Nach angekündigtem Rücktritt vom Amt des DBK-Missbrauchsbeauftragten

Würdigung und Kritik für Bischof Ackermann von Betroffenenbeirat

Aktualisiert am 13.05.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Zuletzt hatte der DBK-Betroffenenbeirat Bischof Stephan Ackermann scharf kritisiert. Nach seinem angekündigten Rücktritt als Missbrauchsbeauftragter schlägt das Gremium nun versöhnlichere Töne an – verbunden mit klaren Forderungen an die Bischöfe.

  • Teilen:

Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nimmt den angekündigten Rückzug des Trierer Bischofs Stephan Ackermann vom Amt des Missbrauchsbeauftragten der DBK mit Respekt zur Kenntnis. Der Bischof leite damit zu der notwendigen Neuordnung und -strukturierung der Missbrauchsarbeit der DBK über, heißt es in einer Pressemitteilung des Beirats vom Freitag. Trotz der Kritik an Ackermann von Betroffenenseite würdigte der Beirat sein zwölfjähriges Engagement: "Bischof Ackermann hat zu einer Zeit die Bearbeitung dieses Themas über- und angenommen, in der die überwiegende Mehrheit der deutschen Bischöfe meinte, die Missbrauchsthematik sei an sich eine temporäre Erscheinung." Durch seine Aktivitäten, auch gegen "Widerstand aus dem Bischofskollegium", seien im Feld von sexualisierter Gewalt und Missbrauch in der katholischen Kirche einige Maßnahmen und Initiativen auf den Weg gebracht worden, so die Mitteilung weiter. 

Zugleich seien in wesentlichen Themenfeldern aber bislang nur Ansätze zu erkennen. Der Betroffenenbeirat nannte dabei insbesondere gut ausgestattete und begleitete Betroffenenarbeit, eine adäquate Anerkennung des Leids und die transparente Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. "Echte Lösungen oder gar grundlegende und von Bischöfen wie Betroffenen gemeinsam getragene Perspektiven fehlen weiterhin und müssen zwingend gefunden werden", kritisieren die Betroffenenvertreter.

Neuer Abschnitt für Umgang mit Missbrauch

Der Wechsel ermögliche einen neuen Abschnitt im Umgang mit der Missbrauchskrise. Das müsse auch "in der notwendigen fachlichen Qualifikation und Expertise der zukünftig handelnden Akteure deutlich werden", betonte der Betroffenenbeirat. Bereits im November des vergangenen Jahres kündigte die DBK eine strukturelle und personelle Neuordnung des Arbeitsfeldes an. Für diese Reform mahnen die Betroffenenvertreter an, den Beirat von Anfang an zu beteiligen. "Jetzt kann sich zeigen, was an so vielen Stellen immer wieder benannt, aber dann zumeist nicht gelebt wird: Miteinander reden anstatt übereinander, gemeinsam entscheiden und handeln anstatt behandelt zu werden", so die Mitteilung.

Am Donnerstag hatte Ackermann angekündigt, sein Amt als Missbrauchsbeauftragter bei der Herbst-Vollversammlung der DBK im September niederzulegen. Es brauche möglichst bald eine neue und breiter aufgestellte Verantwortungsstruktur, damit die katholische Kirche in Deutschland der Vielschichtigkeit der Thematik des sexuellen Missbrauchs und der Dimension des Aufgabenfeldes künftig noch mehr gerecht werden kann, erklärte Ackermann laut Mitteilung. Er gebe daher sein Amt ab.

Zuletzt war Ackermann im März aufgrund seines Verhaltens einer Missbrauchsbetroffenen in seinem Bistum gegenüber in die Kritik geraten. Ackermann hatte in einer bistumsinternen Veranstaltung den bürgerlichen Namen der Betroffenen offengelegt, die in der Öffentlichkeit bislang nur unter Pseudonym bekannt war. Der Betroffenenbeirat sprach von einem "eklatanten Vertrauensverlust". In der Erklärung von Mitte April hieß es: "Dieses Verhalten disqualifiziert den Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, weil es die Mindeststandards für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verletzt."

Der Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz besteht aus zwölf Personen, die von sexualisierter Gewalt und Missbrauch im Zuständigkeitsbereich der katholischen Kirche betroffen sind. Die Mitglieder wurden im Herbst 2020 durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz für eine dreijährige Amtszeit berufen. Der Beirat soll die Bischofskonferenz in Fragen des Missbrauchs und der sexualisierten Gewalt beraten, aber auch eigene Initiativen und Sichtweisen aus der spezifischen Sichtweise der Betroffenen einbringen. (fxn)