Auch Orientierungstext des Synodalpräsidiums verabschiedet

Text angenommen: Synodaler Weg will anderen Umgang mit Macht

Aktualisiert am 03.02.2022  –  Lesedauer: 

Frankfurt am Main ‐ Gleich zwei beschlossene Texte stehen am Ende des ersten Tages der dritten Synodalversammlung. Unter anderem wird ein neuer Umgang mit Macht gefordert. Beide Papiere erhielten auch die notwendige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe.

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Vor dem Hintergrund der Krise in der katholischen Kirche fordert der Synodale Weg einen anderen Umgang mit Macht. Aktuell bestehe zwischen dem Anspruch des Evangeliums und der Ausübung von Macht in der Kirche eine Kluft, heißt es in dem am Donnerstagabend in Frankfurt verabschiedeten Papier.

Neben 5 Enthaltungen, die als Nicht-Stimmen gezählt wurden, gab es 178 Ja- und 24 Neinstimmen. Dies entspricht einer Zustimmungsquote von 88 Prozent. Notwendig für die Annahme waren sowohl je eine Zweidrittel-Mehrheit unter allen Teilnehmenden, unter den anwesenden Bischöfen und nach einem Antrag auch unter den nicht-männlichen Teilnehmern. Bei den Bischöfen stimmten 74 Prozent für das Papier, bei den nicht-männlichen Stimmberechtigten 92 Prozent.

Positiv gewürdigt werden in dem Papier mit dem Titel "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche - Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag" die "Standards einer pluralen, offenen Gesellschaft in einem demokratischen Rechtsstaat" – auch wenn die Kirche sich von den gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozessen grundsätzlich unterscheide. Der zentrale Begriff für die katholische Kirche müsse deshalb "Synodalität" heißen.

Diskussionen um "Lehramt der Betroffenen"

In dem Papier heißt es, die kirchliche Rechtskultur müsse "an den Grund- und Menschenrechten ausgerichtet werden". Nötig seien "gemeinsame Verantwortung, kooperatives Handeln und einklagbare Beteiligungsrechte". Die jetzige Machtordnung der Kirche begünstige "kriminelle und übergriffige Handlungen und erschwert oder verhindert deren interne Bekämpfung wie die Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden".

Im Vorfeld hatte es lange Diskussionen über den Begriff des "Lehramtes der Betroffenen" gegeben, der im Text enhalten war. Nur rund 48 Prozent der Synodalen stimmten anschließend dafür, den Begriff beizubehalten. Im endgültigen Text wird daher nicht mehr vom "Lehramt der Betroffenen" die Rede sein, sondern von deren Stimme als Quelle der Theologie. 

Bereits zuvor hatte die Vollversammlung des Synodalen Wegs mit dem Text "Auf dem Weg der Umkehr und der Erneuerung" das theologische Grundlagenpapier des Synodalpräsidiums beschlossen. Bei der Sonderabstimmung der anwesenden Bischöfe stimmten 41 dafür und 16 dagegen. Damit erhielt der Text die gemäß Satzung notwendige doppelte Zweidrittelmehrheit. (cbr/KNA)