Auch Christen dürften sich im Notfall "mit gewaltsamen Mitteln wehren"

Sozialethiker Nass: Waffenlieferungen an die Ukraine legitim

Aktualisiert am 12.03.2022  –  Lesedauer: 
Sozialethiker Nass: Waffenlieferungen an die Ukraine legitim
Bild: © KHKT

Köln ‐ Deutschland liefert Waffen an die Ukraine – für den Kölner Sozialethiker Elmar Nass ein legitimer "Akt der Freundschaftshilfe". Er stützt die Haltung der Bischöfe: Auch aus christlicher Sicht gebe es Gründe, sich im Notfall mit Gewalt zu wehren.

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Der katholische Sozialethiker Elmar Nass verteidigt die Haltung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dass Waffenlieferungen an die Ukraine grundsätzlich legitim seien. Die biblische Friedensbotschaft könne nicht nur pazifistisch interpretiert werden, sagte der 55-jährige Theologe der "Kölnischen Rundschau" (Online/Montag). Auch aus christlicher Sicht könne es "gute Gründe geben, sich im Notfall gegen Gewalt auch mit gewaltsamen Mitteln wehren zu dürfen". Die Lieferung von Waffen wertet Nass "als Akt der Freundschaftshilfe für das ukrainische Volk sehen mit dem Ziel, größeres Übel zu verhindern und zu einem Ende des Kriegs zu kommen".

Deeskalation nach dem Prinzip "Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die rechte hin" funktioniere nur, "wenn der andere mich nicht umbringt", argumentierte der Wissenschaftler, der an der vom Erzbistum Köln getragenen Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) lehrt. Wenn eine solche Eskalationsstufe erreicht werde, dann funktioniere dieses Prinzip nicht mehr. "Deshalb können die radikalen Forderungen der Bergpredigt in so einer Situation nicht der letzte Maßstab von Friedenspolitik sein", sagte Nass. Er sprach von einer "gerechtfertigten Verteidigung".

Die deutschen Bischöfe hatten am Donnerstag bei ihrer Frühjahrsvollversammlung erklärt, Rüstungslieferungen, die dazu dienten, dass die Ukraine ihr völkerrechtlich verbrieftes und auch von kirchlicher Friedensethik bejahtes Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen könne, seien "grundsätzlich legitim". Politische Entscheidungsträger müssten aber bedenken, was sie damit möglicherweise anrichteten. (epd)