Standpunkt

Der Vatikan sollte die deutschen Gesprächsangebote annehmen

Aktualisiert am 05.01.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Den Ärger vieler Laien in Deutschland an der fehlenden Gesprächsbereitschaft des Vatikan kann Christoph Brüwer gut verstehen. Ein Dialog der Kirchenleitung mit dem Gottesvolk sei längst überfällig, ansonsten drohe der Graben noch tiefer zu werden.

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"Das ist Kommunikationsverweigerung": Die Worte, mit denen die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, in einem Interview am Wochenende die Reaktionen des Vatikan auf Reformvorschläge kritisiert hat, sind deutlich. Im Oktober mahnte die damalige Vizepräsidentin des ZdK und des Synodalen Wegs, Karin Kortmann, bereits die mangelnde Gesprächsbereitschaft aus Rom an. Vertreter des Reformprozesses hätten mehrfach um ein Gespräch mit Papst Franziskus oder Kurienvertretern gebeten. "Briefe darf man beantworten", sagte sie bei der zweiten Synodalversammlung unter dem Applaus der Synodalen in Richtung von Nuntius Nikola Eterovic.

Man spürt förmlich, wie tief die Frustration bei vielen Laienvertretern über die abgelehnten Gesprächsangebote sitzt. Und der Ärger ist verständlich: Seit Jahrzehnten wird versucht, Antworten auf drängende Fragen der Gläubigen zu finden. Wenn sich Vatikanvertreter aber nicht an den Beratungen beteiligen, Ergebnisse am Ende einfach abwatschen oder gleich ganz ignorieren, wird der Graben zwischen Rom und den Gläubigen in Deutschland nur noch größer. So entsteht kein konstruktiver Austausch, sondern lediglich ein intendiertes Abhängigkeitsverhältnis, das eine Seite aber immer weniger akzeptiert. Der Dialog der Kirchenführung mit dem Gottesvolk ist daher längst überfällig und kann nicht einfach ausgesessen oder missachtet werden.

Bereits im vergangenen Februar forderte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode in einem katholisch.de-Interview einen intensiveren Austausch mit Rom anstatt dort nur die Ergebnisse der eigenen Beratungen abzuliefern. "Wenn auf synodale Vorgänge von Rom aus nur mit einer Bewertung geantwortet würde, fände ich das enttäuschend, weil man dann die Gelegenheit eines wirklichen Dialogs nach vorne verpasst hat."

Viele sehen so eine Chance im weltweiten synodalen Weg, den Papst Franziskus im vergangenen Jahr begonnen hat. Dies sei ein Prozess, "der allen Gläubigen offensteht und zu dem alle Ortskirchen einen wesentlichen Beitrag leisten sollen", heißt es im Vademecum. Es bleibt zu hoffen, dass diese Beiträge nicht ungehört verschallen.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.