Standpunkt

Die Kirche muss an der Seite der durch Superreiche Entrechteten stehen

Aktualisiert am 28.04.2022  –  Lesedauer: 
Schachfigur
Bild: © Fotolia.com/Roma

Bonn ‐ Elon Musk will Twitter – für mehr als 40 Milliarden Euro: Diese Nachricht ging Anfang der Woche durch die Welt. Schwester M. Gabriela Zinkl blickt hinter die schillernde Fassade solcher Lichtgestalten und sieht eine alte neue Aufgabe für die Kirche.

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Was für eine Steilvorlage für James Bond oder Batman: ein Junge, einst von seinen Mitschülern gemobbt, gewaltvoll eine Treppe hinuntergestoßen und verprügelt, steigt mit viel Geschick und Glück auf zu einem der reichsten Menschen der Welt, konkurriert mit dem Außenseiter-Image eines Elektroauto-Herstellers mit angestammten Automobilkonzernen, etabliert im Weltall einen eigenen Satelliten- und Shuttle-Service, investiert in Konzepte künstlicher Intelligenz und steht kurz davor, wichtige Informations- und Nachrichtendienste zu dominieren.

Was sich anhört wie der Werdegang eines Mr. Goldfinger oder Joker, gehört tatsächlich zu den Qualitäten einer real existierenden Person: Elon Musk, seines Zeichens Kosmopolit mit Staatsbürgerschaften mehrerer westlicher Länder, verfügt als Supermilliardär derzeit über ein Gesamtvermögen, dessen Zahlenraum jede alleinerziehende Minijobberin hyperventilieren lässt. Seine jüngst verkündete milliardenschwere Übernahme des Nachrichtendienstes Twitter kam in der Finanzwelt einem mittleren Erdbeben gleich.

Es gibt in unserer Zeit und Welt nicht wenige Elon Musks, man denke nur an seinen Gefährten auf der Rangliste der Superreichen, den Inhaber eines profitablen Onlineversandhandels. Manche sehen in diesen Herren die neuen Gutmenschen unserer Zeit und Lichtgestalten des Jahrtausends, schaffen sie durch ihre marktwirtschaftlichen oder technischen Innovationen doch Unmengen an Arbeitsplätzen, nehmen die ökologische Verantwortung für unseren Planeten ernst oder unterstützen bedrohte Nationen in Kriegsgebieten mit Hilfe ihrer Internet- und Satellitentechnik.

Hinter der nicht selten grün lackierten Fassade dieser erfolgreichen Unternehmensinhaber gibt es aber auch eine andere, weitaus schmutzigere Seite: Astronomen beschweren sich über zunehmenden Elektroschrott im Weltraum und Geo-Engineering ohne Aufsicht und Regulierung, Journalisten warnen vor der Bedrohung der Meinungs- und Redefreiheit, Umweltschützer beklagen die katastrophale Ökobilanz der Produktion, Menschenrechtler weisen hin auf benötigte Rohstoffe, die in Kinderarbeit abgebaut werden. Die Riege dieser Superreichen eint, dass sie vieles daran setzen, um Gewerkschaftsgründungen und Mitarbeitervertretungen ihrer zehntausenden Angestellten zu verhindern.

Auch 130 Jahre nach der revolutionären Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ hat die Parteinahme der katholischen Kirche für die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern – auch in ihren eigenen Reihen – also nichts an Aktualität verloren. Es ist heute für alle Christinnen und Christen mehr denn je an der Zeit, sich an die Seite der durch Superreiche Entrechteten zu stellen und die Option für die Armen Realität werden zu lassen.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB ist Borromäerin im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem und arbeitet als Dozentin für Kirchenrecht und als Pädagogin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.