Bei Reformprozess eine "breite Mitte", die oft nicht wahrgenommen werde

Bischof Wiesemann schaut zuversichtlich auf Synodalen Weg

Aktualisiert am 17.01.2022  –  Lesedauer: 
Bischof Karl-Heinz Wiesemann bei der Jahresauftakt-Pressekonferenz am 23. Januar 2020 in Speyer
Bild: © Bistum Speyer

Speyer ‐ Beim Synodalen Weg entstehe manchmal der Eindruck "von Extremen, die sich gegenseitig hochschaukeln": Bischof Karl-Heinz Wiesemann sieht die Situation jedoch anders – und bezeichnet sich als "großen Verfechter des konstruktiven Wegs des Dialogs".

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Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann zeigt sich optimistisch über den weiteren Fortgang des katholischen Reformprozesses Synodaler Weg. Vor Journalisten äußerte er sich am Montag zuversichtlich, dass die Kirche in der Bundesrepublik auch für die weltkirchliche Ebene einen Beitrag zu Veränderungen leisten könne. Zugleich trat er Befürchtungen entgegen, dass es um eine Abspaltung gehen könne.

Vielmehr gebe es beim Synodalen Weg eine "breite Mitte", die oft nicht wahrgenommen werde. Stattdessen entstehe manchmal der Eindruck "von Extremen, die sich gegenseitig hochschaukeln". Wiesemann bezeichnete sich als "großen Verfechter des konstruktiven Wegs des Dialogs". Der Bischof ging auch auf seine mehrmonatige Auszeit im vergangenen Jahr ein. Er sprach von einem "nicht einfachen Einschnitt" in sein Leben. Er sei "geistig und physisch herausgefordert" gewesen. Dies habe eine Auszeit "einfach notwendig" gemacht.

Generalvikar Andreas Sturm berichtete von Überlegungen, gemeinsam mit den Niederbronner Schwestern eine eigene Aufarbeitungsstudie über ein Kinderheim in der Speyerer Engelsgasse in Auftrag zu geben. Dabei geht es um Vorwürfe von sexuellem Missbrauch und Gewalt. Ende 2020 und Anfang 2021 hatten entsprechende Berichte auch international zu Schlagzeilen geführt. Als mutmaßlicher Missbrauchstäter beschuldigt wird auch der verstorbene frühere Generalvikar Rudolf Motzenbäcker.

Weitere Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs

Wiesemann und Sturm berichteten über weitere Prozesse der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der pfälzischen Diözese. So sei im April ein Betroffenenbeirat und im Juni eine Unabhängige Aufarbeitungskommission gegründet worden. Umgesetzt wurde im Vorjahr auch ein E-Learning-Programm für Kita-Erzieherinnen, das von einer Reihe anderer deutscher Bistümer übernommen worden sei.

Das Bistum prüft aktuell, ob Missbrauchsbetroffene in schwierigen Lebensumständen auf Wunsch eine monatliche Rente erhalten könnten. Bislang zahlte die Diözese 72 Betroffenen in Anerkennung des Leids einschließlich der Leistungen für Therapiekosten rund 1,2 Millionen Euro. Seine persönlichen Gespräche mit Betroffenen setzte Wiesemann unmittelbar nach Beendigung seiner Auszeit fort.

Zuversichtlich äußerten sich Wiesemann und Sturm über den sogenannten Visionsprozess im Bistum. Dabei sollen "Segensorte" geschaffen werden. "Weil Gott uns seinen Segen schenkt, wollen wir zum Segen für andere werden", so Sturm. Mehr als 4.300 Personen haben bislang Erfahrungen und Ideen eingebracht. Davon ausgehend will das Bistum bis April eine konkrete Handlungsstrategie entwickeln. (KNA)