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EU gründe auf dem "kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas"

Nach umstrittenem Leitfaden: EU-Kommission antwortet auf Papst-Kritik

Ein internes Dokument der EU-Kommission zu Formulierungsempfehlungen zum Weihnachtsfest hatte für Wirbel gesorgt. Nicht nur vom Papst kam Kritik. Dieser erhielt eine Antwort von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, wie nun bekannt wurde.

Brüssel/Paris - 22.12.2021

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat auf Kritik des Papstes an EU-Formulierungsempfehlungen zum anstehenden Weihnachtsfest geantwortet. Die EU gründe auf dem "kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas", erklärte sie in einem Brief an den Papst, aus dem das französische Portal "La Croix" zitiert. Gleichzeitig betont von der Leyen, die kulturellen und religiösen Traditionen seien wesentlicher Bestandteil der "Vielfalt", wie die EU-Kommission sie anstrebe.

Ursprung der Diskussion war ein Ende November bekanntgewordenes internes Dokument der EU-Kommission. Dieses enthielt Formulierungshinweise zum bevorstehenden Weihnachtsfest, mit der Absicht, mündliche und schriftliche Sprache diskriminierungsfrei zu halten. "Wir müssen jederzeit eine inklusive Kommunikation betreiben und so sicherstellen, dass alle in all unseren Materialien wertgeschätzt und anerkannt werden, unabhängig von Geschlecht, Rasse oder ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung", hieß es im Vorwort des Dokuments seitens der EU-Kommissarin für Gleichstellung Helena Dalli.

Sensibler Umgang mit religiösen Traditionen

Unter anderem animierte das Handbuch dazu, für die anstehenden Ferientage nicht exklusiv von der Weihnachtszeit zu sprechen und zudem nicht ausschließlich religionstypische Namen wie "Maria" oder "Johannes" zu nutzen. Hintergrund der Empfehlungen war der Grundsatz, nicht anzunehmen, dass alle Menschen Christen seien und nicht alle Christen Weihnachten zu denselben Daten feiern. "Seien Sie sensibel für die Tatsache, dass Menschen unterschiedliche religiöse Traditionen und Kalender haben", hieß es dazu etwa im Handbuch.

Papst Franziskus bezeichnete die Empfehlungen als eine "Mode des Laizismus". Bloß "frohes Fest" zu wünschen statt "Frohe Weihnachten", sei "ein Anachronismus", erklärte das Kirchenoberhaupt Anfang Dezember. So etwas habe in der Geschichte noch nie funktioniert. Das EU-Papier war nach Kritik und einer lautstarken Debatte in den Medien zunächst zurückgezogen worden.

Als "Mode des Laizismus" bezeichnete Papst Franziskus die Empfehlungen der EU-Kommission.

Auch weitere Kirchenvertreter äußerten sich kritisch: So bezeichnete Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin es zwar als richtig, Diskriminierungen zu beseitigen, der von der EU-Kommission eingeschlagene Weg sei aber nicht der richtige. "Denn am Ende besteht die Gefahr, dass sich das gegen die Person richtet und sie sozusagen annulliert", hieß es. Die Tendenz gehe zu einer alles umfassenden Vereinheitlichung. Die Kommission der Bischofskonferenzen der EU (COMECE) entgegnete der Rücknahme des Dokuments mit Genugtuung: "Neutralität kann nicht bedeuten, dass Religion in den privaten Bereich verbannt wird. Weihnachten ist nicht nur Teil der europäischen religiösen Traditionen, sondern auch der europäischen Realität", so COMECE-Chef Kardinal Jean-Claude Hollerich.

Das Schreiben der Kommissionspräsidentin erhielt der Papst laut Bericht bereits wenige Tage nach seiner Kritik; es sei bislang vertraulich behandelt worden. Von der Leyen hatte sich bereits zuvor unglücklich über die öffentlichen Polemiken um das Dokument gezeigt. (mpl/KNA)