Muster seien bei katholischer und evangelischer Kirche unterschiedlich

Kurschus sieht systemische Gründe für Missbrauch in der Kirche

Aktualisiert am 22.01.2022  –  Lesedauer: 

Düsseldorf ‐ "Es gibt kirchliche Muster und Strukturen, die sexualisierte Gewalt begünstigen", sagt die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus. Auch in evangelischen Gemeinden gebe es sexualisierte Gewalt.

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Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Annette Kurschus, sieht systemische Gründe für sexuellen Missbrauch in der Kirche. "Es gibt kirchliche Muster und Strukturen, die sexualisierte Gewalt begünstigen", sagte Kurschus der "Rheinischen Post" (Samstag). "Das sind in der evangelischen Kirche andere als in der katholischen Kirche."

Auch in evangelischen Gemeinden und Einrichtungen gebe es sexualisierte Gewalt, sagte Kurschus. "Dadurch wurde und wird Vertrauen zerstört." Dieses zurückzugewinnen, sei ein langer Prozess. "EKD-weit haben wir eine umfangreiche wissenschaftliche Studie angestoßen, die – das ist uns wichtig – von unabhängigen Stellen vorangebracht und ausgewertet wird", ergänzte die Ratsvorsitzende.

Größtmögliche Transparenz

"Wir legen Wert auf größtmögliche Transparenz, um allmählich wieder Vertrauen zu gewinnen bei betroffenen Menschen und auch bei denen, die das Ganze 'von außen' verstört beobachten." Die Studie werde unter anderem bei den systemischen Gründen für Missbrauch einen Schwerpunkt haben – sie solle Muster und Strukturen offenlegen, die sexuelle Übergriffe in der Kirche begünstigen, erklärte Kurschus.

Ein am Donnerstag vorgestelltes Gutachten bescheinigt mehreren katholischen Münchner Erzbischöfen und weiteren Angehörigen der Bistumsleitung Führungsversagen im Umgang mit Missbrauchstätern sowie fehlende Sorge für die Geschädigten. Die Studie erhebt in diesem Zusammenhang auch Vorwürfe gegen den früheren Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger, der von 1977-1982 dem Erzbistum München-Freising vorstand. (cph/KNA)