Gestalter im Hintergrund: Ehemaliger DBK-Sekretär Langendörfer wird 70
"Der Pater" wirkte 25 Jahre lang als Scharnier zwischen den Bischöfen

Gestalter im Hintergrund: Ehemaliger DBK-Sekretär Langendörfer wird 70

Im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz hieß er schlicht "der Pater". Rund 25 Jahre lang saß Hans Langendörfer an einer Schaltstelle der katholischen Kirche in Deutschland. An diesem Donnerstag feiert er seinen 70. Geburtstag.

Von Christoph Arens (KNA) |  Bonn - 25.11.2021

Er war ein Überlebenskünstler in einem der schwierigsten Jobs, die die katholische Kirche in Deutschland zu vergeben hat. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" beschrieb den Jesuiten Hans Langendörfer deshalb einmal als "Spinne in einem oft zum Zerreißen gespannten Netz".

"Der Pater", wie er intern oft genannt wurde, leitete von 1996 bis Januar 2021 das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn. Als Dienstleister und Scharnier zwischen den mehr als 60 Bischöfen; als jemand, der im Hintergrund sondieren, ausgleichen und vermitteln musste. Als verschwiegener Zuarbeiter und Gestalter für vier Vorsitzende von Karl Lehmann über Robert Zollitsch bis zu Reinhard Marx und Georg Bätzing. Am diesem Donnerstag wird der hochgewachsene Rheinländer 70 Jahre alt.

Freude über Nachfolgerin

Dass Langendörfer sein Amt an Beate Gilles und damit erstmals an eine Frau übergeben konnte, dürfte ihn sehr gefreut haben. Eine stärkere Beteiligung von Frauen sieht der Jesuit als eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche an. Hier sei ein Gesinnungswandel im Gange, weil immer mehr Frauen in leitenden Positionen der Kirche in Deutschland arbeiteten.

Langendörfer arbeitete mit vier Bischofskonferenz-Vorsitzenden zusammen, darunter Robert Zollitsch (Zweiter von links) und Reinhard Marx (Zweiter von rechts).

Als einen Höhepunkt seines Wirkens sieht Langendörfer den Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011. Als "Generalkoordinator" knüpfte er die Fäden zwischen Vatikan, Bundesregierung und Bischofskonferenz. Immer wieder musste Langendörfer eingreifen, wenn es irgendwo in der Kirche in Deutschland brannte: Da waren der endlose Streit um die Schwangerschaftskonfliktberatung oder 2013/2014 der Limburger Finanzskandal um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der dazu beitrug, dass die Bistümer zu größerer Transparenz bei ihren Finanzen gezwungen wurden.

Dass die Kirche in Deutschland nach der Aufdeckung des Missbrauchsskandals 2010 und nach der Missbrauchsstudie von 2018, die das ganze Ausmaß des sexuellen Missbrauchs ans Licht brachte, gemeinsame Maßnahmen ergriff, war auch Langendörfer zu verdanken. Zusammen mit Kardinal Reinhard Marx und dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, gilt der Jesuit auch als Architekt des Reformprozesses des Synodalen Wegs, der nach strukturellen Ursachen für die Missbrauchstaten fragt.

Politisches Geschick und klare Diagnosen

Von seinem Großvater, der als Bonner Oberstadtdirektor in der Nachkriegszeit mit dafür sorgte, dass Bonn Bundeshauptstadt wurde, scheint Langendörfer das politische Geschick geerbt zu haben, und von seinem Vater, einem Arzt, die Fähigkeit zu klarer Diagnose. Gegenwind begegnet Langendörfer – zumindest nach außen – mit Gelassenheit und rheinischem Humor.

Aus Sicht des Jesuiten wäre angesichts der vielen gemeinsamen Themen und Probleme eine starke Zentrale der katholischen Kirche in Deutschland notwendig. Dagegen steht das Kirchenrecht und die darin verankerte Unabhängigkeit der Bistümer, Hilfswerke und Orden. Weil er stets für die "Anschlussfähigkeit" von Kirche und Gesellschaft wirbt, war er mitunter auch Zielscheibe rechtskatholischer Kreise, die ihm zu große Liberalität oder mangelnde Kampfbereitschaft vorhalten.

Zu Beginn von Langendörfers Amtszeit im Jahr 1996 war Kardinal Karl Lehmann (rechts) DBK-Vorsitzender – und blieb es noch bis 2008.

Sorge bereitet Langendörfer eine schwindende Präsenz von Kirche in der Gesellschaft. Jahr für Jahr musste er hohe Austrittszahlen verkünden, die nur zum Teil mit der Missbrauchthematik zusammenhängen und auch Folge der Säkularisierung der Gesellschaft sind. Die Kirche müsse deshalb neue Wege der Kommunikation und eine angemessene Sprache finden, um Menschen die Freude und Weite des Christentums anzubieten.

Langendörfer wurde 1951 in Bonn geboren und trat 1972 in den Jesuitenorden ein. Nach dem Studium der Philosophie, Politik und Theologie in München und Frankfurt empfing er 1979 die Priesterweihe. An der Uni Bonn promovierte er über "Atomare Abschreckung und kirchliche Friedensethik". Von 1987 bis 1989, zu Zeiten Helmut Kohls, arbeitete er im Bundeskanzleramt.

Ganz ohne öffentliches Engagement geht es bei Langendörfer auch nach dem Ende seines Wirkens bei der Bischofskonferenz nicht: Seit dem Frühjahr ist der Jesuit Präsident des Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes (KAAD), dem Stipendienwerk der Kirche für Studierende und Wissenschaftler aus Afrika, Asien, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten und Osteuropa. Langendörfer ist auch weiterhin Mitglied des ZDF-Fernsehrates.

Von Christoph Arens (KNA)