Die Skyline von Berlin, links der Reichstag, rechts der Fernsehtumr, im Vordergrund die Spree.
Der Weggang Woelkis sorgt für eine schwierige Situation

Es warten viele Aufgaben

Erzbistum Berlin - Über eine Rückkehr von Kardinal Rainer Maria Woelkis an den Rhein gab es immer wieder Spekulationen. Und doch kam die Nachricht seines Wechsels von Berlin nach Köln überraschend . Fast genau drei Jahre nach seiner Ernennung zum Hauptstadt-Bischof geht Woelki erneut in seine alte Heimat. Papst Franziskus ernannte ihn am Freitag zum Kölner Erzbischof. Für das Erzbistum Berlin ergibt sich damit eine schwierige Situation.

Berlin - 12.07.2014

In seiner relativ kurzen Amtszeit hat Woelki mit der Bistumsreform und der Kathedralsanierung zwei ambitionierte Vorhaben auf den Weg gebracht, die er nun nicht mehr selbst abschließen kann. Jetzt fragen sich nicht nur die 400.000 Katholiken des Erzbistums, wie es mit den auf mehrere Jahre angelegten Projekten weitergeht.

Der von Woelki im Dezember 2012 eingeleitete Prozess "Wo Glauben Raum gewinnt" bedeutet weit mehr als eine Reihe von Gemeindefusionen, wie sie vor rund einem Jahrzehnt unter anderem zur Sanierung des damals hoch verschuldeten Erzbistums erfolgten. Es geht um eine grundlegende Neuorientierung des kirchlichen Lebens und eine Überwindung von "Kirchturmdenken". Die Gemeinden sollen sich mit katholischen Sozial- und Bildungseinrichtungen eng vernetzen und gemeinsam mit ihnen für den christlichen Glauben eintreten.

Rainer Maria Woelki im Porträt

Kardinal Rainer Maria Woelki.

Kritiker befürchten Schaden für Seelsorge

Vor allem die damit verbundene Gründung von rund 30 Großpfarreien in Berlin, Brandenburg und Vorpommern stößt jedoch auf Kritik . Sie sollen bis 2020 aus den derzeit 105 Kirchengemeinden entstehen. Die Bistumsleitung versichert, dass das Gemeindeleben darunter nicht leiden und sogar noch gestärkt werden solle. Für das Konzept warb sie bereits in über 150 Informationsveranstaltungen mit rund 7.000 Teilnehmern.

Kritiker befürchten dennoch einen irreparablen Schaden für die Seelsorge. Sie fordern alternative Modelle wie "Pfarreiengemeinschaften", die Gemeinden weniger eng verbinden als Großpfarreien. Ein "Initiativkreis" einiger Berliner Katholiken sammelte bistumsweit mehr als 2.800 Unterschriften für eine Petition an Woelki. Zahlenmäßig entspricht dies immerhin gut fünf Prozent der Gottesdienstbesucher an Sonntagen. Die Kritiker fühlen sich durch Woelkis Weggang nun ermutigt, verstärkt für ihre Anliegen einzutreten.

Weniger weit fortgeschritten ist die Sanierung der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale. Erst Ende Juni wurde ein Architekten-Wettbewerb entschieden. Der erstplatzierte Entwurf sieht eine grundlegende Neugestaltung des Kircheninnenraums vor. Danach würde die Bodenöffnung mit Treppe zur Krypta, das heute markanteste architektonische Merkmal der Bischofskirche, geschlossen, um einen Altar an zentralem Ort zu ermöglichen. Woelkis Wunsch nach einer Bischofskirche, die besser den liturgischen Vorgaben für die Gottesdienste und der Funktion einer Hauptstadt-Kathedrale entspricht, findet bei prominenten Vertretern aus Architektur und Kirche Rückhalt.

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Video: © Tobias Böcher

Kardinal Woelki wird neuer Erzbischof von Köln. Die meisten Kölner äußern sich positiv über diese Nachricht. Nur die Berliner haben das Nachsehen.

Auch von Köln aus noch Einfluss auf Berlin

Auch hier regt sich Protest vor allem bei Katholiken aus dem früheren Ost-Teil des Erzbistums, wenngleich er sich öffentlich bislang zumeist nur in Leserbriefen äußerte. Sie stellen die Notwendigkeit eines solch umfassenden Eingriffs in Frage. Zudem verweisen sie auf die Forderung von Papst Franziskus nach einem bescheidenen Auftreten der Kirche.

Öffentlich in den Hintergrund gerückt ist dagegen eine weitere Initiative Woelkis. Er tritt nachdrücklich dafür ein, die katholische Kirche in der Berliner Wissenschaftslandschaft stärker zu verankern. Gespräche über eine Kooperation mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar führten im vergangenen November indes zu keiner Einigung.

Bei der Kathedralsanierung und der wissenschaftlichen Kirchenpräsenz in Berlin könnte Woelki nun weiter ein gewichtiges Wort mitreden. Beide Vorhaben sind mit Millionen-Investitionen verbunden, die das Erzbistum Berlin nicht alleine aufbringen kann. An der Spitze der finanzstarken Erzdiözese Köln könnte Woelki dazu beitragen, dass die Vorhaben nicht am Geld scheitern.

Von Gregor Krumpholz (KNA)

Das Erzbistum Berlin

Das Erzbistum Berlin umfasst das Land Berlin, den größten Teil Brandenburgs sowie Vorpommern und einen kleinen Teil Sachsen-Anhalts. In seinen derzeit 105 Kirchengemeinden leben über 400.000 Katholiken, davon rund 325.000 in Berlin. Während die Zahl der Katholiken im Raum der Bundeshauptstadt wächst, geht sie in den ländlichen Gebieten zurück. In seiner jetzigen Form wurde das Erzbistum 1994 errichtet. An seiner Spitze stand seit 2011 Erzbischof Rainer Maria Woelki, den Papst Benedikt XVI. 2012 zum Kardinal erhob. Die historischen Wurzeln der Erzdiözese reichen bis ins 10. Jahrhundert. Die alten Bistümer Brandenburg, Havelberg, Kammin und Lebus gingen während der Reformation unter; erst im 18. Jahrhundert gab es wieder eine nennenswerte katholische Minderheit in der Region. Seit 1821 bestand eine "Fürstbischöfliche Delegatur für Brandenburg und Pommern" im Erzbistum Breslau. 1930 erhob Papst Pius XI. die dazu gehörenden Gebiete zum selbstständigen Bistum. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Teil östlich der Oder einschließlich der Hafenstadt Stettin an Polen und kam 1972 zu neu gegründeten polnischen Diözesen. Das Bistum Berlin wurde im selben Jahr unmittelbar dem Heiligen Stuhl unterstellt. Während der Teilung Deutschlands war es bis zum Ende der DDR eine der wenigen innerdeutschen "Klammern"; der Bischof war Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz und der damaligen Berliner Bischofskonferenz. Zu der nach der Vereinigung Deutschlands errichteten Kirchenprovinz Berlin gehören die Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz. (KNA)