Münsteraner Bischof spricht über Weg des Bistums in die Zukunft

Genn: Bei Reformdebatten nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren

Aktualisiert am 24.03.2022  –  Lesedauer: 

Münster ‐ Strukturen reformieren, die Machtfrage klären: All das sei für die Zukunft des Bistums wichtig, betont Münsters Bischof Felix Genn. Doch dürfe das nur dazu dienen, das eigentliche Ziel zu erreichen. Es gehe nicht darum, "möglichst viel zu retten".

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Der Münsteraner Bischof Felix Genn warnt mit Blick auf die Zukunft des Bistums, bei allen Reformen und Strukturdebatten das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Einzelne Schritte wie das Entwickeln von Strukturen und die Klärung der Machtfrage gehörten zwar dazu, dürften aber nur Mittel sein, das eigentliche Ziel zu erreichen, sagte Genn am Mittwoch im Dom zu Münster. "Es wird darauf ankommen, immer wieder neu Gruppen zu sammeln, zu zweit, zu dritt, zu zehnt, die bereit sind, sich von Jesus ein Wort sagen zu lassen, miteinander die Botschaft zu teilen und auf diese Weise zu erkennen, was zu tun ist." Das Ziel dürfe nicht sein, "möglichst viel zu retten, Blasen und Träumereien zu schaffen". Genn sprach bei einem geistlichen Abend zur Fastenzeit über das Thema "Neue Türen öffnen. Die Kirche von Münster auf dem Weg in die Zukunft".

Der Bischof betonte, dass die Kirche erst dort präsent werde, wo sie den Ärmsten der Armen ohne Ansehen der Person einen echten Liebesdienst erweise. Im Blick auf die Betroffenen von sexuellem Missbrauch sagte Genn, dass kirchliches Handeln nur im Blick "auf den am Rand liegenden, verwundeten Menschen" gelinge. Die Kirche werde noch auf Jahre hinaus kein "Haus voll Glorie" sein. Ihr Weg in die Zukunft könne nur unter der Signatur des Kreuzes gehen. Darin liege aber auch eine Chance, zu den Menschen zu gehen "mit nichts im Gepäck außer der Botschaft des Friedens".

Keine Zukunft ohne Synodalität

Ein Wesensmerkmal des künftigen Wegs wird laut dem Münsteraner Bischof das Zusammenspiel von Priestern und Laien sein: "Ohne synodales Tun kann die Kirche ihren Weg nicht gehen, wird sie niemals entdecken, was der Geist heute den Gemeinden sagt." Synodalität bedeute, die Wirklichkeit gemeinsam wahrzunehmen und sie anzunehmen, auch wenn sie mit den eigenen Vorstellungen nicht immer übereinstimme.

Vergangenes Jahr hatte der Münsteraner Bischof angekündigt, die pastoralen Strukturen in der Diözese erneut zu überarbeiten. Als Gründe nannte er die steigende Zahl an Kirchenaustritten, die rückläufige Zahl an Mitarbeitenden in der Seelsorge sowie schwindende finanzielle Ressourcen. An dem Prozess sollen auch die Verantwortlichen in den Gemeinden beteiligt werden. Allerdings soll es zu keinen weiteren Zusammenlegungen von Pfarreien kommen. Ende 2022 soll es erste Ergebnisse geben. (mal)