Zuversicht finden auch in schweren Zeiten – mit Ritualen

Wie ich mit der Angst vor dem Krieg umgehe

Aktualisiert am 21.03.2022  –  Lesedauer: 
Spiritea

Bonn ‐ Die Bilder aus dem Krieg in der Ukraine erschüttern unsere Redakteurin Madeleine Spendier. Sie ist traurig und fühlt sich hilflos. Dennoch versucht sie, zuversichtlich zu sein. Diese fünf Tipps helfen ihr, nicht zu verzweifeln.

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Wenn ich Nachrichten und Bilder aus der Ukraine sehe, macht mich das sehr nachdenklich. Es schmerzt mich, wenn ich sehe, wie viele Menschen ihr Leben verlieren und dem Krieg ausgeliefert sind. Wenn Familien auseinandergerissen werden, Wohngebäude zerstört werden und Menschen tot auf der Straße liegen, ist das für mich nicht leicht auszuhalten. Dennoch möchte ich hoffnungsfroh in die Zukunft schauen. Diese fünf Rituale helfen mir dabei. 

Wie ich bete

Wenn ich bete, werde ich ruhiger. Ich versuche das, was mich bedrückt und ängstigt, in eigene Worte zu fassen und vor Gott zu bringen. Ich sage einfach: "Du, mein Gott, hilf mir bitte jetzt" Oder "Gott, erbarme dich". Manchmal spreche ich so ein kurzes Stoßgebet. Oft sitze ich auch nur da und denke an Gott und bitte um eine Antwort. Das hilft mir, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Wenn ich laut ausspreche, was mich bedrückt, fühle ich mich nicht mehr alleine. Dann kann ich das, was ist, besser tragen. Es ist für mich ein Weg, mit den schrecklichen Bildern aus den Kriegsgebieten in der Ukraine umzugehen. Ich denke an die vielen Menschen, die jetzt in Todesangst sind, die ihre Heimat verlassen müssen oder einen geliebten Menschen verlieren. "Gott, stehe ihnen bei."

Ich weiß, dass mein Gebet allein den Krieg nicht beenden kann. Und doch bete ich, dass die Macht der Liebe stärker ist als Gewalt und Tod und der Dialog erfolgreicher als Bomben und Granaten. Ich bitte darum, dass die Machthaber der Welt spüren, dass sie ein Herz haben und sie sich der Not der Menschen erbarmen, um alles möglich zu machen, damit der Krieg aufhört. Vor kurzem war ich bei einem Friedensgebet in unserer Kirchengemeinde. Es waren viele Leute da, die miteinander gebetet haben und schweigend durch die Stadt gegangen sind. Mir hat es gut getan zu sehen, dass ich nicht allein bin mit meinen Sorgen. Ich weiß, dass viele Menschen auf der ganzen Welt um Frieden bitten. Auch die Menschen in der Ukraine vertrauen auf diese Gebete. Ich vertraue darauf, dass Gott bei den Menschen ist und mit ihnen mitgeht.

Wie ich dem Frieden diene

Durch den Krieg sehe ich, wie schnell Menschen alles verlieren können. Ihre Heimat, ihr Zuhause, ihr Leben. Ich weiß, dass auch ich jederzeit alles verlieren oder sterben könnte. Ich habe Angst um die Menschen, die ich liebe. Daher versuche ich, dankbar auf mein Leben zu schauen. Ich denke darüber nach, wie ich mit meinem Verhalten dem Frieden in meiner Familie oder in meiner Partnerschaft dienen kann. Mit wem bin ich im Streit oder wem kann ich nicht verzeihen? Vielleicht mache ich den ersten Schritt und suche das versöhnende Gespräch. So kann ich die Welt um mich herum etwas besser machen. Auch beim Friedensgruß im Gottesdienst denke ich immer wieder daran, wie wichtig diese Geste ist, einander den Frieden zu wünschen.

Wie ich meine Zuversicht stärke

Wenn mich die Bilder aus dem Krieg zu sehr belasten, versuche ich, für einige Zeit meinen Medienkonsum einzuschränken. Ich überlege, was mir jetzt guttun würde und woraus ich neue Kraft schöpfen könnte. Ich gehe gerne in den Wald, setze mich dort auf eine Bank und lausche den Geräuschen um mich herum. Das beruhigt mich. Ich spüre, dass das Leben seinen Rhythmus hat. Auch mein Leben hat einen Rhythmus, den ich mitgestalte. Selbst wenn die Welt Kopf steht, das Leben geht weiter. Mein Leben will ich daher bewusster leben. Der Krieg geht eines Tages auch zu Ende. Das Leben setzt sich immer wieder durch. Das macht mich zuversichtlich.

Wie ich helfen kann

Der Krieg in der Ukraine ist fast 2.000 Kilometer entfernt von meinem Wohnort, trotzdem leide ich mit den Menschen dort mit. Es ist beeindruckend, mit welchem Einsatz jetzt so viele Menschen Hilfsgüter organisieren, sammeln und verteilen. Viele sind aus der Ukraine zu uns nach Deutschland geflüchtet. Wie kann ich meine Kraft und meine Ideen für sie einsetzen? Vielleicht frage ich in meiner Kirchengemeinde nach, ob ich einer Familie konkret helfen oder jemandem etwas Gutes tun kann. Vielleicht kann ich mich vorübergehend um jemanden kümmern und helfen, sich hier zurechtzufinden? Schon ein Lächeln gibt den Menschen, die bei uns ankommen, das Gefühl, willkommen zu sein.

Zu sehen, dass ich etwas bewirken kann, dass ich gebraucht werde, macht mein Leben sinnvoll. Für mich hat das auch mit meinem Glauben zu tun. Schließlich zählt es für Christen zu den Werken der Barmherzigkeit (Mt 25, 40), einander zu helfen: "Lernt Gutes zu tun!" (Jes 1,17) Zu sehen, wie Menschen in Katastrophen zusammenrücken, ermutigt mich, auch wenn in einem Krieg vieles ausweglos erscheint.

Wie mich die Bibel tröstet

Der Glaube an das Gute stärkt mich in schlimmen Zeiten und gibt mir Halt. Gott schenkt mir Zuversicht. Das Vertrauen darauf finde ich auch in biblischen Geschichten. Oft tröstet Jesus seine Freunde mit den Worten "Fürchtet euch nicht" (Mt 28, 10). Jesus war für viele Menschen seiner Zeit ein Friedensbringer: "Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht." (Joh 14,27) Und an einer anderen Stelle im Johannesevangelium erklärt Jesus seinen Freunden nach seiner Auferstehung noch einmal (Joh 20, 26): "Friede sei mit euch!"

Ein Freund Jesu, der Apostel Paulus, fordert sogar zu Gewaltlosigkeit auf: "Trachtet nach Frieden" (Hebr 12,14). Schon im Alten Testament findet man diesen Appell zum Frieden beim Beter des Psalms 34: "Suche Frieden und jage ihm nach" (Ps 34,15). Diese Worte ermutigen mich, dass Frieden in unserer Welt und besonders in der Ukraine möglich ist. "Selig die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden." (Mt 5, 9 und 10) 

Von Madeleine Spendier