Ruhrbischof ruft Gläubige erneut zum Impfen auf

Overbeck: Spannungen in Kirche wegen Impfdebatte miteinander aushalten

Aktualisiert am 10.12.2021  –  Lesedauer: 

Essen ‐ Auch in der Kirche wachsen die Spannungen zwischen Geimpften und Ungeimpften. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ruft daher zu einem respektvollen Umgang auf. Dennoch appelliert er erneut an die Gläubigen, sich impfen zu lassen.

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Bischof Franz-Josef Overbeck ruft die Katholiken im Bistum Essen angesichts wachsender Auseinandersetzungen in der Kirche um die verschärften Corona-Maßnahmen besonders für Umgeimpfte zu einem respektvollen Umgang auf. "Die damit verbunden Spannungen auch innerhalb unserer Kirche müssen wir miteinander aushalten", schrieb Overbeck in einem am Freitag veröffentlichen Brief an die Gemeinden des Bistums. Mit Blick auf Einschränkungen bei Gottesdiensten betonte er, es sei ihm bewusst, dass Ungeimpfte aktuell viele Einschränkungen hinnehmen müssten und viele Gläubige eine "grundsätzlich andere Auffassung" zu den Fragen der Corona-Pandemie und ihrer Bekämpfung hätten. "Ich bitte sehr darum, dass wir in Stil und Tonfall respektvoll miteinander umgehen und die Entscheidungen der Personen und Gremien akzeptieren, die jeweils eine hohe Gesamtverantwortung tragen", so Overbeck.

Aktuell gebe das Bistum Essen keine zentralen Corona-Regeln für Gottesdienste vor, äußerte sich Overbeck weiter. Diese benötigten aber "nach Maßgabe der Verantwortlichen in unseren Pfarreien, Gemeinden und Einrichtungen besondere Vorsichtsmaßnahmen". Einzelne Pfarreien im Ruhrbistum hätten bereits 3G- oder 2G-Regelungen für ihre Gottesdienste eingeführt. Die Verantwortlichen in den Pfarreien machten sich viele Gedanken und stellten "mit teilweise hohem ehrenamtlichem Aufwand" sicher, dass von den Gottesdiensten keine Infektionsgefahr ausgehe.

Angesichts der vierten Corona-Welle drückte Overbeck seine Besorgnis aus und rief in seinem Schreiben erneut zum Impfen auf. "Das Impfen ist Ausdruck von Solidarität, konkreter Nächstenliebe und Gerechtigkeit, weil es darum geht, eine gefährliche Situation in unserem Land und weltweit gemeinsam zu überwinden." Damit sei die Entscheidung zu einer Impfung nicht nur privat, weil sie "schwerwiegende gesellschaftliche und gemeinschaftliche Folgen" habe. Overbeck warb "eindringlich" dafür, medizinischen und politischen Institutionen zu vertrauen und den eingeschlagenen Weg der Pandemie-Bekämpfung zu unterstützen. "Nach übereinstimmender Meinung der allermeisten Wissenschaftler und Politiker wird die Covid-19-Pandemie nur einzudämmen sein, wenn es gelingt, die Impfquote in unserem Land deutlich zu steigern", so der Ruhrbischof. Das sei die Grundlage, um den "Kreislauf der Pandemie" zu durchbrechen.

Respekt für medizinisches Personal

Des Weiteren ging Overbeck in seinem Brief auf die großen Belastungen durch die bald zwei Jahre andauernde Pandemie ein. Er zollte besonders denjenigen Respekt, "die im medizinischen und pflegerischen Dienst bis an den Rand der Erschöpfung und oft deutlich darüber hinaus um Gesundheit und Leben vieler Menschen kämpfen". Zugleich sei angesichts der Einschränkungen und der Bedrohung mancher Existenz "verständlich, wenn in diesen Wochen zunehmend die Nerven blank liegen und sich manche Auseinandersetzung um Fragen der Pandemie-Bekämpfung deutlich verschärft".

Auch der Aachener Bischof Helmut Dieser ruft angesichts der vierten Corona-Welle alle, denen es möglich ist, zur Impfung auf. "Es ist meine innerste Überzeugung: Lassen Sie sich um der anderen willen impfen!", sagte Dieser am Freitag. Impfen sei in der Pandemie eine Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe. Um sich selbst und andere, besonders vulnerable Gruppen wie Alte, Kranke und Kinder, zu schützen, sei die Impfung das wirksamste Mittel. Allerdings dürften die Menschen, die sich nicht oder noch nicht impfen lassen wollen, nicht verbal angegriffen werden. "Hören wir auf, die zu beschimpfen, die in ihrem Innersten noch immer anderer Meinung sind", so der Aachener Bischof. Es gehe vielmehr darum, weiter um die Impfung zu werben, die Menschen über den Nutzen und die Vorteile der Impfung aufzuklären.

Unterdessen sagte das Bistum Augsburg der Bayerischen Staatsregierung seine Unterstützung bei der weiteren Durchführung der Impfkampagne im Freistaat zu. In einem Schreiben an sämtliche Pfarreien, Orden und ausländischen Missionen warb Bischof Bertram Meier, den Impfzentren vor Ort Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Er habe auf die Anfrage aus dem Gesundheitsministerium gerne seine Hilfe zugesagt, zumal es sich für ihn um einen "Akt praktizierter Nächstenliebe" handele, so Meier am Freitag laut Pressemitteilung seines Bistums. Ein wichtiger Baustein für eine Rückkehr zu einem normalen Leben sei der Erfolg der Impfkampagne. Deshalb bat der Bischof darum, die Gesundheitsbehörden dort, wo Bedarf bestehe, "großherzig zu unterstützen". (mal)

10.12., 14:15 Uhr: Ergänzt um Dieser.