Seit Mitte 2020 nur 21 Fälle von Missio-Rückgaben

Erzbistum Köln weist Exodus von Religionslehrkräften zurück

Aktualisiert am 09.03.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Laufen der Kirche die Religionslehrer weg? Während Lehrerverbände Alarm schlagen, kann die Erzdiözese keine Absetzbewegungen aus dem Religionsunterricht erkennen – weder bei den Lehrern noch bei den Schülern.

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Im Erzbistum Köln haben seit Mitte 2020 lediglich 21 Lehrkräfte ihre kirchliche Unterrichtserlaubnis zurückgegeben, davon neun mit Bezug auf den Umgang der Erzdiözese mit Missbrauchsfällen. Im Interview mit dem Kölner "Domradio" wies der Leiter der Abteilung "Schulische Religionspädagogik und Katholische Bekenntnisschulen" im Erzbischöflichen Generalvikariat, Christoph Westemeyer, mit diesen Zahlen am Dienstag Aussagen der Sprecherin der Vereinigung katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer, Agnes Steinmetz, zurück. Steinmetz hatte gegenüber dem WDR am Montag gesagt, dass viele Lehrkräfte unzufrieden seien und zwar weiterhin an den Schulen tätig wären, aber keinen Religionsunterricht mehr gäben.

Gegenüber dem Domradio betonte Westemeyer, die Zahl von 21 Missio-Rückgaben sei zwar nicht erfreulich, "aber doch im Verhältnis zu den anderen Zahlen eine eher geringe Zahl". "Es ist einfach unfassbar traurig und auch bedauerlich um jeden und auch jede, die ihre Missio canonica oder ihre kirchliche Lehrerlaubnis zurückgibt", so der Abteilungsleiter weiter. Daher könne das "subjektive Empfinden auch immer groß sein, wenn man von einem Fall hört”. Objektiv seien die Zahlen aber niedriger, als man höre. Insgesamt unterrichteten im Erzbistum "weit über 4.900" Lehrkräfte mit einer kirchlichen Unterrichtserlaubnis.

Sinkende Abmeldezahlen vom Religionsunterricht

Westemeyer könne auch nicht bestätigen, dass es Grundschulen gebe, an denen gar kein Religionsunterricht mehr möglich sei. In der Tat herrsche aber gerade an Grundschulen Personalmangel, allerdings generell für alle Fächer. Der Religionslehrerberuf müsse daher wie das Lehramt für Grundschulen insgesamt attraktiver werden, auch finanziell. Mit Blick auf die Schülerzahlen beobachte man seit Jahren, dass die Zahl der Abmeldungen vom Religionsunterricht zurückgehe. "Und das ist wirklich erstaunlich, weil Religion ja das einzige Fach ist, von dem man sich überhaupt abmelden kann", so der Abteilungsleiter weiter.

Bereits im vergangenen Juni hatte Steinmetz von vermehrten Rückgaben der Missio canonica gesprochen. Das Erzbistum hatte damals die Angabe gemacht, dass 16 Lehrkräfte seit Sommer 2020, davon sieben mit Verweis auf die Missbrauchsthematik, die Unterrichtserlaubnis zurückgegeben hätten. Ebenfalls im Juni wurde 94 Lehrkräften in einem Gottesdienst im Kölner Dom die Missio feierlich verliehen. Anfang Februar hatte eine bundesweite Umfrage der Verbände der Religionslehrer an Gymnasien und Berufsschulen ergeben, dass sich 9 Prozent der Befragten "ernsthaft", 34 Prozent "gelegentlich" mit dem Gedanken trügen, aus der Kirche auszutreten. 42 Prozent der Lehrkräfte hätten in den vergangenen beiden Jahren überlegt, die kirchliche Lehrerlaubnis Missio canonica zurückzugeben, 27 Prozent "manchmal", 15 Prozent "öfter". (fxn)