Keine "Handhabe" bei Höhe der Zahlungen

Recherche zu Missbrauchs-Entschädigungen: Kritik aus Bistum Münster

Aktualisiert am 01.12.2021  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Bei einer Untersuchung der FAZ zum Thema kirchliche Missbrauchsaufarbeitung und Entschädigungszahlungen kommen einige Diözesen schlecht weg – darunter Münster. Von dort gibt es nun Kritik an der Recherche: So seien manche Zahlen "schlichtweg falsch".

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Im Bistum Münster stößt die von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlichte Recherche zu Missbrauchsaufarbeitung und Entschädigungszahlungen in den deutschen Diözesen auf Kritik. Die Angabe, dass die höchste Zahlung des Bistum Münster zur Anerkennung des Leids bislang 15.000 statt wie andernorts 50.000 Euro betragen habe, sei "schlichtweg falsch", sagte Stephan Baumers von der Stabsstelle Intervention und Prävention am Dienstag im Interview mit dem Internetportal "kirche-und-leben.de". Auch im Bistum Münster habe die höchste Summe, die für einen Fall angewiesen wurde, bei 50.000 Euro gelegen. Ebenso seien darüber hinaus "höhere Summen als die genannten 15.000 Euro gezahlt" worden, so Baumers.

Grundsätzlich betonte Baumers, dass das Bistum Münster "keine Handhabe" im Hinblick auf die Höhe der Zahlungen habe. Die von der deutschen Bischofskonferenz eingerichtete Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen "entscheidet ganz eigenständig und immer bezogen auf den Einzelfall über jeden einzelnen Antrag".

Gewichtung der Anträge

Die von der FAZ für das laufende Jahr berechnete durchschnittliche Entschädigungssumme des Bistumes Münster von 7.811 Euro komme dadurch zustande, dass die meisten der Anträge, die derzeit bei der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistung aus der Diözese vorlägen, Alt- oder Folgeanträge seien, so Baumers. Bei diesen würden bereits geleistete Zahlungen mitangerechnet. Gleichzeitig erklärte er, dass die Unabhängige Kommission eine Gewichtung der Anträge vornehme. So erkläre sich das Ergebnis der Recherche, dass erst 28,6 Prozent der Anträge aus dem Bistum Münster bearbeitet worden seien, während der Bundesdurchschnitt bei 32,7 Prozent liege.

Auch bei den Ergebnissen im Hinblick auf andere Punkte der Missbrauchsaufarbeitung widersprach Baumers der Recherche. "So rot wie das Bistum da auf der interaktiven Deutschlandkarte der FAZ leuchtete, könnte man meinen: Bei uns gibt es keinen Betroffenenbeirat, und den wird es auch nicht geben." Richtig sei stattdessen, dass sich eine Gruppe von Betroffenen "auf den Weg gemacht" habe. Für Anfang 2022 sei ein Vernetzungstreffen von Betroffenen ohne Beteiligung des Bistums geplant.

Eine am Montag von der FAZ veröffentlichte Recherche zum Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche war zu dem Ergebnis gekommen, dass die deutschen Bistümer seit Inkrafttreten des neuen Verfahrens zur Anerkennung des Leids zum 1. Januar 2021 insgesamt zwar mehr Geld an Missbrauchsopfer bezahlt hätten, die Höhe der Summen allerdings sehr unterschiedlich sei. Zudem gibt es laut dieser Untersuchung bisher in 13 der 27 Bistümer eigene Gutachten zu Missbrauch. In 14 Bistümern sei eine Unabhängige Kommission eingerichtet, in 13 ist sie noch im Aufbau oder in Planung. Betroffenenbeiräte gebe es in bisher sieben Bistümern, in 15 Bistümern seien sie in Planung. Diese Zahlen weichen jedoch teilweise von den Informationen der Deutschen Bischofskonferenz ab. (mal)