Urheber des Konflikts "nicht die Völker Russlands und der Ukraine"

Patriarch Kyrill gibt erneut dem Westen Schuld am Ukraine-Krieg

Aktualisiert am 11.03.2022  –  Lesedauer: 
Patriarch Kyrill gibt erneut dem Westen Schuld am Ukraine-Krieg
Bild: © KNA

Genf/Moskau ‐ Wer trägt die Schuld am völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine? Jedenfalls nicht Russland, ist der Moskauer Patriarch Kyrill I. überzeugt. Die Ursprünge der Konfrontation lägen woanders.

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Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche hat erneut dem Westen die Schuld am Krieg in der Ukraine gegeben. Er sei fest davon überzeugt, dass die Urheber des Konflikts "nicht die Völker Russlands und der Ukraine sind, die aus einem Kiewer Taufbecken stammen, durch gemeinsamen Glauben, gemeinsame Heilige und Gebete vereint sind und ein gemeinsames historisches Schicksal teilen", schreibt Kyrill I. in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK).

Die Ursprünge der Konfrontation lägen stattdessen in den Beziehungen zwischen dem Westen und Russland, so der Patriarch. "In den 1990er-Jahren wurde Russland versprochen, dass seine Sicherheit und Würde respektiert würden. Im Laufe der Zeit näherten sich jedoch die Streitkräfte, die Russland offen als ihren Feind betrachteten, seinen Grenzen. Jahr für Jahr, Monat für Monat bauen die Nato-Staaten ihre Militärpräsenz aus, ungeachtet der Sorge Russlands, diese Waffen könnten eines Tages gegen Russland eingesetzt werden."

Kyrill antwortete mit seinem Brief auf ein Schreiben des geschäftsführenden ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca aus der vergangenen Woche. Darin appellierte Sauca an das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, sich für ein Ende des Kriegs einzusetzen. "Erheben Sie Ihre Stimme, damit der Krieg gestoppt werden kann", so Sauca. "Die ganze Welt sieht mit großer Sorge zu und sucht nach einem Zeichen der Hoffnung auf eine friedliche Lösung".

"Sprechen Sie im Namen der leidenden Brüder und Schwestern"

Er schreibe an Kyrill mit der Bitte, "bei den Behörden zu intervenieren und zu vermitteln, um diesen Krieg, das Blutvergießen und das Leiden zu beenden und sich um Frieden durch Dialog und Verhandlungen zu bemühen". Er wende sich als amtierender ÖRK-Generalsekretär, aber auch als orthodoxer Priester an den Patriarchen, so Sauca. "Bitte erheben Sie Ihre Stimme und sprechen Sie im Namen der leidenden Brüder und Schwestern, von denen die meisten auch treue Mitglieder unserer orthodoxen Kirche sind."

Kyrill entgegnete, er hoffe, "dass der Ökumenische Rat der Kirchen auch in diesen schwierigen Zeiten, wie es in seiner gesamten Geschichte der Fall war, in der Lage sein wird, eine Plattform für einen unvoreingenommenen Dialog zu bleiben, frei von politischen Präferenzen und einseitigen Ansätzen".

Zuletzt hatten auch die deutschen Bischöfe den Patriarchen aufgerufen, sich vom Ukraine-Krieg eindeutig zu distanzieren. Kyrill müsse ein klares Wort sprechen, heißt es in einer am Donnerstag in Vierzehnheiligen vorgestellten Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). "Die Welt braucht das gemeinsame Zeugnis der Kirchen gerade in Zeiten der Not und der Verwerfungen. Dies sind auch Zeiten der Entscheidung", so die Bischöfe. (tmg/KNA)