Was mit alten Palmzweigen und Co. zu tun ist

Wie entsorge ich gesegnete Gegenstände richtig?

Aktualisiert am 09.04.2022  –  Lesedauer: 

Bonn  ‐ Darf ich die vertrockneten Palmzweige aus dem Vorjahr einfach in den Müll werfen? Was tue ich, wenn der Rosenkranz reißt? Der Altöttinger Wallfahrtsrektor Klaus Metzl erklärt im katholisch.de-Interview, wie man gesegnete Gegenstände liturgisch angemessen entsorgt.

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Darf ich unbrauchbare oder kaputte religiöse Gegenstände in den Müll werfen? Soll man alte Bibeln in der Papiertonne entsorgen? Prälat Klaus Metzl ist Wallfahrtsrektor in Altötting, dem wohl bekanntesten Wallfahrtsort Deutschlands. Er weiß, wie man gesegnete Gegenstände angemessen entsorgt und was man besser nicht tun sollte. 

Frage: Herr Prälat, wie entsorge ich die Palmzweige aus dem Vorjahr richtig?

Metzl: Wenn Sie die Zweige das ganze Jahr über aufbewahrt haben, vielleicht sogar im Herrgottswinkel oder bei einem Kreuz, dann können Sie diese in der Osternacht zum Osterfeuer Ihrer Kirchengemeinde bringen und dort verbrennen lassen. In der Stiftsgemeinde in Altötting sammeln wir die Palmzweige, die die Leute uns das ganze Jahr über vorbeibringen, in der Sakristei. Wir machen dann an Ostern immer ein extra großes Feuer dafür. Manche Leute gehen dann auch selbst ans Feuer und werfen die mitgebrachten Zweige hinein. Die gesegneten Zweige verbrennen im gesegneten Osterfeuer. Das ist die liturgisch korrekte Entsorgung. Also bitte kein eigenes Feuer zu Hause machen.

Frage: Wird die gesegnete Asche aus dem Osterfeuer auch weiterverwendet?

Metzl: Ja, ein Teil der Asche wird für die Spendung des Aschenkreuzes am Aschermittwoch verwendet und der Rest ordnungsgemäß entsorgt.

Bild: ©Bistum Passau/Armin Berger (Archivbild)

Der Altöttinger Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor Klaus Metzl (l.), hier bei der Präsentation des neuen Logos des Gnadenorts Altötting im Februar 2021.

Frage: Wird die Asche im Ausguss in der Kirche entsorgt?

Metzl: Nein, denn die Asche würde dort nur verklumpen und alles verstopfen. In dieses spezielle Becken in der Sakristei, dem sogenannten Sakrarium, schütten wir nur das Wasser, mit dem sich der Priester im Gottesdienst die Hände wäscht oder winzige Partikel von der geweihten Hostie, die im Kelch oder in den Hostienschalen übriggeblieben sind. Dieses Becken führt direkt in die Erde und ist damit die vorgeschriebene Entsorgung für Flüssiges. Für das Grobe haben wir eine Erdnische im Kreuzgang.

Frage: Wo genau befindet sich diese Erdnische?

Metzl: In der Stiftskirche haben wir in der Nähe des Kreuzgangs einen kleinen Garten. Dort ist auch ein Friedhof für die verstorbenen Kanoniker, also geweihte Erde. Und in diesem Garten, der normalerweise geschlossen ist, befindet sich ein kleines, etwa 30 mal 30 Zentimeter großes Loch. Und da hinein wird die Asche geleert.

Frage: Gibt es im Kreuzgarten dafür mehrere Erdlöcher?

Metzl: Nein, wir haben nur eines. Ich kenne es sogar schon aus meiner Zeit als Kaplan an der Stiftskirche. Es ist immer noch an genau derselben Stelle und etwa einen halben Meter tief. Dort hinein kommen auch nach jedem Gottesdienst die Glutkörner und Weihrauchreste aus den Weihrauchfässern. Auch aus praktischen Gründen wird die heiße Asche nicht in der Mülltonne entsorgt, sondern in die natürliche Erde vergraben. Damit sich nichts entzünden kann, muss alles in dieses feuersichere Loch. Es duftet nach dem Gottesdienst im gesamten Kreuzgarten immer herrlich nach Weihrauch.

Frage: Kommt auch überschüssiges oder verunreinigtes Weihwasser in dieses Erdloch?

Metzl: Wir in Altötting haben kein überschüssiges oder verunreinigtes Weihwasser. Das Weihwasser wird immer wieder frisch in die dafür vorgesehen Kupferkessel gefüllt. Das Weihwasser verdirbt auch nicht. Nach ein paar Tagen ist der Kessel sowieso wieder leer, weil die Gottesdienstbesucher alles mitnehmen. Wir segnen auch das Taufwasser immer frisch. Das wird auch nicht entsorgt, sondern ins Weihwasser hineingeschüttet und weiterverwendet.

Frage: Was machen Sie mit den vielen Kerzen in Altötting, die abgebrannt sind?

Metzl: Bei uns in Altötting werden auch die abgebrannten Kerzen von Gläubigen mitgenommen. Vor allem die, die beim Seitenaltar bei der Muttergottes stehen. Jeden Abend werden die Kerzen gegen neue ausgetauscht. Es gibt ein paar Ordensfrauen in Altötting, die aus den abgebrannten Kerzenresten neue Andachtskerzen gießen und sie wieder mitbringen und in die Gebetsecken stellen. Wir bekommen auch viele Kerzenspenden, da wird nichts verschwendet bei uns.

Ein Priester entzündet ein Osterfeuer
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Im Osterfeuer, das in der Osternacht entzündet wird, dürfen alte Palmzweige verbrannt werden.

Frage: Nochmal zurück um Osterfeuer: Kann ich auch alte Andachtskreuze oder kaputte religiöse Figuren ins Osterfeuer werfen?

Metzl: Wenn die aus Holz sind, ja. Die aus Plastik würde ich eher nicht reinschmeißen. Ich würde aber empfehlen, zuerst in der Sakristei beim Mesner nachzufragen, ob er eine andere Verwendung dafür hat, bevor man irgendwas einfach schnell entsorgt. Große Kreuze, Bilder, Figuren oder Statuen sollen, wenn sie nicht mehr repariert werden, auch von einem Kunstexperten angesehen werden. Vielleicht sind diese auch noch kunstgeschichtlich wertvoll. Manchmal kann man solche Gegenstände auch in spezielle kirchliche Depots einlagern lassen und dort reparieren. Oder sie finden als Missionskreuze noch Verwendung. Schließlich empfehle ich es auch, alte Sachen auf Ebay zu verkaufen.

Frage: Darf man das denn mit religiösen Gegenständen?

Metzl: Das ist kein Verbrechen! Wir kaufen als Kirchengemeinde auch wertvolle Kreuze auf Ebay. Da gibt es keine Vorschriften! Schauen Sie doch mal rein, was sich da alles finden lässt.

Frage: Wäre es nicht einfacher, die gesegneten Gegenstände zu profanieren und dann wegzuwerfen?

Metzl: Gesegnete Andachtsgegenstände profaniert man nicht. Ein Segen ist ein Zuspruch, der immer gilt. Und wenn der Gegenstand dann nicht mehr in diesem Sinne verwendet wird, dann ist der Segen zwar ausgesprochen, aber nicht mehr bewahrt. Wenn sie ein Auto segnen und es bei einem Unfall kaputt geht, dann ist es mit dem Segen auch vorbei. So verlieren religiöse Gegenstände auch ihren Wert, wenn sie kaputt gehen.

Ein Gebetbuch mit Rosenkranz dient dem regelmäßigem Gebet.
Bild: ©andrea-goeppel.de

Alte oder kaputte Rosenkränze dürfen entsorgt werden. Doch sind sie nicht eine besondere Erinnerung?

Frage: Darf man also kaputte Bibeln in den Papiermüll wegwerfen oder gar verbrennen?

Metzl: Alte Bücher, die niemand mehr braucht, darf man im Müll entsorgen, ja. Ob man das tun sollte, ist eine andere Frage. Ich wäre vorsichtig, religiöse Bücher im Feuer zu verbrennen, weil es eine sehr negative Symbolik hat. Wir haben in der Altöttinger Stiftskirche auf dem Dachboden noch einige alte Lektionare und Messbücher. Die wirft niemand weg, die verbrennt auch niemand. Das Wort Gottes zu verbrennen, das würde ich eigenartig finden. Ich finde es immer besser, solche Dinge, die einem lieb und kostbar sind, lieber aufzubewahren. Oft ist eine Familienbibel auch ein Zeugnis für den Glauben und die Frömmigkeit der verstorbenen Eltern oder Großeltern. Auch wenn ein paar Seiten fehlen oder sie zerrissen sind, ist sie dennoch wertvoll. Ich selbst habe noch das Andachtsbild, das ich zu meiner Erstkommunionfeier geschenkt bekommen habe. Es zeigt Jesus beim Letzten Abendmahl. Es ist schon ziemlich verbleicht und nicht mehr schön, aber ich werfe es nicht weg, weil es mir etwas bedeutet.

Frage: Ich habe auch noch alte Rosenkränze von meiner Oma aus Altötting. Ich schaffe es auch nicht, diese wegzugeben, auch wenn sie nicht viel wert sind…

Metzl: So einen habe ich auch: ein billiger, schlichter Rosenkranz in einem Täschchen aus Plastik. Ich habe ihn persönlich aus der Hand des verstorbenen Papst Johannes Paul II. bei einer Privataudienz erhalten. Er ist auch schon an einer Stelle gerissen, aber das macht nichts, er hat eine besondere Bedeutung für mich. Ich habe ihn in meinem Auto auf dem Rückspiegel aufgehängt. So begleitet er mich bei jeder Autofahrt. Ich würde ihn nie wegwerfen. Vielleicht nehme ich ihn auch einmal mit in mein Grab. Das ist übrigens auch eine schöne Tradition, wenn man Kreuze oder Rosenkränze bei der Beerdigung dem Verstorbenen mit in den Sarg legt. So wird der gesegnete Gegenstand gemeinsam mit dem Verstorbenen begraben und somit in gesegneter Erde entsorgt.

Von Madeleine Spendier

Nach Angaben des Codex des kanonischen Kirchenrechtes (CIC) unter Nr. 1171 müssen gesegnete oder geweihte Sachen "ehrfürchtig" behandelt werden: Heilige Sachen, die durch Weihung oder Segnung für den Gottesdienst bestimmt sind, sind ehrfürchtig zu behandeln und dürfen nicht zu profanem oder ihnen fremdem Gebrauch verwendet werden, selbst dann nicht, wenn sie Eigentum von Privatpersonen sind.