Standpunkt

Der Synodale Weg führt zu einer Reformation 2.0

Aktualisiert am 11.02.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Martin Rothweiler ist besorgt: Er glaubt, dass die beim Synodalen Weg angestrebten Neuerungen in der Kirche in Deutschland zu einer Reformation 2.0 führen. Auch den medialen Umgang mit dem früheren Papst Benedikt XVI. sieht er kritisch.

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Der Synodale Weg hat auf seiner dritten Versammlung in Frankfurt mit großer Mehrheit erste Beschlüsse gefasst und deutlich gemacht: Wir – die Synodalen – wollen die Kirche systemisch verändern und uns auf der Grundlage neuer Erkenntnisse der Humanwissenschaften von Teilen der kirchlichen Lehre verabschieden.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren: Gestalten wie Papst em. Benedikt XVI., die eine echte Reform der Kirche anders verorten, stören als Vertreter des "alten Systems", weshalb man ihn – pars pro toto – dermaßen medial in den Mittelpunkt der Missbrauchskrise gestellt und vorverurteilt hat, dass einem spontan der Ausruf Jesu in den Sinn kommt: "Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!" Die jüngste öffentliche Stellungnahme des emeritierten Papstes und der Faktencheck widersprechen den Mutmaßungen der Münchener Anwaltskanzlei. Ratzingers entschiedenes Engagement gegen den Missbrauch als Präfekt der Glaubenskongregation und als Papst fanden auch bei Mitbrüdern nicht einmal Erwähnung.

Was steht beim Synodalen Weg auf dem Spiel? Es geht um mehr als eine Reform. Mit dem Missbrauchsskandal als alarmierendes "Zeichen der Zeit" im Rücken will die überwiegende Mehrheit den systemischen Wandel vorantreiben. Die Beschlüsse und Beschlussvorlagen des Synodalen Wegs bedeuten jedenfalls einen Paradigmenwechsel. Mit dem verabschiedeten Orientierungstext hat man die Weichen gestellt. Die "Zeichen der Zeit" und der auf der "Wahrheit des Gewissens" beruhende Glaubenssinn der Gläubigen gewinnen als theologische Erkenntnisquellen gegenüber Schrift, Tradition und Lehramt dermaßen an Bedeutung, dass sich alles relativieren lässt. Durchaus umstrittene und vorläufige Erkenntnisse der Humanwissenschaften bekommen einen quasi dogmatischen Rang. Mit dem Schlagwort "Geschlechtergerechtigkeit" will man im Widerspruch zum Lehramt den Zugang von Frauen bzw. "Nicht-Männern" – so der Synodalsprech bei Abstimmungen – zu allen Weiheämtern durchsetzen. "Auch das authentische ordentliche Lehramt kann möglicherweise irren, wenn in Zweifel steht, ob es den Konsens aller im Glauben ausdrückt", heißt es wörtlich im Orientierungstext. Dabei hat man wohl nur den Glaubenssinn der Zeitgenossen im Blick und nicht den Glaubenssinn derer, die uns vorangegangen sind und uns den Glauben tradiert haben.

Niemandem soll unterstellt werden, es gehe ihm nicht ehrlich um die Aufarbeitung des Missbrauchs. Was aber jetzt von der großen Mehrheit der Synodalen – auch der Bischöfe – in Deutschland vor allem angestrebt wird, ist in letzter Konsequenz eine Reformation 2.0. Diese Agenda ist allerdings älter als die Aufdeckung der schrecklichen Missbräuche.

Von Martin Rothweiler

Der Autor

Martin Rothweiler ist der Programmverantwortliche des katholischen Fernsehsenders EWTN Deutschland.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.