Taufformel im Plural wirkt laut Glaubenskongregation nicht

Pastoraltheologe Pock: Wegen Formel ungültige Taufen "Wortklauberei"

Aktualisiert am 17.02.2022  –  Lesedauer: 
Ein Kind wird getauft und damit in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen.
Bild: © KNA

Wien ‐ Seit Wochen sorgen ungültige Taufen für Aufsehen: "Wir taufen" statt "Ich taufe" sagte ein Priester – alles ungültig. Tausende müssen nun nachgetauft werden. Der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock hält das für "Kleinkrämerei".

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Der Wiener Pastoraltheologe Johann Pock sieht in der Position der Glaubenskongregation, dass Taufen mit der Taufformel "Wir taufen dich …" ungültig sind, "Wortklauberei". Gegenüber dem österreichischen Rundfunk ORF mahnte er ein Nachdenken über das "magische Verständnis von Religion" an. Dass man derart auf einem Wort herumreite, könne als Kleinkrämerei bezeichnet werden. In den USA sorgte der Fall eines Priesters des Bistums Phoenix für Aufsehen, der mindestens seit 2005 im Plural statt wie vorgeschrieben mit der Formel "Ich taufe dich …" getauft hatte, mutmaßlich Tausende von Täuflingen sind betroffen. Auch Wochen nach dem Bekanntwerden berichten noch internationale Medien. Gemäß einer Entscheidung der Kongregation für die Glaubenslehre aus dem Jahr 2020 sind derartige Taufen ungültig.

Pock bezeichnete diese Entscheidung als sehr strenge Auslegung der Sakramentenlehre. "Es gibt natürlich Vorgaben, an die man sich halten sollte. In Zeremonien gibt es oft einen zentralen Satz, wie zum Beispiel das Eheversprechen und bei der Taufe den Satz 'Ich taufe dich' durch den Priester", betonte der Pastoraltheologe. Der Priester in dem US-amerikanischen Fall habe bewusst und in guter Absicht von "Wir" gesprochen, um auf die Gemeinde Bezug zu nehmen. Hier habe die zuständige vatikanische Kongregation aber auf den Regeln beharrt, obwohl es Ausnahmen gebe, "sogar die Formel 'unerlaubt, aber gültig', für manche unklare Fälle" gebe es: Unter bestimmten Bedingungen werden Sakramente gültig gespendet, obwohl sie in einer nicht erlaubten Form gespendet wurden. Pock hätte sich eine flexiblere Lösung gewünscht: "Ich hätte erwartet, dass man hier pastoral handelt, im Sinne der Menschen." Ähnliche Entscheidungen der Gottesdienstkongregation in den letzten Jahren hätten aber gezeigt, dass großen Wert darauf gelegt werde, dass "alles genau vorgelesen" wird.

Betroffener Priester widmet sich der Wiedergutmachung

Mitte Januar hatten sich der Bischof von Phoenix, Thomas Olmstedt, und der betroffene Priester Andrés Arango in Briefen an die Öffentlichkeit gewandt. Das Bistum werde die nötigen Schritte unternehmen, um bei den Betroffenen Abhilfe zu schaffen. Eine ungültige Taufe führt dazu, dass weitere Sakramente wie die Firmung und die Beichte nicht gültig empfangen werden können. Auch die Gültigkeit von Ehen müsse überprüft werden. Arango zeigte sich betroffen und hatte mit Wirkung zum 1. Februar seinen Dienst in seiner Gemeinde niedergelegt und werde sich künftig als Priester ganz der Behebung der durch die ungültig gespendeten Taufen entstandenen Probleme widmen. Olmstedt betonte, dass er davon ausgehe, dass Arango nicht absichtlich gehandelt habe und "keine Absichten hatte, den Gläubigen zu schaden oder sie von der Gnade der Taufe und der Sakramente auszuschließen". Er bleibe weiterhin Priester im Dienst der Diözese.

Die Glaubenskongregation hatte im Sommer 2020 überraschend festgestellt, dass Taufen mit der Taufformel "Wir taufen dich …" statt "Ich taufe dich …" ungültig sind. 2003 hatte sich ein Untersekretär der Gottesdienstkongregation in einem Schreiben bereits zur Gültigkeit geäußert und festgestellt, dass die Verwendung der Formel im Plural die Gültigkeit nicht in Frage stelle: "Wenn die drei göttlichen Personen ausdrücklich als Vater, Sohn und Heiliger Geist bezeichnet werden, macht die Verwendung der ersten Person Plural die Spendung des Sakraments nicht ungültig", heißt es in dem Schreiben, das in der kirchenrechtlichen Fachzeitschrift "Roman Replies and CLSA Advisory Opinions" veröffentlicht worden war. Gleichwohl sei die Verwendung abweichender Formeln unerlaubt.

2008 stellte die Glaubenskongregation bereits fest, dass Taufen im Namen "des Schöpfers, des Erlösers und des Heilands" ("in the name of the Creator, and of the Redeemer, and of the Sanctifier") und "des Schöpfers, des Befreiers und des Erhalters" ("in the name of the Creator, and of the Liberator, and of the Sustainer") ungültig seien. In der Folge der Entscheidung von 2020 wurde auch der Fall eines vermeintlichen Priesters bekannt, der mit der ungültigen Taufformel getauft worden war und daher auch die Priesterweihe nicht gültig empfangen hatte. Taufe, Firmung, Diakonen- und Priesterweihe wurden in diesem Fall nachgeholt. (fxn)