"Mit heißer Nadel gestrickte Lösungen tragen nicht"

Meier für Kirche ohne Angst, gegen überstürzte Grundordnungsreform

Aktualisiert am 13.04.2022  –  Lesedauer: 

Augsburg ‐ Über 600 Menschen sprechen sich im Augsburger Aufruf für eine "Kirche ohne Angst" und eine Änderung des Arbeitsrechts aus. Nun reagiert der Bischof: Er kündigt an, die Anliegen zu unterstützen – und dämpft Hoffnungen auf eine schnelle Lösung.

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Der Augsburger Bischof Bertram Meier will sich für eine Veränderung des kirchlichen Arbeitsrechts und eine Kirche ohne Angst einsetzen. Nach der Chrisammesse am Mittwoch reagierte der Bischof auf die Initiative "Augsburg ohne Angst" von Menschen aus dem kirchlichen Dienst im Bistum, der sich seit Montag über 600 Menschen angeschlossen haben. Meier bitte allerdings auch um Geduld, ohne dass er die Problemanzeige aussitzen wolle: "Das kirchliche Arbeitsrecht braucht Erneuerung – und ich gehe davon aus: Es wird erneuert", so der Bischof. Das funktioniere aber nicht kurzfristig. "Lösungen, die mit heißer Nadel gestrickt sind, tragen nicht. Als Bischof beabsichtige ich, in den zuständigen Fach- und Entscheidungsgremien ein Wort dafür einzulegen, dass unser Anliegen umgesetzt wird", ergänzte Meier.

Auch er sei "berührt vom Mut und betroffen vom Schmerz aller, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und ihrer geschlechtlichen Identität in der Kirche leiden". Mit der Bistumsleitung und den Unterzeichnern der Initiative fühle er sich in dem Wunsch verbunden, "die Kirche von Augsburg zu einem Ort zu machen, der angstfrei glauben und leben lässt".

Am Montag hatte die Initiative "AugsburgOhneAngst" eine Solidaritätserklärung kirchlicher Mitarbeitender in der Diözese Augsburg zu #OutInChurch veröffentlicht. "Im Bewusstsein dessen, dass es in unserem Bistum queere Mitarbeiter:innen gibt, wünschen und erhoffen wir uns einen Aufbruch hin zu einer angstfreien Kirche", heißt es in dem Aufruf. Die Grundordnung des kirchlichen Dienstes decke in ihrer jetzigen Form den Anspruch des Evangeliums nicht ab. Daher bitten die Unterzeichnenden die Bistumsleitung um Unterstützung für eine Veränderung des kirchlichen Arbeitsrechts, "die Rechtssicherheit für queere Mitarbeiter:innen bietet", so die Erklärung weiter. Ein Leben "entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität in verantworteter Partnerschaft beziehungsweise Zivilehe" dürfe nicht als Loyalitätsverstoß und somit Kündigungsgrund für Beschäftigte der Diözese Augsburg gewertet werden.

Zu den Erstunterzeichnen gehören neben Mitarbeitenden im pastoralen Dienst, Religionslehrkräften und Pfarrern aus dem Bistum auch der Berufsverband der Gemeindereferent:innen im Bistum Augsburg, der Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, der Vorstand des Augsburger Katholischen Deutschen Frauenbundes sowie die Provinzleitung der Dillinger Franziskanerinnen.

Änderung der Grundordnung noch in diesem Jahr erwartet

Bislang sieht die Grundordnung des kirchlichen Dienstes für katholische Beschäftigte vor, dass die Schließung einer kirchenrechtlich nicht anerkannten Zivilehe, beispielsweise nach Scheidung oder zwischen Menschen gleichen Geschlechts, ein Kündigungsgrund sein kann und unter anderem bei pastoralen Mitarbeitenden stets ist. Augsburg gehört bislang zu den Bistümern, die verhältnismäßig zurückhaltend auf die Forderungen der Initiative "#OutInChurch" und den Beschluss in erster Lesung des Synodalen Wegs zur Änderung der Grundordnung des kirchlichen Dienstes reagiert hatten. Bischof Bertram Meier hatte bereits Anfang März die Position vertreten, dass "eventuelle Aktualisierungen dieser Rechtsquellen" gemeinsam diskutiert und beschlossen werden müssen, sagte ein Sprecher des Bistums auf Anfrage. "Sicher ist, dass – sollten konkrete Handlungserfordernisse erkennbar werden – das Bistum Augsburg sich im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in jedem Fall um eine gute Lösung bemühen wird", so der Sprecher weiter.

Eine Reform der Grundordnung wird noch für dieses Jahr erwartet. Nach der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) kündigte deren Vorsitzender, der Limburger Bischof Georg Bätzing, Mitte März an, eine erste Lesung könne voraussichtlich bei der Sitzung des Ständigen Rates im Juni stattfinden. Sollte es noch eine zweite Lesung brauchen, werde diese voraussichtlich im Rahmen der DBK-Vollversammlung im Herbst stattfinden. Die Beratungen sollen "priorisiert vorangebracht" werden, dabei müsse man aber die "vorgesehenen Schritte" einhalten: "Es geht uns Bischöfen um Sorgfalt, Prozesstreue, Sachlichkeit und das Signal, dass es einen Willen zur Veränderung gibt." (fxn)