Profanierung am ersten Advent ohne Abschiedsgottesdienst

Protest gegen Entwidmung dreier katholischer Kirchen

Aktualisiert am 26.11.2021  –  Lesedauer: 

Mechernich ‐ Drei Gotteshäuser werden am Sonntag profaniert – sie müssen dem Tagebau Garzweiler weichen. Die Initiative "Die Kirche(n) im Dorf lassen" will das nicht hinnehmen. Die Entwidmung erfolge ausgerechnet am ersten Advent und ohne Abschiedsgottesdienst.

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Die Initiative "Die Kirche(n) im Dorf lassen" protestiert am Sonntag in drei am Tagebau Garzweiler gelegenen Orten gegen die Entwidmung der dortigen Gotteshäuser. Die Profanierung der Kirchen in Keyenberg (Foto) und Kuckum sowie der Kapelle in Berverath erfolge ausgerechnet am ersten Advent ohne Abschiedsgottesdienst, kritisierte die Initative am Donnerstag in Mechernich. Dabei habe die künftige Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag ihre Absicht bekundet, den Kohleausstieg vorzuziehen und die Dörfer zu retten. Die Gruppierung wendet sich damit gegen die Beschlüsse der zuständigen Kirchengemeinde und des Bistums Aachen.

Die Pfarrei Christkönig in Erkelenz und ihre Gremien hatten vorige Woche mitgeteilt, sich bewusst gegen eine Profanierung im Rahmen eines Gottesdienstes entschieden zu haben. Am Samstag vor dem ersten Advent würden die Gotteshäuser für einen persönlichen Rundgang, ein stilles Gebet und das letzte Entzünden einer Kerze geöffnet. Zudem liege ein "Gedenkbuch – Gedankenbuch" für Worte des Abschieds aus, das später als "erstes Stück Identität" in die geplante Kapelle Sankt Petrus in Keyenberg (neu) eingebracht werden solle. Die Einweihung dieser Kapelle sei für den 19. Juni 2022 geplant.

"Dieses neue Gotteshaus als Neubau und als Gebäude zeigt: Wir mögen andere Gebäude aufgeben und übergeben an neue Eigentümer – aber wir als Gemeinde wollen als Gemeinschaft der Glaubenden weiter präsent sein und wollen uns in einer neuen Heimat zusammen finden, ohne die alte Heimat zu vergessen", heißt es in einem öffentlichen Brief von Pfarrer Werner Rombach, Kirchenvorstandsmitglied Herbert Exner und Beate Küppers vom Rat der Gemeinschaft der Gemeinden.

Alte Gegenstände kommen an neue Heimat

Laut der Pfarrei ist RWE Power bereits seit 2019 Eigentümer der Kirchen Heilig Kreuz in Keyenberg, Herz Jesu in Kuckum sowie der Kapelle Sankt Josef in Berverath. Die Pfarrei habe nur noch ein Nutzungsrecht und sei vertraglich verpflichtet, Kirchen und Kapelle im Laufe des Jahres 2022 entwidmet zu übergeben.

Neben den bereits überführten Glocken würden aus den alten Gotteshäusern noch andere Gegenstände in die "neue Heimat" mitgenommen, darunter ein Weihe- und Taufstein, ein Marienaltar und eine kleine Pieta. Ein Großteil der Bilder und Skulpturen werde im "Raum der Erinnerung", den Gemeinderäumen und in der Kapelle aufgestellt. Weitere Gegenstände fänden in verschiedenen Kirchen der Pfarrei Christkönig einen Platz.

Der Entwidmung der Kirche in dem Dorf Keyenberg hatte der Aachener Bischof Helmut Dieser zunächst nicht zugestimmt, weil ein Erhalt der Ortschaft nicht ausgeschlossen war und ist. Inzwischen gab er diesem Schritt jedoch seinen Segen und verwies darauf, dass die Pfarrei sich bereits seit vielen Jahren auf die Umsiedlung vorbereite und vertraglich gebunden sei. Prominentes Beispiel für durch den Braunkohletagebau aufgegebene Kirchen war der weit über die Grenzen des Rheinlands bekannte "Immerather Dom". Die zwischen 1888 und 1891 errichtete neoromanische Basilika Sankt Lambertus war im Januar 2018 abgerissen worden. (tmg/KNA)