Kinder müssten in Kirche sicheren Ort zur freien Entfaltung finden

Erzbischof Schick: Missbrauchsskandal ist ein Tsunami

Aktualisiert am 30.01.2022  –  Lesedauer: 

Bamberg ‐ Für den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kommt der Missbrauchsskandal einem Tsunami gleich. Die drastische Drohung Jesu gelte heute wie immer: "Wer Kinder missbraucht, dem gehört ein Mühlstein um den Hals und im Meer versenkt."

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Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat den Missbrauchsskandal als Tsunami bezeichnet. Dies gelte insbesondere für die Kirche, sagte Schick am Sonntag beim Don-Bosco-Fest in Forchheim. Die Sorge um Kinder und Jugendliche, ihre Entwicklung und Bildung sei der Kirche von Jesus selbst aufgetragen. In ihr müssten sie einen sicheren Ort finden, um sich frei zu entfalten, sagte der Erzbischof. "Wer Kinder missbraucht, dem gehört ein Mühlstein um den Hals und im Meer versenkt. Diese drastische Drohung Jesu gilt heute wie immer."

Gleichzeitig warnte schick davor, Kirche auf die Rolle der Päpste, Bischöfe, Priester und Hauptamtlichen zu reduzieren. "Wir haben uns zu sehr in den Vordergrund gespielt, das war aber gegen die Intention Jesu." Es müsse in der Kirche Ämter und Verantwortlichkeiten geben. "Aber die Kirche ist Gemeinschaft aller Getauften. Jesus will eine Kirche der Gleichberechtigten, vor allem im Einsatz für seine Sache."

Kirche dürfe nicht untergehen, weil...

Der Erzbischof hob hervor, wie sehr es aus seiner Sicht die Kirche brauche. Sie dürfe nicht untergehen, "weil sie für unsere Gesellschaft, Menschheit und Schöpfung so viel Heilsames und Gutes wirkt". Sie halte den Glauben und das Vertrauen auf den guten Gott aufrecht. Das sei gerade in schwierigen Zeiten des Lebens und der Geschichte wichtig. "Wir erleben es auch jetzt in der Pandemie: Wir brauchen Vertrauen und Hoffnung, damit wir die Krise überwinden können.

Zuletzt hatte Schick angesichts der durch den Missbrauchsskandal ausgelösten Krise neben einer "geistig-geistliche Erneuerung" auch systemische Veränderungen in der Kirche gefordert. Die Leitungsämter in der Kirche von Bischöfen, Pfarrern und Seelsorgern sowie in den Pfarreiverwaltungen und Ordinariaten sollten auf Zeit vergeben werden, zum Beispiel sieben Jahre", sagte Schick im Interview mit dem "Fränkischen Tag" (Samstagsausgabe). Begleitet werden sollten sie von Beratungs- und Aufsichtsgremien, die auch "entscheidend mitreden" sollten, ob die Amtszeit um eine weitere Periode verlängert wird oder eine Versetzung auf einen anderen Posten nötig ist. Gleichzeitig müssten demokratische Mitbestimmungsstrukturen in der Kirche gestärkt werden. (mal/KNA)