man daran denkt, dass die neue Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) bis vor kurzem als Ordinariatsrätin eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen für ihren Bischof war. Aber auch das Gegenteil ist richtig. Als für die Caritas zuständige Hauptabteilungsleiterin war Irme Stetter-Karp nicht nur an den Rändern der Kirche, sondern wie wenige andere für die Schnittstellen zwischen der Kirche und der Gesellschaft mit all ihren Nöten unterwegs. Christliches Engagement pur.

Es mag da mehr als ein Zufall sein, dass umgekehrt an der Spitze des Deutschen Caritasverbands mit Eva Maria Welskop-Deffaa inzwischen eine Frau wirkt, die am Beginn ihrer Karriere einige Jahre das Referat Wirtschaft und Gesellschaft im ZdK geleitet hat.

Beide Entscheidungen sind wie ein Fingerzeig für die Zukunft der katholischen Kirche in diesem Land: dass sich das Christentum über Laien, die zudem in der Mehrzahl der Fälle Frauen sind, über das Tun, konkret über das Wirken für die Zivilgesellschaft auszeichnen kann. Mit beiden Personalentscheidungen könnte sich das Problem abschwächen, dass sich nicht auf die Wertschätzung der katholischen Kirche in Deutschland auswirkt, was der Katholizismus mit seiner Caritas gesellschaftlich und mindestens so sehr in der Politik an Anerkennung erntet.

Natürlich bleibt die intensive Beschäftigung mit den Stolpersteinen einer Kirchenreform im Rahmen des Synodalen Wegs von großer Bedeutung. Gewissermaßen wie im Vorgriff auf eine überzeugende Beantwortung der Reizfragen: Es zeigt sich an den Entscheidungen für die beiden Frauen, dass eine glaubwürdigere Kirche mit Strahlkraft in der Gesellschaft möglich ist.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.