Gute Erfahrungen mit Machtbegrenzung in Orden

Kapuziner-Provinzial für Bischofswahl auf Zeit

Aktualisiert am 11.03.2022  –  Lesedauer: 

München ‐ Er selbst ist in sein kirchliches Leitungsamt gewählt: Der Kapuziner-Provinzial Christophorus Goedereis sieht das als ein gutes Modell auch für die ganze Kirche an. Bischöfe sollten zweimal auf sieben Jahre gewählt werden können.

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Der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz, Bruder Christophorus Goedereis, spricht sich für eine Wahl von Bischöfen auf Zeit aus. In einem von der Kapuzinerprovinz veröffentlichten Interview sagte Goedereis am Freitag, dass der Umgang mit Ämtern und Macht in franziskanischen Orden "eigentlich ganz gut" geregelt sei und die Kirche insgesamt davon lernen könne. "Sämtliche Amtszeiten sind zeitlich begrenzt. Dadurch werden die Menschen nicht besser, aber Dynamiken und die Art der Ausübung von Macht verändern sich", so der Kapuziner, der sich dafür aussprach, höhere Machtpositionen in der Kirche prinzipiell zeitlich zu begrenzen: "Wenn ein Bischof zweimal für sieben Jahre gewählt werden kann, dann ist das für mich eine sinnvolle Begrenzung. Nach der ersten Amtszeit könnte man das Ergebnis im guten christlichen Sinne evaluieren. Auch Bischöfe und sogar Päpste sind lernfähig." Das sei sicher nicht die Lösung aller Probleme, könne aber einen wesentlichen Beitrag leisten. Eine Bewertung der Amtsführung nach sieben Jahren hatte Mitte Februar auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zur Diskussion gestellt.

Außerdem sprach sich Goedereis für die Weihe von Frauen aus. "Mein Glaube und meine Lebenserfahrung zeigen mir, dass Frauen im Priesteramt ein guter Schritt für die Kirche wären", so der Ordensmann. Das gelte auch für die Aufhebung des Pflichtzölibats. Derartige Ansätze brächten allerdings auch "sicher nicht das Paradies auf Erden". Mit Blick auf die Weltkirche habe er allerdings manchmal "Bauchschmerzen", da noch nicht geklärt sei, wie man Themen in sie hineintrage. Hier seien Enttäuschen vorprogrammiert, vor allem, was die Zeitläufe angehe. Aber selbstverständlich könne es in einer Weltkirche auch regionale Unterschiede geben. Das sei im Orden genauso: "Pluriformität in Einheit, und dazu gehört auch ein bisschen Experimentierfreude im Regionalen", so der Ordensmann. Er wünsche sich mehr Gestaltungsfreiheit in der Kirche als bislang üblich.

Staatliche Missbrauchsaufarbeitung soll Vertrauen wiederherstellen

Mit Blick auf die Situation der Kirche könne Goedereis Menschen verstehen, die aus ihr austreten. Die Kirche befinde sich in einer ihrer größeren Transformationsphasen der Geschichte und in einer Krise, die einzigartig sei. "In erster Linie ist das der Vertrauensverlust, der vor allem mit Missbrauchsskandalen und dem systemischen Umgang damit zu tun hat", betonte der Kapuziner. Dazu komme der Transzendenzverlust vieler Menschen. Um dem Vertrauensverlust zu begegnen, brauche es eine staatliche Aufarbeitung von Missbrauch. Diese werde zwar nach Einschätzung des Ordensmanns nicht zu wesentlich anderen Ergebnissen als die bereits stattfindende kirchliche kommen: "Aber um Vertrauen wiederherzustellen, gibt es nur diesen Weg."

Bruder Christophorus Goedereis wurde erstmals 2004 zum Provinzial gewählt, zunächst der Rheinisch-Westfälischen Ordensprovinz der Kapuziner, die 2010 mit der Bayerischen Ordensprovinz zu einer gemeinsamen Deutschen Kapuzinerprovinz vereinigt wurde. Der neuen Provinz stand er von 2010 bis 2013 als Provinzialminister vor, 2019 wurde er erneut in das Amt gewählt. Seit 2020 gehören auch die niederländischen Kapuziner zur Provinz, die heute insgesamt rund 150 Ordensmänner umfasst. Die Kapuziner gehören zur franziskanischen Ordensfamilie. (fxn)