Damit Stephanus nicht mehr ausfallen kann

Liturgiewissenschaftler schlägt Neuordnung der Weihnachtsoktav vor

Aktualisiert am 17.01.2022  –  Lesedauer: 

Innsbruck ‐ Die Weihnachtszeit hat einige Besonderheiten – 2021 führte das dazu, dass Stephanus ausfiel. Der Innsbrucker Liturgiker Liborius Lumma hat das zum Anlass für einen Reformvorschlag genommen, der nicht nur den Erzmärtyrer zu seinem Recht kommen lässt.

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Der Innsbrucker Theologe Liborius Lumma spricht sich für eine Neuordnung der Weihnachtsoktav aus, die "besser zusammenhängt und konsistenter" ist. Die Liturgie der Festwoche nach Weihnachten solle Aspekte der Inkarnation Christi ebenso wie traditionelle Feste im Weihnachtskreis besser zur Geltung bringen, schrieb er in einem Beitrag für das liturgiewissenschaftliche Online-Magazin "PrayTell" Ende letzter Woche. Anlass der Überlegungen war die Besonderheit der vergangenen Weihnachtszeit, in der der zweite Weihnachtsfeiertag auf einen Sonntag fiel und so der Gedenktag des heiligen Stephanus zugunsten des Fests der Heiligen Familie entfiel.

Lumma schlug vor, zusätzlich zu den bisherigen Festtagen in der Weihnachtsoktav zwei neue einzuführen, an denen der Propheten Simeon und Anna (auch: Hanna) sowie der "heiligen Vorboten aus dem Alten Testament" gedacht werden soll, und den 1. Januar der Namensgebung und Beschneidung Jesu zu widmen. Während Heilige aus dem Alten Testament eine große Rolle in östlichen Liturgien spielten, seien sie in der westlichen Gottesdienstordnung weitgehend vergessen. "Eine erneuerte Weihnachtsoktav könnte sie zurück ins katholische Bewusstsein bringen", so der Liturgiewissenschaftler.

Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament

Simeon und Anna sind mit dem Fest der Darstellung des Herrn verbunden, mit dem im Brauchtum das Ende Weihnachtszeit verbunden ist. Im Lukasevangelium wird über die beiden betagten Menschen berichtet, dass sie Jesus im Jerusalemer Tempel begegnen und ihnen damit die Verheißung erfüllt wird, dass sie noch zu Lebzeiten den Messias sehen werden. Die beiden prophetischen Gestalten sieht Lumma als geeignet für die Weihnachtsoktav an, auch wenn die biblische Chronologie die Darstellung des Herrn 40 Tage nach Weihnachten verortet. "Diese zwei Propheten stehen für die Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament und wären so eine gute Ergänzung zu einem Fest der Vorboten Christi", so der Liturgiewissenschaftler.

Mit diesen neuen Gedenktagen wären alle acht Tage ab Weihnachten bedacht. Bisher besteht die Oktav aus Weihnachten selbst, dem Stephanustag am 26. Dezember, dem Fest des Evangelisten Johannes am 27. Dezember, dem Fest der unschuldigen Kinder am 28. Dezember sowie am Sonntag in der Oktav dem Fest der Heiligen Familie. Lumma schlägt vor, entweder ab dem 29. Dezember nacheinander die Heilige Familie, die Heiligen Vorboten, die Heiligen Simeon und Anna sowie am 1. Januar Beschneidung und Namensgebung zu feiern und damit die bisherige Reihenfolge kaum zu verändern, oder aber eine "ambitioniertere" Reihenfolge zu wählen, die "theologisch in konzentrischen Kreisen um Weihnachten kreist". Dazu würde nach Weihnachten die Heilige Familie am 26. Dezember begangen, gefolgt von den Heiligen Vorboten, den Unschuldigen Kindern, den Heiligen Stephanus, Simeon und Anna sowie Johannes und der Beschneidung und Namensgebung am 1. Januar. Damit hätte künftig auch das Fest der Heiligen Familie einen festen Termin. Bisher wird es immer am Sonntag in der Oktav gefeiert (am 30. Dezember, falls Weihnachten auf Sonntag fällt), so dass es die liturgisch niederrangigeren Feste Stephanus und Unschuldige Kinder verdrängt, wenn es auf den 26. oder 28. Dezember fällt.

Der 1. Januar ist das Hochfest der Gottesmutter Maria. Bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–65) war dieser Tag der Beschneidung Jesu gewidmet. In den vergangenen Jahren hatte sich unter anderem der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück für eine Wiedereinführung ausgesprochen, um die Verbindung des Christentums mit dem Judentum zu betonen. Außerdem wäre es ein ökumenisches Signal, das in reformatorischen und orthodoxen Kirchen nie abgeschaffte Fest wieder in den Kalender aufzunehmen. (fxn)