Kritik auch an traditionellen Siegesfeiern am 9. Mai in Moskau

Erzbischof Koch verurteilt Russlands Ukraine-Krieg und Präsident Putin

Aktualisiert am 04.05.2022  –  Lesedauer: 

Berlin ‐ "Wer mit Gewalt und Zerstörung seinen Machtbereich ausdehnen will, tritt das Völkerrecht mit Füßen": Erzbischof Heiner Koch hat Russlands Krieg gegen die Ukraine erneut verurteilt. Ungewöhnlich deutlich äußerte er sich zudem über Präsident Putin.

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Kurz vor dem "Tag der Befreiung" an diesem Sonntag, an dem in vielen Ländern an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa erinnert wird, hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und das Agieren von Russlands Präsident Wladimir Putin erneut verurteilt. "Wer mit Gewalt und Zerstörung seinen Machtbereich ausdehnen will, tritt das Völkerrecht mit Füßen und handelt gegen alle Prinzipien der Mitmenschlichkeit", schreibt Koch in einem Gastbeitrag für die Berliner Boulevardzeitung "B.Z" (Donnerstag).

Der Vorstellung, dass ein Krieg ethisch und rechtlich gerecht sein könne, habe Papst Johannes XXIII. (1958-1963) in seiner Enzyklika "Pacem in terris" im Jahr 1963, als die Welt aufgrund der Stationierung russischer Langstreckenraketen auf Kuba kurz vor einem Atomkrieg stand, eine endgültige Absage erteilt. "Nun ist es wieder ein russischer Präsident, der mit Atomwaffen droht, Wohngebiete und soziale Einrichtungen bombardieren lässt und grausame Mörder folternd durch ukrainische Orte schickt", so der Erzbischof. Die große Aufgabe der christlichen Kirchen und aller Christen sei es, für den Frieden einzutreten und für seine Erhaltung zu werben.

In seinem Beitrag kritisierte Koch zudem die traditionellen Aufmärsche der russischen Streitkräfte am "Tag des Sieges" am 9. Mai: "Die zur Schau gestellte Demonstration von militärischem Vernichtungspotential hat immer schon ein ungutes Gefühl ausgelöst. Doch wer hätte es für möglich gehalten, dass fast achtzig Jahre nach dem Ende des fürchterlichsten Krieges, den unsere Welt je gesehen hat, dem Holocaust und der Zerstörung unzähliger Städte und ganzer Landstriche, diese Vernichtungswaffen noch einmal in Europa zum Einsatz kommen?" Russland habe mit seinem Angriffskrieg auf die Ukraine nicht nur im übertragenen Sinne eine Grenze überschritten. (stz)