Erzbistum Berlin veranstaltete Online-Debatte über Reformdialog

"Zwischenstopp" auf dem Synodalen Weg

Aktualisiert am 20.01.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ Eine Online-Veranstaltung sollte den Synodalen Weg stärker im Erzbistum Berlin erden. Dabei erläuterten seine Vertreterinnen und Vertreter in dem bundesweiten Reformdialog, welche Themen ihnen wichtig sind.

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Es sollte ein "Zwischenstopp" auf dem Weg nach Frankfurt am Main sein: Bevor dort in zwei Wochen die dritte bundesweite Vollversammlung des Synodalen Wegs stattfindet, lud Erzbischof Heiner Koch für Mittwochabend zu einer Online-Veranstaltung des Erzbistums Berlin über der Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland ein. Beteiligen konnten sich angemeldete Zuschauerinnen und Zuschauer. Ein heißes Eisen der Reformdebatten – eine Priester- oder Diakonenweihe für Frauen – kam auch hier zur Sprache.

"Ich werde mich nicht öffentlich gegen den Heiligen Vater und das Konzil stellen", stellte der Erzbischof auf die Frage nach seiner Position zu dem innerkirchlichen Streitthema klar. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) und alle folgenden Päpste hätten sich aus theologischen Gründen eine solche Weihe von Frauen für unmöglich erklärt. "Das ist für mich als Bischof eine große Verpflichtung", erklärte Koch. Und er äußerte zugleich Verständnis für Frauen, "die das als verletzend empfinden und darunter leiden". Er könne angesichts dieser Widersprüche aber "vieles nur aushalten", räumte er ein. Er plädierte aber dafür, die Frage eines Diakonenamts für Frauen "offenzuhalten".

"Keine Tabus" bei Debatten des Synodalen Wegs

Für die Forderung nach mehr Frauenrechten in der Kirche sei dies nicht genug, betonte dagegen Claudia Nothelle, die das höchste Laiengremium des Erzbistums beim Synodalen Weg vertritt. Eine Diakonenweihe könne nur "ein erster Schritt" sein, bekräftigte die frühere RBB-Programmdirektorin. Und dies dürfe nicht in erster Linie aus der Absicht erfolgen, wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Kirche zu gewinnen. Es gehe vielmehr darum, die Berufung auch von Frauen für geistliche Ämter anzuerkennen.

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Wolfgang Klose, ebenfalls für den Berliner Diözesanrat beim Synodalen Weg und einer der Vizepräsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, machte sich unter anderem mit Blick auf Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare ebenfalls für einen Reformvorschlag stark, der in der katholischen Kirche kontrovers diskutiert wird. Bei Fragen wie diesen gebe es in den Debatten des Synodalen Wegs aber "keine Tabus", betonten Nothelle und Klose. Sie bestätigten damit die Erfahrungen von Generalvikar Manfred Kollig, der sich im Themenbereich Macht und Gewaltenteilung engagiert. Der Verwaltungschef des Erzbistums sieht das Ziel des Synodalen Wegs indes nicht in einer "grundlegenden Reform" der Kirche.

Erzbischof Koch sieht "Gefahr der Spaltung"

So plädierte er für praxisorientierte Empfehlungen für einen "besseren Umgang" mit Macht in der Kirche. Der Missbrauchsskandal habe "stellenweise gezeigt", wie sich Macht und Verantwortung negativ auswirkten, "wenn sie für einzelne Personen zu groß werden und die Ausführung unbeaufsichtigt bleibt", begründete  Kollig seine Auffassung. Auch empfahl er, die vorhandenen Beteiligungsmöglichkeiten etwa in Gemeinden stärker zu nutzen und die Idee des Synodalen Wegs auch auf dieser Ebene umzusetzen. Weihbischof Matthias Heinrich warnte, die Abschlussdokumente des bundesweiten Reformdialogs dürften keine Erwartungen wecken, die aus weltkirchlicher Sicht "nicht eingehalten werden können".

Die mit dem Synodalen Weg verbundenen und teils widersprüchlichen Hoffnungen sind für Erzbischof Koch "die größte Sorge", wie er einräumte. Die "Gefahr der Spaltung" sei ihm bei aller erlebten Verständigungsbereitschaft "durchaus bewusst". So bleibt offen, ob ein gemeinsames Ziel aller Teilnehmenden des Reformdialogs ausreichen wird, das Nothelle so auf den Punkt brachte: "Wir Katholiken wollen wieder über unsere Glaubensbotschaft wahrgenommen werden und nicht nur über Missbrauch, Gerichtsprozesse und Machtstrukturen."

Von Gregor Krumpholz (KNA)