Standpunkt

Der Pate: Ein Amt, das die Kirche nicht ablehnen kann

Aktualisiert am 12.01.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Wissen Taufpaten eigentlich, dass sie einen Menschen auf seinem Glaubensweg begleiten sollen? Oftmals ist das leider nicht der Fall. Doch Roland Müller plädiert nicht für die Abschaffung dieser wichtigen Aufgabe, sondern für eine Neubesinnung.

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Schon wiederholt haben süditalienische Bischöfe von sich reden gemacht, weil sie das Amt des Taufpaten in ihren Diözesen vorübergehend aussetzen. Der Hintergrund ist wahrscheinlich die Bekämpfung von Mafia-Strukturen. Denn führende Mitglieder dieser kriminellen Vereinigungen festigen ihre Macht durch die Übernahme des Patenamtes bei den Kindern ihrer Gefolgsleute und der daraus resultierenden "spirituellen" Verwandtschaftsbeziehung. Offiziell wird die zeitweise Abschaffung der Paten bei Kindstaufen jedoch mit der "Verweltlichung" dieses Amtes begründet, wie erst in der vergangenen Woche vom Oberhirten des Bistums Mazara del Vallo auf Sizilien. Die allermeisten Paten würden "sich auf eine rein formale Präsenz in der Liturgie" beschränken, die eigentlich angedachte Begleitung des Getauften auf dessen christlichem Lebensweg finde nicht statt, begründete Bischof Domenico Mogavero seinen Schritt.

Damit hat Mogavero einen wunden Punkt getroffen, der auch in der Kirche in Deutschland zu einem Umdenken mit Blick auf das Patenamt führen sollte. Denn wer ehrlich auf die Situation des Taufpatenamtes im deutschen Sprachraum blickt, stellt fest, dass meistens Geschwister oder gute Freunde von den Eltern des Täuflings zu dessen Paten erkoren werden. Damit wollen sie oft die enge Verbindung untereinander stärken, aber sicher auch zahlreiche Geschenke für ihr Kind sichern. Einen Taufpaten auszuwählen, weil ihm die Vermittlung des christlichen Glaubens ein wichtiges Anliegen ist, das passiert auch in Deutschland viel zu selten.

In Anspielung auf den Kultfilm mit Marlon Brando gefragt: Ist der Pate also ein Amt, das die Kirche nicht ablehnen kann? Ich finde: Ja, denn seine Aussetzung würde zu einem Schock unter den Gläubigen führen, weil das Patenamt in vielen Familien sehr beliebt ist, gerne übernommen und als Auszeichnung angesehen wird. Eine Abschaffung könnte dazu führen, dass noch mehr Menschen als bisher der Kirche den Rücken kehren. Vielmehr sollten sich die Seelsorger darüber freuen, dass viele Menschen gerne Taufpaten werden wollen und die Chance nutzen, sich diesen oft nicht praktizierenden Gläubigen, möglichst zugewandt zu präsentieren. Gleichzeitig muss jedoch die inhaltliche Vorbereitung auf die Aufgabe als Paten intensiviert werden. Dazu können etwa kurze Glaubenskurse mit wenigen Treffen oder entsprechende Webinare dienen – auch wenn es hierfür leider bislang kaum Angebote gibt. Nur durch eine Wiederentdeckung der eigentlichen Bedeutung der Taufpaten kann es gelingen, dass aus diesem "verweltlichten" Amt wieder ein echter geistlicher Mehrwert entspringt.

Von Roland Müller

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.