Papst Franziskus kritisiert die Prostitution Minderjähriger

Papst beklagt moralischen Verfall

Aktualisiert am 30.06.2014  –  Lesedauer: 
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Vatikan

Rom ‐ Die Kirche muss mehr an der Theologie der Frau arbeiten. Das sagte Papst Franziskus in einem Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" am Sonntag. Die Kirche sei eine Frau - ohne ihre Weiblichkeit könne man keine Theologie betreiben, so Franziskus in dem von Radio Vatikan übersetzten Interview.

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Auf die Frage, ob er sich Frauen als Behördenleiterinnen am Heiligen Stuhl vorstellen könne, antwortete der Papst jedoch ausweichend. "Nun, manches Mal geraten Priester unter die Autorität ihrer Haushälterinnen", sagte er.

Im Interview bekannte der Papst, dass er die Stadt Rom bisher kaum kenne. So habe er sich beispielsweise noch nicht die Vatikanischen Museen angeschaut. Nun beginne er sich aber langsam als Römer zu fühlen. "Ich möchte das Territorium sehen, die Pfarreien", sagte Franziskus.

"Spiegel des moralischen Verfalls"

Rom sei eine wunderschöne Stadt, habe aber die gleichen Probleme wie alle Großstädte, ergänzte der Papst. Er kritisierte deutlich, dass sich 14-jährige Mädchen an den Ausfallstraßen Roms prostituierten oder Kinder in den U-Bahnen bettelten. Er empfinde enormen Schmerz angesichts solcher Missstände. "Die Ewige Stadt, die ein Leuchtturm in der Welt sein sollte, ist ein Spiegel des moralischen Verfalls der Gesellschaft."

Ähnliches habe er auch schon in Buenos Aires beobachtet. "Einmal wurde mir gesagt, dass sich auf einer Straße von Buenos Aires 12-jährige Mädchen prostituierten. Ich informierte mich, es stimmte", erzählte Franziskus. Noch schmerzhafter sei die Beobachtung gewesen, wie "alte Männer" mit ihren Autos hielten. "Das hätten ihre Großväter sein können", sagte der Papst. "Für mich sind das Pädophile, die den Kindern so etwas antun."

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Prostituierte stehen nachts an der Straßen.

Solche Probleme ließen sich nur mit einer guten Sozialpolitik meistern. Die Politik müsse entschlossener auf die Probleme reagieren und mehr für Sozialdienste tun, die betroffene Familien betreuen könnten, forderte Franziskus. Sorge bereite ihm auch die niedrige Geburtenrate in Italien und anderen Ländern. "Eine Familie zu gründen ist anspruchsvoll", sagte er. Aber es scheine, als sei Europa der Rolle der Mutter überdrüssig geworden und wäre stattdessen lieber Großmutter. "Vieles hängt mit der Wirtschaftskrise zusammen. Es ist nicht nur die kulturelle Tendenz des Egoismus und der Genusssucht", so der Papst.

Die Armen im Mittelpunkt des Evangeliums

Im Interview kritisierte Franziskus auch die weit verbreitete Korruption unter Politikern. "Ich habe viel darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass viele Übel während eines Epochenwandels besonders wachsen", sagte er. Der Epochenwandel, der auch ein Kulturwandel sei, nähre den moralischen Verfall – nicht nur in der Politik, sondern auch in der Finanzwelt und im Sozialen.

Auf die Frage, was die katholische Kirche tun könne, um mehr junge Menschen zu erreichen und für sich begeistern zu können, forderte Papst Franziskus eine Kirche, die nicht bloß empfange, sondern eine, die schenke. Das Evangelium richte sich sowohl an Arme als auch an Reiche, es verurteile aber die Reichtümer, wenn sie zu götzenhaften Objekten würden. Die Armen stünden im Mittelpunkt des Evangeliums. (som)