Es war einmal ein "magischer Ort"
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Ohne den Papst verliert Castel Gandolfo seinen Glanz

Es war einmal ein "magischer Ort"

"Etwas speziell" sei dieser Papst, sagt die Verkäuferin in Castel Gandolfo. Der mache keinen Urlaub und verbringe den ganzen Sommer arbeitend im Vatikan. In Castel Gandolfo blieben derweil die Touristen aus.

Vatikanstadt - 14.08.2014

Dieser 15. August wird für Castel Gandolfo anders sein als früher: papstlos. An Mariä Himmelfahrt, in Italien eines der wichtigsten kirchlichen Feste, hatten Benedikt XVI. (2005-2013) und Johannes Paul II. (1978-2005) mit den Einheimischen traditionell eine Messe in der Pfarrkirche von Castel Gandolfo gefeiert. Für die Bevölkerung war das stets die beste Gelegenheit, die Päpste während ihres mehrwöchigen Sommeraufenthaltes hautnah zu erleben.

Und dann kam Franziskus: Der Argentinier brach im vergangenen Jahr mit der Tradition und verzichtete auf einen Sommeraufenthalt in Castel Gandolfo. Tausende Pilger, die sonst zu den Mittagsgebeten des Papstes in den Innenhof der Sommerresidenz kamen, blieben nun aus. Doch zumindest zu Mariä Himmelfahrt kam auch Franziskus 2013 noch für einen Tag, um den traditionellen Gottesdienst in der Kirche San Tommaso da Villanova zu feiern. In diesem Jahr spricht Franziskus am 15. August im südkoreanischen Seoul 124 Märtyrer selig.

Ein "Desaster" sei es, dass der Papst nicht mehr komme, sagt ein Souvenirhändler ganz unverblümt, dessen Laden auf dem Vorplatz der päpstlichen Sommerresidenz liegt. Gerade mal einen Tag und vier Stunden sei Franziskus im vergangenen Jahr dagewesen, rechnet der Mann vor - und kann seinen Ärger dabei kaum verbergen.

Wie Castel Gandolfo langsam verfällt

Sein Kollege im Laden nebenan ist poetischer veranlagt: Castel Gandolfo gehe es nun wie einem Brunnen von Gianlorenzo Bernini aus dem 17. Jahrhundert, der bislang stets instand gehalten worden sei und bestens funktioniert habe und nun verfalle. Die harte Wirklichkeit hinter diesen Worten erkennt der erfrischungsbedürftige Besucher auf einem nahe gelegenen Platz im Stadtzentrum: Der Trinkwasserbrunnen ist defekt, auch wenn er offensichtlich nicht von dem berühmten italienischen Künstler stammt.

Nur eine Touristengruppe aus Israel ist an diesem Vormittag vor der päpstlichen Sommerresidenz zu sehen. Was ihn nach Castel Gandolfo führe. "Mein Reiseleiter hat so gemacht", sagt ein Mann aus der Gruppe und hält sich dabei mit der Hand die Augen zu. Ich bin ohne mein Wissen hierhergebracht worden, soll das wohl heißen. Dass der Papst nicht in Castel Gandolfo weilt, ist ihm neu. Er habe gedacht, der Papst schlafe vielleicht und er habe ihn deshalb nicht zu Gesicht bekommen. Die einzige Deutsche, die an diesem Vormittag im Stadtzentrum anzutreffen ist, heißt Friederike Wallbrecher. Sie sei keine Touristin; sie wohne hier, sagt die Frau. In einem Haus, das früher einem Diener von Papst Johannes XXIII. gehört habe, wie sie hinzufügt.

Auch wenn der Papst nicht mehr kommt - seine Milch bleibt Castel Gandolfo immerhin erhalten. Die weiß-gelben Tetrapacks vom päpstlichen Bauernhof im Ort können Einheimische und Touristen auch weiter in den Geschäften erwerben. Zumindest solange es nicht zu heiß wird, wie ein Souvenirhändler erklärt, der die päpstliche Milch zwischen Marienstatuen und Papstbildern anbietet. Denn dann geben die Kühe des Bauernhofs weniger Milch - und der Papst und seine Mitarbeiter haben selbstverständlich Vorrang.

Landwirtschaftsbetriebe des Vatikans könnten für Touristen geöffnet werden

Vielleicht können Touristen bald auch die päpstlichen Kühe selbst besuchen. Der Verantwortliche für die vatikanischen Liegenschaften in Castel Gandolfo stellt jüngst eine mögliche Öffnung des landwirtschaftlichen Betriebs für Besucher in Aussicht. Im vergangenen Jahr hatte Franziskus bereits Gärten der päpstlichen Villen in begrenztem Umfang für Besucher geöffnet.

Und Benedikt XVI.? Hält nicht wenigstens der emeritierte Papst Castel Gandolfo die Treue? Der emeritierte Papst verbringe diesen Sommer bewusst in Rom und nicht in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo, ließ sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein in diesen Tagen wissen. Er habe sich so entschieden, weil auch Franziskus auf einen Aufenthalt dort verzichte.

Von Thomas Jansen (KNA)