Ein Schüler zeigt im Klassenraum auf
Frage der Lebensführung sei auf einige Sachverhalte "enggeführt" worden

Bistum Hildesheim plant Reform bei Lehrerlaubnis für Religionslehrer

Dass etwa wiederverheiratete Geschiedene formal nicht unterrichten dürften, sei nicht mehr verständlich zu machen: Das Bistum Hildesheim will die Zugangsbedingungen für Religionslehrer anpassen. Künftig soll mehr auf andere Kriterien geachtet werden.

Hildesheim - 23.11.2021

Die Bildungsabteilung des katholischen Bistums Hildesheim plant eine Reform der Zugangsbedingungen für die kirchliche Lehrbefugnis für Religionslehrer. "Dass etwa wiederverheiratete Geschiedene formal keinen Religionsunterricht erteilen dürfen, ist nicht mehr verständlich zu machen", sagte Abteilungsleiter Jörg-Dieter Wächter am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Praxis habe sich in diesem Bereich schon lange verändert, nun sollten die offiziellen Rahmenbedingungen für die sogenannte Missio canonica angepasst werden. Darüber sei im Bistum ein Diskussionsprozess gestartet worden.

Wächter erklärte, nach katholischem Verständnis sende der Bischof die Religionslehrerinnen und -lehrer und erwarte von ihnen nach bisheriger Lesart, dass sie auch in ihrer persönlichen Lebensführung der Glaubenslehre der katholischen Kirche entsprächen. Das habe man in der Regel auf einige überprüfbare Sachverhalte "enggeführt", etwa auf Fragen, ob die Lehrkraft katholisch verheiratet sei, der Ehepartner katholisch sei oder die Kinder katholisch getauft seien. "Das scheint uns inhaltlich dem Sendungsgedanken nicht mehr angemessen Rechnung zu tragen", sagte Wächter. Zudem sollten die Voraussetzungen für die Missio mit den Regelungen für evangelische Religionslehrkräfte harmonisiert werden.

Nicht allein an formalen Kriterien festzumachen

Entscheidend sei, dass die Religionslehrer glaubwürdig unterrichteten und dass sich ihre Überzeugungen auch in der religiösen Praxis widerspiegelten, so Wächter. Dies lasse sich nicht allein an formalen Kriterien festmachen. Vorbild für die Reform sei die Regelung des Bistums Osnabrück, das bereits 2017 seine Missio-Ordnung überarbeitet hatte. Sie nennt als Zugangsvoraussetzung neben einer Kirchenmitgliedschaft unter anderem "das Versprechen, die Lehre der katholischen Kirche im Unterricht glaubhaft und wertschätzend abzubilden und sich mit der eigenen Religiosität in der weltanschaulich pluralen Gesellschaft bewusst und glaubwürdig zu positionieren".

Die geplante Einführung eines von evangelischer und katholischer Kirche in Niedersachsen gemeinsam verantworteten Religionsunterrichts ist nach den Worten von Wächter auf einem guten Weg. Bistümer und Landeskirchen hatten im Mai ein entsprechendes Konzept vorgestellt, über das derzeit mit allen Beteiligten beraten wird. Die Vorschläge würden "kritisch-konstruktiv" diskutiert, so Wächter. "Die meisten Reaktionen sind jedoch positiv, verständnisvoll und von Akzeptanz getragen." Geplant sei weiterhin, im Falle eines erfolgreichen Abschlusses des Beratungsprozesses im Schuljahr 2023/24 mit dem neuen christlichen Religionsunterricht zu starten. Die Reform der Missio-Ordnung solle idealerweise vorher abgeschlossen werden. (KNA)