Europäische Theologen fordern Ende des Kriegs

Papst schickt Kardinäle in Ukraine – Reisepläne konkretisiert

Aktualisiert am 07.03.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Papst Franziskus will in der Ukraine die Präsenz der katholischen Kirche zeigen: Dazu hat er zwei Kurienkardinäle auf die Reise geschickt. Deren Pläne wurden nun konkretisiert. Unterdessen fordert ein Bündnis von Theologen das Ende des Kriegs.

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Der Vatikan hat die Ukraine-Reisen zweier Kurienkardinäle konkretisiert. Die von Papst Franziskus entsandten Konrad Krajewski (58) und Michael Czerny (75) seien auf dem Weg an die polnisch-ukrainische Grenze beziehungsweise nach Ungarn; beide planten in den nächsten Tagen in die Ukraine weiterzureisen, teilte der Vatikan am Montag mit.

Der Papst hatte am Sonntag persönlich die Reisen seines Sozialbeauftragten Krajewski sowie des Interimsleiters der Entwicklungsbehörde Czerny verkündet. Die Präsenz der beiden stehe für die Präsenz des Papstes, für die Präsenz aller Gläubigen, hatte Franziskus erklärt. In seiner Ankündigung klang es zunächst so, als ob die beiden sich bereits in der Ukraine aufhielten. Der Papst sagte weiter, der Heilige Stuhl sei bereit, alles zu tun, um sich in den Dienst des Friedens zu stellen. Krajewski und Czerny reisten in die Ukraine, "um dem Volk zu dienen und helfen".

Am Montag präzisierte der Vatikan die Reisedetails. Der Pole Krajewski wird demnach an der polnisch-ukrainischen Grenze Flüchtlinge und Freiwillige in unterschiedlichen Unterkünften besuchen. Der gebürtige Tscheche Czerny plane, in Ungarn ebenfalls geflüchtete Menschen aus der Ukraine zu treffen. Beide beabsichtigten je nach Lage, die Ukraine in den kommenden Tagen zu erreichen. Czerny kündigte an, sich auch für eine sichere Flucht von in der Ukraine lebenden Afrikanern und Asiaten einsetzen zu wollen. Zudem wies er auf "besorgniserregende Berichte über zunehmende Aktivitäten von Menschenhandel und Schmuggel von Migranten an den Grenzen und in den Nachbarländern" hin.

Theologen fordern Ende des Ukraine-Kriegs

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bekräftigte am Montag erneut die Bereitschaft des Heiligen Stuhls auf diplomatischer Ebene. "Wenn man der Meinung ist, dass unsere Anwesenheit und unser Handeln helfen können, dann sind wir da", sagte er dem katholischen Sender "TV2000". Zugleich handle der Heilige Stuhl auf weiteren Ebenen, erklärte der 67-Jährige. Auf der religiösen Ebene gehe es darum, zum Gebet für den Frieden aufzurufen; der humanitäre Aspekt zeige sich in der Arbeit von Caritas und Bistümern, beispielsweise bei der Aufnahme von Geflüchteten.

Unterdessen forderte ein Zusammenschluss katholischer Theologinnen und Theologen in Europa ein Ende des "sinnlosen und unermessliches Leid bringenden Bruderkriegs" in der Ukraine. "Von Gott in unserer Zeit sprechen, kann nichts anderes bedeuten, als das Wort Frieden zum Klingen zu bringen", erklärte die Präsidentin der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie (ESCT), die Osnabrücker Dogmatikerin Margit Eckholt, in einer am Montag verbreiteten Stellungnahme. Der christliche Glaube habe die Geschichte Europas, der Ukraine und Russlands geprägt. Die Friedensbotschaft verbinde über die Grenzen von Konfessionen und Kulturen hinweg.

Leben würden zerstört und Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, heißt es in dem Aufruf. "Wir sind zutiefst betroffen, wir erleben ein Scheitern der Humanität – und wo ist die Stimme unseres christlichen Glaubens?" Es sei Aufgabe der Theologie, "der Friedensbotschaft der Weihnacht eine Stimme zu geben" und "mit Vernunft und Herz" von Gott zu sprechen. "Wir sind heute nur glaubwürdige Zeugen und Zeuginnen Jesu Christi, wenn wir im Dienst seiner Friedensbotschaft stehen, daran werden wir gemessen." Die Europäische Gesellschaft für Katholische Theologie wurde 1989 in Mainz als internationaler Zusammenschluss katholischer Theologinnen und Theologen gegründet. Sie will den länderübergreifenden Austausch und den Dialog fördern. (tmg/KNA)