"Der Feind blockiert und umschließt die großen Städte."

Ukrainischer Bischof ruft zu Widerstand und Durchhalten auf

Aktualisiert am 06.03.2022  –  Lesedauer: 

Kiew ‐ "Lasst uns nicht schweigen, lasst uns alles dafür tun, dass zumindest humanitäre Hilfe in die Städte kommt", ruft der Großerzbischof von Kiew und Halytsch, Swjatoslaw Schewtschuk, seinen Landsleuten zu. Dazu kommt die Forderung nach Unterstützung.

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Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Swjatoslaw Schewtschuk, hat seine Landsleute zu Widerstand und Durchhalten aufgerufen. "Lasst uns nicht schweigen, lasst uns alles dafür tun, dass zumindest humanitäre Hilfe in die Städte kommt, die sich in der Umklammerung eines brutalen Feindes befinden", so der Großerzbischof von Kiew und Halytsch in einer am Samstag veröffentlichten Videobotschaft.

Schewtschuk bezog sich dabei vor allem auf die Hafenstadt Mariupol. Dort hat die russische Armee Medienberichten zufolge eine für die Evakuierung der Zivilbevölkerung abgeschlossene Waffenruhe ignoriert, weswegen die Menschen nun weiterhin in der Stadt eingeschlossen seien. "Der Feind blockiert und umschließt die großen Städte. Er erlaubt den Menschen nicht, sie zu verlassen, er erlaubt keine Versorgung mit Nahrung. Feindliche Bomben fliegen über die Städte und säen den Tod", sagte der Großerzbischof. Schewtschuk wandte sich damit gleichsam an die Menschen in der Millionenstadt Charkiw, wo es nach starken Schneefälle am Freitag in der Nacht erneute Bombenangriffe gegeben habe.

Das Kirchenoberhaupt forderte die Staatengemeinschaft auf, die Errichtung humanitärer Korridore für die Menschen zu unterstützen. "Lasst sie grüne Straßen des Lebens öffnen, so dass Zivilisten an einen sicheren Platz gelangen können und lasst humanitäre Konvois Wärme, Nahrung und Solidarität zu diesen Menschen bringen." Schewtschuk dankte den Freiwilligen, auch denen, die "ihr Mutterland heute ohne Waffen verteidigen".

"Erlöse uns jederzeit von allen Gefahren"

Derweil hat Papst Franziskus seine Bitte um Frieden in der Ukraine erneuert. Auf Twitter rief er am Samstag zum Gebet zur Muttergottes, der "Königin des Friedens", auf. "Unter deinen Schutz fliehen wir", so Franziskus. "Erlöse uns jederzeit von allen Gefahren", fügt er hinzu. Das Gebet wurde auch auf Russisch und Ukrainisch veröffentlicht.

Die Klitschko-Brüder haben Papst Franziskus und weitere religiöse Oberhäupter um Unterstützung in der Ukraine gebeten. "Was im Herzen Europas passiert, berührt die Herzen aller auf dem Planeten, die Gerechtigkeit und das Gute lieben, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion", so Kiews Bürgermeister, Vitali Klitschko, in einer Twitter-Videobotschaft am Samstag. Gemeinsam mit seinem Bruder Wladimir appellierte er an die geistlichen Oberhäupter der Welt, Stellung zu beziehen und "stolz die Verantwortung ihrer Religionen für den Frieden zu übernehmen".

Namentlich wandten sich die Brüder an Papst Franziskus und Großimam Ahmad al-Tayyeb sowie an den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. in Moskau, den Dalai Lama und den aschkenasische Oberrabbiner Israels, David Lau. "Ich lade sie ein, nach Kiew zu kommen, um ihre Solidarität und ihr Mitgefühl mit dem ukrainischen Volk zu zeigen", so Vitali Klitschko. "Machen wir Kiew zu einer Hauptstadt der Menschlichkeit, der Spiritualität und des Friedens", rief der 50-Jährige die Religionsführer auf.

Der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, fordert die orthodoxen Kirchen in der Ukraine und in Russland auf, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für ein Ende des Krieges einzusetzen. Wladimir Putin, den er in Moskau kennengelernt habe, sei "ein charismatischer und sehr mächtiger Mensch, aber eben auch nur das: Ein irregeleiteter Mensch". Das sagte Bischof Damian am Wochenende bei einem ökumenischen Friedensgebet in Höxter-Brenkhausen. Bereits am Donnerstag hatte Damian ein sofortiges Ende des russischen Angriffs auf die Ukraine gefordert: "Es gibt keine Rechtfertigung für den Krieg und keinen Grund, den Weltfrieden auf solch radikale Weise, wie wir sie jetzt erleben, zu zerstören. (cph/KNA)

6.3., 11 Uhr: Ergänzt im Anba Damian.