Friedensgebete zeitgleich zu Impfgegner-Protesten

Nach Morddrohungen: Hunderte Menschen zeigen Solidarität mit Pfarrerin

Aktualisiert am 23.01.2022  –  Lesedauer: 

Herne ‐ Eine Pfarrerin in Herne organisiert zeitgleich zu Impfgegner-Demonstrationen Friedensgebete – und bekommt dafür Morddrohungen. Am Samstag kamen Menschen wieder zu einem Friedensgebet zusammen – und zeigte Solidarität mit der Geistlichen.

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Nach Morddrohungen gegen eine Pfarrerin in Herne haben hunderte Menschen der Geistlichen ihre Solidarität gezeigt. Zum Friedensgebet auf dem Europaplatz vor der Kreuzkirche kamen am Samstag Vertreter von evangelischen, katholischen und islamischen Gemeinden sowie Oberbürgermeister Frank Dudda, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung". Auch die bedrohte Pfarrerin war anwesend.

Die Geistliche hat die wöchentlichen Friedensgebete organisiert, die jeweils zeitgleich zu Impfgegner-Demonstrationen stattfinden. In den vergangenen Wochen hatte die Pfarrerin zwei Mal Morddrohungen auf ihrem privaten Grundstück erhalten.

Pfarrerin zeigt sich bewegt

Die Pfarrerin zeigte sich berührt: Der Anblick der Menschenmenge sei "wundervoll und bewegend" gewesen. Zwar sei ihre Familie durch die auch mediale Aufmerksamkeit der letzten Zeit noch nicht zur Ruhe gekommen. Es sei aber sehr schön gewesen, "zu sehen, dass so viele Menschen hierher gekommen sind, um mich zu unterstützen".

Diese Woche hatte es aus der Evangelischen Kirche in Westfalen (EKvW) Rückendeckung für die Pfarrerin gegeben. Man begrüße es sehr, dass die Gebete für "ein rücksichtsvolles, friedliches Miteinander in der schwierigen gesellschaftlichen Situation der Corona-Pandemie" einstünden. Der katholische Vikar Christian Schmidtke bekundete am Donerstagabend ebenfalls seine Solidarität mit der betroffenen Pfarrerin. Eine anonyme Morddrohung sei wohl die perfideste und feigste Art, einer Person Angst und Schrecken zu machen. "Das verurteile ich zutiefst", so Schmidtke, der in der Herner Pfarrei St. Dionysius tätig ist. Aufgrund der jüngsten Morddrohung werde noch einmal deutlich, wie wichtig es sei, gemeinsam als Christen Werte wie Toleranz und Demokratie zu vertreten und zu bezeugen. (cph)