Verschleppte Maßnahmen trieben die globalen Krisenspiralen an

Misereor warnt vor mangelndem Engagement beim Klimaschutz

Aktualisiert am 26.02.2022  –  Lesedauer: 

Aachen ‐ "Der verschleppte Klimaschutz und fehlende Investitionen in Anpassungsmaßnahmen treiben die Krisenspiralen auf der Welt": Das Hilfswerk Misereor hat vor den Folgen eines nur halbherzigen Kampfes gegen den Klimawandel gewarnt.

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Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor hat mit dramatischen Worten vor den Folgen eines nur halbherzigen Kampfes gegen den Klimawandel gewarnt. "Wir befinden uns mitten in einer Ära der Schäden und Verluste durch die Erderhitzung. Der verschleppte Klimaschutz und fehlende Investitionen in Anpassungsmaßnahmen treiben die Krisenspiralen auf der Welt", erklärte Misereor-Klimareferentin Anika Schroeder am Samstag aus Anlass der für Montag geplanten Vorstellung des 6. Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC. Vielerorts seien die Grenzen der Anpassung an die Klimakrise erreicht. Deshalb sei nun schnelles Handeln erforderlich.

Mit Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse seit dem vorherigen Sachstandsbericht beklagte die Expertin, dass die Auswirkungen des Klimawandels vor allem die von Armut und Marginalisierung besonders betroffenen Menschen im globalen Süden träfen. "Sie können der Klimakrise aufgrund prekärer Wohnlagen und -verhältnisse, geringer Ersparnisse sowie oft fehlenden Katastrophenschutzes und -hilfe wenig entgegensetzen", so Schroeder. Jedes Zehntel Grad vermiedener Temperaturerhöhung verbessere indes den Handlungsspielraum der Betroffenen, um sich auf die heutigen und kommenden Herausforderungen vorzubereiten und anzupassen.

1,7 Milliarden Menschen von Klimaschäden betroffen

Schroeder bezifferte die Zahl der weltweit von klimabedingten Schäden und Verlusten betroffenen Menschen auf 1,7 Milliarden – "weil sie ihr Land aufgeben müssen, Ernteverluste erleiden, sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen". Künftig könnten die dauerhafte Überflutung von Millionenstädten, das Versalzen ganzer Agrarregionen und die Verwandlung von Regionen in Trümmerwüsten durch immer heftigere Taifune auch bei bester Anpassung oft nicht verhindert werden, wenn die Erderhitzung nicht wirksam auf 1,5 Grad begrenzt werde. Die mit dem Pariser Klimaabkommen gestartete "dritte Säule der Klimapolitik" – neben Klimaschutz und Anpassung ist dies der Umgang mit Schäden und Verlusten – sei indes nicht mit Maßnahmen, Strategien und Geld unterfüttert, da sich die Industrienationen bisher weigerten, entsprechende Fonds zu schaffen und mit Finanzmitteln zu füllen.

Mit der Vorlage des neuen Sachstandsberichts verlören die Ausflüchte, man wisse noch zu wenig über Schäden und Verluste und über ihre Schadenshöhen, weiter an Glaubwürdigkeit. "Auch Deutschland muss sich jetzt dringend zu seiner Verantwortung bekennen. Gemeinsam mit anderen Industrienationen hat es einen Großteil der Emissionen verursacht, die heute das Weltklima erhitzen und konnte dabei technische Kapazitäten und Kapital aufbauen, die nun für die Lösung der Klimakrise eingesetzt werden müssen", betonte Schroeder. Neben der Erhöhung der eigenen Klimaschutzambitionen müsse die Bundesrepublik auch die Unterstützung für die von der Klimakrise Betroffenen steigern und dafür Sorge tragen, dass diese Mittel auch direkt bei indigenen und anderen lokalen Gemeinschaften ankämen. Viele von ihnen praktizierten laut IPCC bereits erfolgreich eine Anpassung an die Erderhitzung, erhielten bisher aber nur sehr geringe Mittel aus der internationalen Klimafinanzierung, so die Expertin. (stz)