Ein Italiener aus dem Hochadel war Papst im Ersten Weltkrieg

Gescheiterte Friedensmüh': Vor 100 Jahren starb Papst Benedikt XV.

Aktualisiert am 22.01.2022  –  Lesedauer: 
Papst Benedikt XV.
Bild: © KNA

Vatikanstadt ‐ Mit seinen Friedensappellen unterschied sich Benedikt XV. während des Ersten Weltkriegs deutlich von den anderen Mächtigen seiner Zeit. Doch seine Durchsetzungskraft war überschaubar. Vor 100 Jahren starb der Spross aus italienischem Hochadel.

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Als Giacomo della Chiesa am 3. September 1914 zum Papst gewählt wurde, zeigte sich wieder einmal: Die Kardinäle der so traditionsfesten römischen Kirche sind durchaus zu Kursänderungen fähig. Auf sehr konservative Päpste wie Pius IX. und X. folgte ein politisch wie gesellschaftlich aufgeschlossenerer Pontifex. Und auf den aus kleinbürgerlichem Milieu stammenden Pius X. ein Spross aus europäischem Hochadel.

Geboren 1854 in Genua, musste der junge Giacomo erst Rechtswissenschaften studieren, bevor ihm sein Vater den Priesterberuf erlaubte. Nach der Priesterweihe 1878 arbeitete della Chiesa längere Zeit im vatikanischen Staatssekretariat und wurde 1907 zum Erzbischof von Bologna ernannt. Erst im Mai 1914 erhielt er die Kardinalswürde.

Als Kardinal della Chiesa sich gut drei Monate später auf der Benediktionsloggia des Petersdomes als neuer Papst präsentierte, nannte er sich Benedikt XV. In Reverenz an den 14. Benedikt (1740-1758), einen seiner Vorgänger in Bologna. Während er sich in sein neues Amt einarbeitete, kam in Frankreich der Einmarsch der deutschen Truppen zum Erliegen. Das Gemetzel in den Schützengräben begann und wurde zur größten Herausforderung des neuen Papstes.

Papst im Ersten Weltkrieg

Nur fünf Tage nach seiner Wahl schrieb Benedikt XV. einen Mahnbrief an Katholiken und speziell die Machthaber. In beschwörendem Ton verlangte er ein Ende des Blutvergießens. Dass man gut vier Jahre später rund 17 Millionen Tote des "Großen Krieges" beklagen würde, wie er damals genannt wurde, war da noch nicht absehbar. Im Juli 1915 bekannte Benedikt XV. in einem weiteren Mahnschreiben, er habe es sich "fest vorgenommen, unsere ganze Tätigkeit und unsere ganze Autorität für die Versöhnung der kriegführenden Völker einzusetzen".

"Im Allerheiligsten Namen des Allmächtigen unseres göttlichen Vaters" beschwor er die "Herrscher der nun im Kriege sich befindlichen Völker, endlich diesem entsetzlichen Kampfe ein Ende zu bereiten, welcher seit einem Jahr Europa entehrt". Dabei beschönigt die deutsche Übersetzung die päpstliche Wortwahl.

Bild: ©picture alliance / Imagno/Austrian Archives (S)

Papst Benedikt XV. hat sich während des Ersten Weltkrieges für den Frieden eingesetzt.

In der italienischen Fassung war von "orrenda carnificia", einer "grauenhaften Schlächterei", die Rede. Ebenso klar die französische und englische Übersetzung. Eine 1931 veröffentlichte neue Übersetzung auf Deutsch veranlasste Kurt Tucholsky zu dessen Polemik "Soldaten sind Mörder" in der Zeitschrift "Weltbühne". Darin wurde der "entsetzliche Kampf" durch "grauenhafte Schlächterei" ersetzt.

Kriegstreiber wenig beeindruckt

Doch die Kriegstreiber beeindruckte das ebenso wenig wie eindringliche päpstliche Beschwörungen und Mahnungen vor dem "höchsten Richter, welchem auch ihr Rechenschaft ablegen müsst". Zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns präsentierte Benedikt XV. gar einen sorgfältig ausgearbeiteten Friedensplan.

In seiner Ausgewogenheit sollte er allen Seiten gerecht werden. Vorgesehen waren: sofortige Abrüstung, Verzicht auf Reparationszahlungen, Rückgabe besetzter Gebiete und die Einrichtung einer übernationalen Schiedsstelle, um Streitigkeiten zu schlichten. Doch jede Kriegspartei meinte, sie müsse politisch oder militärisch zu viele Zugeständnisse machen.

Und die Kirchen vor Ort? Die hatten in allen Ländern den Krieg als gottgewollt gerechtfertigt. Und nun nannte der Papst ihn ein "unnützes Blutvergießen". Millionenfacher Tod der jeweiligen "Helden des Vaterlandes" sollte sinnlos gewesen sein ...? Immerhin wurde eine päpstliche Anregung, die einer Art internationaler Schiedsstelle, aufgegriffen. Den 1920 gegründeten Völkerbund begrüßte das Kirchenoberhaupt.

Innerkirchliche Öffnung

Auch innerkirchlich sorgte der Adlige auf dem Stuhl Petri für Entspannung und Öffnung. Er förderte in den außereuropäischen Missionsgebieten die Ausbildung einheimischer Priester und Ordensleute und an der Kurie eine eigene Behörde für die mit dem Papst unierten Ostkirchen.

Als Joseph Ratzinger 2005 zum Papst gewählt wurde, wählte er den Namen Benedikt XVI. auch in Würdigung seines Vorgängers, der sich mit seiner friedensfreundlichen Haltung von den meisten anderen Monarchen und Staatsführern seiner Zeit deutlich unterschied. Am 22. Januar 1922 starb Benedikt XV. 67-jährig an einer Lungenentzündung.

Von Roland Juchem (KNA)