Vor 1.625 Jahren starb der Bischof

Kirchenlehrer Ambrosius: Honigsüß, aber nur für die Seinen

Aktualisiert am 03.04.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Er kam zu seinem Amt wie die Jungfrau zum Kind. Dann aber, als Bischof von Mailand, stürzte sich Ambrosius in die Arbeit: Er kämpfte für den Glauben, übersetzte Texte von Kirchenvätern ins Lateinische und komponierte.

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Es ist vielleicht die bekannteste Legende, die sich um den heiligen Ambrosius rankt: Ein Schwarm Bienen setzt sich auf die Lippen des noch in der Wiege liegenden Jungen und nährt das Kind mit Honig. Stiche trägt der Knabe von der wundersamen Begegnung nicht davon, dafür eine honigsüße Sprache, die später viele in den Bann ziehen wird. Die legendäre Episode im Leben des jungen Ambrosius machte ihn zum Schutzpatron unter anderem jener, die in irgendeiner Form mit Bienen und Honig zu tun haben: Imker, Wachszieher und Lebkuchenbäcker. Doch der älteste der vier großen lateinischen Kirchenväter ging auch als streitbarer Kämpfer in die Geschichte ein, der sich nicht scheute, sich für den wahren Glauben selbst mit Kaisern anzulegen.

Zu kämpfen hatte Ambrosius von Mailand genug. Ist Jesus Christus eines Wesens mit Gott, dem Vater, oder durch diesen geschaffen? Der auch als Arianerstreit bekannte anhaltende Dissens zu dieser zentralen Glaubensfrage war es letztlich, der Ambrosius auf den Bischofssitz brachte. Eigentlich hatte das Konzil von Nicäa 325 die Frage zugunsten der Trinitarier geklärt. Mailand aber blieb auch nach Nicäa eine Hochburg der Lehre des Arius, nach der Jesus Christus nicht wesensgleich mit Gott sei, sondern dessen vornehmstes Geschöpf. Ihr hing auch Mailands Bischof Auxentius an, dessen Tod 374 zu einem Aufflammen des Konflikts zwischen den Anhängern beider Positionen führte.

Ambrosius, seines Zeichens zu dieser Zeit höchster Verwaltungsbeamter für Oberitalien, versuchte den Streit zu beenden – und endete als Nachfolger des Auxentius. Der überlieferte Ausruf eines Kindes – "Ambrosius Bischof!" – soll die Zustimmung der Menge gefunden haben, die den damals noch nicht einmal getauften Beamten daraufhin zum Bischof akklamierte. Gesagt, getan. In nur einer Woche soll Ambrosius getauft und schließlich zum Bischof geweiht worden sein, nach aktuellem Forschungsstand am 7. Dezember 374. Der 7. Dezember ist heute im römisch-katholischen Heiligenkalender der Gedenktag des Ambrosius – und in vielen Länder auch der "Tag des Honigs".

Ambrosius bot als Bischof jedem die Stirn

Die kirchliche Karriere war dem Mann aus wohlhabendem Haus dabei nicht unbedingt in die Wiege gelegt. 339 in Trier als jüngster Sohn des römischen Statthalters für Gallien geboren, erhielt Ambrosius in Rom seine Ausbildung und schlug zunächst selbst erfolgreich eine Beamtenlaufbahn ein, die ihn über die Stelle als Berater des Präfekten von Sirmium im heutigen Serbien nach Norditalien. Einmal geweiht, verteilte er sein Hab und Gut an Bedürftige.

Als Bischof bot Ambrosius, der sich mit Eifer in seine neue Aufgabe einarbeitete, ohne Ansehen von Rang und Person jedem die Stirn, der für etwas anderes als den wahren Glauben stand. Kaiser Gratian bewegte der Bischof dazu, ein Toleranzedikt zurückzunehmen, nach dem "die Anhänger aller christlichen Bekenntnisse ohne Unterschied in den Kirchen zusammenkommen" durften.

Sein violettes Wunder erleben

In der Kirche gibt es viele Arten, Gottesdienste zu feiern. Auch in Mailand gibt es eine eigene Liturgie. Die Unterschiede zum traditionellen Ritus sind zwar gering. Im Advent ticken die Uhren aber anders.

Bei Kaiser Valentinian II. intervenierte er erfolgreich gegen die Erlaubnis zur Wiederaufstellung des Altars der römischen Siegesgöttin Victoria in der römischen Senatskurie und gegen die Bereitstellung einer Kirche an die Arianer. Mit Kaiser Theodosius stritt er um den Wiederaufbau einer von christlichen Mönchen abgebrannten Synagoge, ein Triumph, den der Mailänder Bischof den "intriganten Juden" nicht gönnen mochte. Für das Massaker von Thessaloniki, einer kaiserlichen Vergeltungsaktion, erlegte Ambrosius Theodosius öffentliche Kirchenbuße auf – ein unerhörter Akt kirchlichen Selbstbewusstseins.

Doch Ambrosius prägte nicht nur Sätze wie "Dem Kaiser steht die Verfügung über die Paläste zu, dem Bischof über die Kirchen", "Wir zahlen dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört" und "Der Kaiser ist in der Kirche, nicht über der Kirche". Mit seinen Hymnen wurde er auch zu so etwas wie dem Vater der Kirchenmusik, auch wenn der sogenannte "ambrosianische Lobgesang" – der Hymnus Te Deum – dem Mailänder Bischof wohl fälschlicherweise zugeschrieben wurde. Der Text eines der ältesten Weihnachtslieder hingegen, "Komm, du Heiland aller Welt", stammt tatsächlich aus seiner Feder.

Zeitgenossen beurteilen seine Ausführungen unterschiedlich

Bis heute wird in und um Mailand sowie in Teilen des Bistums Lugano der nach ihm benannte "ambrosianische Ritus" (Mailänder Liturgie) gefeiert, der gegenüber seinem römischen Pendant zahlreiche Eigenarten behaupten konnte. Neben Besonderheiten im Ablauf der Messen werden diese vor allem im Kirchenjahr sichtbar, wenn etwa die Fastenzeit erst am Sonntag nach Aschermittwoch beginnt oder der Advent sechs statt vier Sonntage umfasst.

Auch Predigten, Bibelauslegungen und philosophische Schriften sind von Ambrosius erhalten. Zeitgenossen beurteilten den Wert seiner Ausführungen dabei durchaus unterschiedlich. Während Hieronymus dem Bischof vorwarf, sich mit fremden Federn zu schmücken und aus gutem Griechisch schlechtes Latein zu machen, zog Ambrosius den jungen Augustinus derart in den Bann, dass er durch ihn zum Glauben kam. "Und ich kam nach Mailand zum Bischof Ambrosius, als der Besten einer bekannt auf dem ganzen Erdenrund", schrieb Augustinus in seinen "Bekenntnissen". 387 ließ er sich von Ambrosius taufen. Ein wichtiger Beitrag zur theologischen Entwicklung der westlichen Kirche war – eigene theologische Gedanken hin oder her – sicher die Übersetzungsleistung des Ambrosius, der die Texte der östlichen Kirchenväter in die lateinische Welt brachte.

Nach 23 Jahren als Bischof von Mailand starb Ambrosius am 4. April 397, im Morgengrauen des Karsamstags. Er wurde in der nach ihm benannten Basilika Sant'Ambrogio bestattet, wo er bis heute verehrt wird.

Von Andrea Krogmann (KNA)