Standpunkt

#OutInChurch: Schluss mit einer Kirche der Angst

Aktualisiert am 25.01.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Köln ‐ 125 Menschen bekannten sich bei #OutInChurch zu ihrer queeren Identität. Peter Otten verbeugt sich vor so viel Mut. Denn Werte, die die Kirche vermittelt, scheinen von ihrer Seite bei diesen Personen nicht zu gelten – und das nicht nur im Lehramt.

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"Von Seiten des kirchlichen Lehramtes wird u.a. behauptet, dass wir 'keine korrekten Beziehungen' zu anderen Menschen aufbauen können, aufgrund unserer 'objektiv ungeordneten Neigungen' unser Menschsein verfehlen und dass gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht 'auf die geoffenbarten Pläne Gottes hingeordnet anerkannt werden können.'"

Gut, dass die Menschen, die gestern die Initiative #OutInChurch auf den Weg gebracht haben, auch noch mal Wort für Wort aufgeschrieben haben, wie die amtliche katholische Kirche sie definiert. 125 Menschen haben sich gestern gemeinsam öffentlich zu ihrer queeren Identität bekannt. Da sind Priester, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, aber auch Menschen aus der Kirchenverwaltung, Pädagogen und Ärztinnen aus katholischen Krankenhäusern dabei. Ich verbeuge mich vor ihrem Mut.

Denn sie tun der Kirche einen großen Dienst. Was ist segensreich daran, wenn Kolleginnen und Kollegen jahrelang gezwungen werden, einen Teil ihrer Identität nur heimlich leben zu können? Welches zynische Menschen- und Mitarbeiterbild wird deutlich, wenn Ordinariate und Personalabteilungen schulterzuckend darauf hinweisen, was jemand privat mache sei ja egal, es sei denn, es werde öffentlich? Was ist gottesebenbildlich daran, wenn Menschen durch diese Diskriminierung innerlich ausbrennen, resignieren und krank werden, wenn sie beginnen sich selbst zu hassen? All das ist ja Realität. All das ist aber auch die schlimme Seite von Religion.

Denn auch das stimmt ja: Hinter jedem queeren Menschen in der katholischen Kirche verbergen sich ihre Familien, ihre Väter und Mütter, ihre Geschwister, ihre Freundinnen und Freunde, Partnerinnen und Partner. Ist es im Ernst denkbar, beispielsweise der Mutter einer lesbischen Gemeindereferentin zu sagen: "Tut mir leid, aber Ihre Tochter verfehlt ihr Menschsein." Es ist nicht nur denkbar, es ist gültige Lehre. Kann man ja nachlesen.

Jetzt sind 125 queere Menschen gemeinsam in die Öffentlichkeit gegangen. 125 Menschen, 125 Geschichten. Ihr solidarischer Schritt schützt sie in Zukunft vor einer Kirche, die es geschafft hat, vielen von ihnen Angst einzujagen. Und vielen, vielen anderen immer noch Angst macht. Wie surreal das klingt: eine Kirche der Angst. Machen wir endlich Schluss damit. #OutInChurch zeigt, wie das gehen kann.

Von Peter Otten

Der Autor

Peter Otten ist Pastoralreferent in der Pfarrgemeinde St. Agnes in Köln. Seit einigen Jahren bloggt er unter www.theosalon.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.