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2G-Gottesdienste jetzt flächendeckend einführen!

Die katastrophale Corona-Lage sei klar den hartnäckigen Impfverweigerern zuzuschreiben, kommentiert Tobias Glenz. Die ließen sich durch Worte nicht überzeugen. Also müsse die Kirche in Deutschland nun mit 2G-Regeln und interner Impfpflicht reagieren.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 25.11.2021

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Besser spät als nie: Die deutschen Bischöfe haben in dieser Woche zur Corona-Impfung aufgerufen. "Mit Nachdruck" sprechen sie von einer "Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe". Doch wird das die zahlreichen "Impfskeptiker", "Impfverweigerer" oder gar "Corona-Leugner" überzeugen? Wohl kaum. Stärker sind da schon kirchliche Stimmen, die sich jetzt vermehrt für eine Impfpflicht in Deutschland aussprechen, darunter der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers und das ZdK. Aber auch hier gilt: Mit Mahnungen und Aufrufen werden Realitätsverweigerer nicht erreicht werden. Es ist Zeit zum Handeln.

Dass die katastrophale Pandemie-Lage in Deutschland und anderswo vor allem auf jene Menschen zurückzuführen ist, die sich hartnäckig einer Impfung verweigern, ist ein Fakt. Ein Blick auf einschlägige Internetplattformen oder Social-Media-Debatten zeigt: Unter denen, die teilweise die absurdesten Verschwörungstheorien für ihre Anti-Impf-Haltung heranziehen, sind nicht wenige Katholiken – vor allem solche, die dem katholisch-konservativen Sektor zuzuordnen sind. Selbst Angehörige des Klerus finden sich bisweilen in diesen Reihen wieder.

Was also kann die Kirche konkret tun, wenn sich viele durch gutgemeinte Worte nicht umstimmen lassen, wenn ein Dialog unmöglich geworden ist? Das Erzbistum Berlin geht hier mit gutem Beispiel voran: In der Advents- und Weihnachtszeit soll es primär 2G-Gottesdienste geben, Zutritt also nur für Geimpfte und Genesene. Anders als die AfD es meint, "diskriminiert" die Kirche hier nicht die ungeimpften Gläubigen, sondern schützt sie, alle anderen und das Gesundheitssystem als Ganzes. Darüber hinaus setzt die Kirche ein deutliches Zeichen pro Corona-Impfung.

Dem sollten sich auch die anderen deutschen Diözesen anschließen und flächendeckend zu 2G übergehen. Dass Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, hiervon ausgenommen sind, steht außer Frage. Und noch mehr: Die Bistümer können und sollten von ihren eigenen Mitarbeitern verlangen, sich impfen zu lassen. Wenn Bischöfe die Impfung als moralische Pflicht sehen – auch und gerade aus Glaubensgründen –, dann sollten sie von dem im Grundgesetz verankerten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen Gebrauch machen und eine allgemeine Impfpflicht für ihre Bediensteten erlassen. Statt politischen Entscheidungen hinterherzuhinken, könnte die Kirche somit Vorreiter sein.

Von Tobias Glenz

Der Autor

Tobias Glenz ist Redakteur bei katholisch.de.

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