Auch in schwierigen Zeiten weiter mitwirken

Kardinal Marx ermuntert Austrittswillige zum Bleiben in der Kirche

Aktualisiert am 18.02.2022  –  Lesedauer: 
Kardinal Marx ermuntert Austrittswillige zum Bleiben in der Kirche
Bild: © KNA/Dieter Mayr

München ‐ Das Münchner Missbrauchsgutachten sei "ein Blick auf eine dunkle Seite der Vergangenheit und auch der Gegenwart der Kirche, die viele Menschen verstört und auch empört", so Kardinal Reinhard Marx. Austrittswillige sollten dennoch bleiben.

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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx ruft die Gläubigen seines Bistums zum Bleiben in der Kirche auf. Er wolle alle, "die darüber nachdenken, die Kirche zu verlassen, ermutigen, weiter mitzutun", schreibt der Erzbischof von München und Freising in einem Brief an die Gläubigen. "Wir und ich brauchen auch die kritischen Geister, die Zweifelnden und Suchenden." Auch in schwierigen Zeiten gelte es, in der Kirche mitzuwirken. "Wir alle sind mitverantwortlich, dass das Evangelium weiter gelebt und verkündet wird", so Marx. Das Schreiben aus Anlass der Pfarrgemeinderatswahlen am 20. März wird am dritten Februarwochenende in den Gottesdiensten verlesen. Auch im Internet ist es abrufbar.

Der Kardinal dankt weiter allen, die sich einbringen in den Pfarreien, "die mithelfen in den Gottesdiensten, in der Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf die Sakramente, im Pfarrgemeinderat und in der Kirchenverwaltung, in der Arbeit der Caritas, in Bildungseinrichtungen, in der Jugendarbeit, in der Sorge um die Kranken und Schwachen". Die Pfarrgemeinderatswahlen fielen in "stürmische Wochen der Diskussionen, der Wut, des Zweifels, der Enttäuschungen" und in eine Zeit, "die uns alle im Erzbistum aufgewühlt hat", schreibt Marx. In vielen Pfarreien, Familien und Gruppen sei das jüngste Gutachten über den sexuellen Missbrauch durch Kleriker und kirchliche Mitarbeiter im Erzbistum diskutiert worden.

Nach dem ersten Gutachten im Auftrag der Erzdiözese 2010 sowie nach der MHG-Studie über sexuellen Missbrauch im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) von 2018 "ist das nun noch einmal ein Blick auf eine dunkle Seite der Vergangenheit und auch der Gegenwart der Kirche, die viele Menschen verstört und auch empört". Der Erzbischof erinnert an die Situation der Betroffenen und auch der Pfarreien, in denen Missbrauchstaten geschehen sind. Den Betroffenen gelte "unser erstes Augenmerk". Gerade weil die Erzdiözese deren Leid sehe und sie bestmöglich unterstützen wolle, "und weil wir auch in der Prävention nicht nachlassen werden, will unser Erzbistum diese Aufklärung und weicht ihr nicht aus", betont Marx. Der Weg der Erneuerung und der Veränderung werde konsequent weiter beschritten. (tmg/KNA)