Bistum veröffentlicht Zusammenfassungen zu Rückmeldungen auf Umfrage

Weltsynode: Erfurter Katholiken für mehr Laienmitsprache in Kirche

Aktualisiert am 02.05.2022  –  Lesedauer: 

Erfurt ‐ Wie wünschen sich die Erfurter Katholiken die Kirche? Das Bistum hat nun eine Zusammenfassung zu den Rückmeldungen auf die Umfrage zur Weltsynode veröffentlicht. Darin fallen häufig Begriffe wie "Mitbestimmung" und "Augenhöhe".

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Katholiken im Bistum Erfurt votieren im Rahmen der Befragung des Vatikan zum weltweiten synodalen Prozess für mehr Mitsprache von Laien bei Entscheidungen und eine Kommunikation auf Augenhöhe in der Kirche. Wie aus einer Zusammenfassung der Rückmeldungen hervorgeht, die das Bistum Erfurt am Sonntag auf seiner Internetseite veröffentlichte, wünschen sich diözesane Gremien, Verbände und einzelne Gläubige größtenteils eine klar definierte Partizipation an Entscheidungsprozessen besonders auf der Ebene der Pfarrei. Das Dokument umfasst sieben Seiten und stellt die Positionen unter anderem des Katholikenrats, des Priesterrats, der Pfarreiräte, des Diözesanverbands des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und einzelner Rückmeldungen dar. Die Befragung dient der Vorbereitung auf die von Papst Franziskus ausgerufene Weltsynode zur Zukunft der Kirche im Oktober 2023. Von ihm formulierte Fragen sollen zunächst auf Ortsebene behandelt werden.

Für die Mitverantwortung in der Sendung sei es wichtig, dass die Macht in der Kirche verteilt werde, "weil dadurch Wertschätzung auf Augenhöhe entsteht in der Zusammenarbeit von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", heißt es in der Zusammenfassung des Votums des Erfurter Katholikenrats. Getaufte und Gefirmte in den Pfarreien seinen bereit, Verantwortung zu übernehmen. "Das erfordert aber auch die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, die über die Übernahme von Hilfsdiensten hinausgehen".

Generell sollten bei Reformprozessen "lieber kleine Schritte gegangen werden, die sichtbare Ergebnisse bringen, als dass ein 'großer Wurf' versucht wird, der im Sande verläuft oder ausgebremst wird", wie aus dem Votum des Katholikenrats zitiert wird. Im Hinblick auf das Verhältnis von Teilkirche und Weltkirche stelle sich die die Frage, ob "Weltkirche noch möglich" sei. Der Wille, die kirchliche Einheit zu bewahren, werde anerkannt. "Gleichzeitig kann 'die Weltkirche' nicht immer nur als Argument für das Nicht-Umsetzen von Veränderungen herangezogen werden."

Keine gute Antworten auf die Kritik an der Kirche

Aus den Pfarreiräten sei die Forderung gekommen, dass auch Menschen, die wiederverheiratet sind oder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben, von der Kirche an- und aufgenommen werden sollen. Zudem werde zur besseren Unterstützung des kirchlichen Lebens angeregt, auch verheiratete Männer zu Priestern zu weihen und das Diakonat für Frauen zu öffnen. Bemängelt wurde laut der Zusammenfassung, dass gute Antworten auf die Kritik an der Kirche wegen des Skandals um sexualisierte Gewalt in der Kirche fehlten. Der BDKJ fordert für die Jugendlichen maßgebliche Beteiligung an Entscheidungsprozessen innerhalb der katholischen Kirche.

Als durchgängiges Thema der Einzelrückmeldungen habe sich die Forderung herauskristallisiert, dass Getaufte und Gefirmte Mitbestimmungsrechte bekommen sollen, und zwar auch bei der Besetzung von Ämtern. Dadurch könnten sich Priester mehr ihren eigentlichen Aufgaben als Spender der Sakramente, Verkünder des Evangeliums und Seelsorger widmen. Manche Rückmeldungen zeigten jedoch ein anderes Bild. So hätten 105 kirchlich engagierte Frauen aus dem Bistum in einer gemeinsamen Stellungnahme ein Festhalten an der Lehre und Praxis der katholischen Kirche gefordert. Andernfalls würden "die Priester, die auf Ehe und Familie verzichten, die Ehepaare, die sich in Liebe und Hingabe für den Ehepartner und die Kinder aufopfern, auch in Krisen beieinanderbleiben […], lächerlich gemacht und das Zeugnis geistlichen Lebens in den Kirchengemeinden würde seine Leuchtkraft verlieren".

Thema der Rückmeldungen war auch die Situation der Katholiken in Ostdeutschland. So stellte der Priesterrat fest, dass Menschen, die den christlichen Glauben erst als Erwachsene entdecken, geduldige und einfühlsame Begleitung bräuchten. Sie hätten ganz andere Fragen als diejenigen, die aktuell in der katholischen Kirche in Deutschland diskutiert würden. Aus den Pfarreiräten hieß es, dass der Dialog mit den Menschen, die weder Glauben noch Religion haben, eine wichtige Aufgabe sei. Im säkularen Umfeld Ostdeutschlands gebe es viel Erfahrung damit, den Gottesglauben zu bezeugen "und es gibt eine bleibende Dankbarkeit, dies seit der friedlichen Revolution ohne Angst vor staatlichen Repressalien tun zu können". (mal)