Standpunkt

Ein neues Treffen von Franziskus und Kyrill I. wäre wichtig und mutig

Aktualisiert am 10.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Vor wenigen Tagen kündigte Papst Franziskus an, sich bald erneut mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. treffen zu wollen. Für Christoph Strack wäre ein solches Treffen angesichts der Lage zwischen Moskau und dem Westen ein wichtiges Signal.

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Kirchenpolitisch war es eigentlich eine Sensation. Aber bei der Berichterstattung von der "fliegenden Pressekonferenz" von Papst Franziskus während seiner Rückreise von Athen nach Rom dominierten andere Fragen: Europas Umgang mit Flüchtlingen, die Affäre um den bisherigen Pariser Erzbischof Aupetit. So ging die Sensation unter. Jedenfalls kündigte der Papst ein baldiges Treffen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. an. Bislang haben die beiden sich einmal getroffen, auf Kuba kamen sie 2016 zum Gespräch zusammen.

Von einer solchen Begegnung darf man weiß Gott nicht zu viel erwarten. Manche sehen in Kyrill eine Marionette Putins, seine Kirche wirkt gelegentlich wie eine Zarenkirche vergangener Zeiten. Und doch ist dieses Gespräch so wichtig. Nicht, weil Russland, weil Moskau auf den päpstlichen Reisekarten noch fehlt. Sondern weil viele Konflikte, die es derzeit in Europa gibt, religiös aufgeladen sind. Das gilt für den erstarkenden Nationalismus in Serbien oder für die Lage in der Ukraine, und sicher gilt es zumindest auch für den harten Kurs des Putin-Russlands gegen den Westen.

Franziskus hat seine Äußerungen zum Treffen mit Kyrill eingebettet in längere Ausführungen. Er erwähnte es nicht so nebenbei, er wollte das sagen und erläutern. Der Papst kam vom "Skandal der Spaltung" auf seine Rolle, die orthodoxe Seite um Vergebung zu bitten. Immer wieder fallen in freier Rede diese Begriffe: "Entschuldigung", "Vergebung". Von seinem Griechenland-Besuch kam er auf Russland. "Ich bin immer bereit, ich bin auch bereit, nach Moskau zu gehen." Das Moskauer Patriarchat reagierte später verhalten, bestätigte aber, dass Metropolit Hilarion am 20. Dezember im Vatikan sei.

Schaut man nun auf die Lage zwischen Moskau und dem Westen und die Angst vor einer weiteren Eskalation, dann ist klar: Jeder direkte Dialog ist richtig. Dieses Verständnis treibt Franziskus ständig. Er spricht mit hochrangigen Würdenträgern von Juden, Christen und Muslimen. Und immer ist es eine Aufforderung zum brüderlichen Miteinander, zur Geschwisterlichkeit. Das Treffen mit Kyrill wäre wichtig und mutig. Und die Zeit drängt.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist Leiter des Bereichs Religionen der Deutschen Welle.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.