Standpunkt

Coronabedingt bewegt sich Kirche ins Leben der Menschen

Aktualisiert am 29.12.2021  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Kirchliche Feste werden gefeiert, doch für viele haben sie nichts mit dem eigenen Leben zu tun. Coronabedingt habe sich an Weihnachten vielerorts gezeigt, wie man das Kommen Gottes in die Welt lebensnah feiern kann, kommentiert Agnes Wuckelt.

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Und schon ist Weihnachten wieder vorbei! Und besonders schnell, fielen die Festtage doch auf das Wochenende. Soll es das gewesen sein? Aber schon stehen die nächsten Feiern, Silvester und Neujahr, an: Deko austauschen, Festevent planen, einkaufen, Gäste einladen…

Feiern ist eine wichtige Dimension menschlichen Lebens. Gefeiert werden die kleinen und großen Ereignisse im individuellen Leben: Das Wiedersehen nach einer mehr oder weniger langen Zeit der Trennung (gerade in Zeiten der Pandemie), das bestandene Examen, die Hochzeit oder die Geburt eines Kindes. Das Ereignis wird gedeutet, gewinnt an Tiefe und Sinn, die schöne und freudvolle Dimension des Lebens wird ausgekostet und klingt nachhaltig nach.

Gefeiert werden die bundesweit einheitlich festgelegten Festtage, kirchliche wie staatliche. Diese haben mehr oder weniger mit dem persönlichen Leben zu tun. Nicht selten fehlt die Zeit, sich mit dem Anlass des Feierns intensiv zu beschäftigen. Es gelingt nicht, einen Zusammenhang zwischen den eigenen Lebensvollzügen und der Feier zu erkennen oder einen Zugang zu finden. Das Leben ist nicht dabei. Dann ist eben Weihnachten schnell vorbei und wird nach dem nächsten anstehenden Feiertag – Silvester und Neujahr (leider wieder an einem Wochenende) – Ausschau gehalten.

Coronabedingt fanden weihnachtliche Liturgien im Freien statt. An sogenannten pastoralen Anders-Orten, aber dort, wo sich sonst Leben ereignet: Auf dem Rastplatz im Stadtwald am täglichen Spazier- oder Joggingweg, im Park, wo sich der Spielplatz befindet, dort, wo im Sommer ein Biergarten ist. Gut frequentiert sind die anders gestalteten Angebote, Treffen mit denen, die man sonst auch dort trifft – beim Laufen, zum Spielen, zum Trinken und Miteinanderreden. Und jetzt zur weihnachtlichen Feier, geplant oder zufällig. Der Not geschuldet, bewegt sich "Kirche" ins Leben der Menschen. Um das Kommen Gottes mitten unter uns zu feiern, lebensnah. Und ein nötiger Schritt zu mehr Menschenfreundlichkeit in der Kirche.

Von Agnes Wuckelt

Die Autorin

Agnes Wuckelt ist emeritierte Professorin für Praktische Theologie und stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.