Mainzer Bischof äußert sich auch zu Kritik am Synodalen Weg

Kohlgraf: Sehr unterschiedliche Erwartungen an Missbrauchsaufarbeitung

Aktualisiert am 16.05.2022  –  Lesedauer: 

Mainz ‐ Welche Erwartungen haben Betroffene an die kirchliche Aufarbeitung von Missbrauchsfällen? Bischof Peter Kohlgraf nennt ganz unterschiedliche Haltungen. Auch zum Brief von 74 Bischöfen mit Kritik am Synodalen Weg äußert er sich.

  • Teilen:

Die Erwartungen Betroffener an die kirchliche Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sind nach Beobachtung des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf sehr unterschiedlich. Das Thema sei "schwierig und differenziert, weil es so viele Gesichtspunkte beinhaltet", sagte er am Montag im Podcast "Lebensfragen" des Bistums Mainz. In der Öffentlichkeit werde darüber bisweilen zu vereinfacht debattiert.

So gebe es Betroffene, für die finanzielle Leistungen eine wichtige Rolle spielten, erklärte Kohlgraf. Andere sagten: "Bleibt uns mit eurem Geld vom Hals, ihr könnt euch nicht freikaufen." Manche begrüßten Gottesdienste, in denen um Verzeihung gebeten werde, andere lehnten dies als Versuch ab, sich "mit ein paar frommen Gebeten aus der Affäre zu ziehen". Es brauche Transparenz, eine neue Beschwerdekultur und auch kirchliche Stellen, an die Menschen sich wenden könnten.

Den Offenen Brief von 74 Bischöfen, die den Reformprozess Synodaler Weg kritisieren, will er nach eigenem Bekunden nicht kleinreden. Die Themen des Synodalen Wegs beträfen jedoch nicht Deutschland allein, viele Bischöfe aus aller Welt verfolgten den Prozess "sehr interessiert", wenn auch kritisch. Deutschland sende mit dem Synodalen Weg eine Botschaft in die Weltkirche, die sehr viel unterschiedlicher sei, als viele dächten.

Zamperoni führt "Zwiegespräche mit einer höheren Macht"

Ingo Zamperoni (48), der die christliche Botschaft nach eigenen Worten unterstützenswert findet. Katholisch aufgewachsen, habe er als Katechet die Kommunionkurse seiner älteren Kinder begleitet, berichtete der "tagesthemen"-Moderator. Nach der Kommunion seiner jüngsten Tochter seien die Kindern nun eher sportlich aktiv, sodass auch er selbst nicht "richtig involviert" in seine Hamburger Gemeinde sei.

Er führt nach eigenem Bekunden bisweilen "innerlich Zwiegespräche" und versucht, Dankbarkeit zu formulieren. So mache er sich klar, dass ihn vielleicht gerade etwas nerve, aber auch vieles gut laufe. Dies seien "vielleicht keine Gebete, aber Zwiegespräche mit einer höheren Macht", so Zamperoni. Für ihn kann die Kirche "wichtigen gesellschaftlichen Input" leisten. Im Synodalen Weg sieht er das Potenziel, "Leute entweder zurückzugewinnen oder zumindest nicht zu verlieren". Viele wollten nicht, dass die Kirche zerbrösele. Es sei zugleich "total spannend" zu beobachten, wie der Kirche auch weltweit der Spagat zwischen sehr unterschiedlichen Positionen gelinge.

Zu seiner Arbeit für die ARD sagte Zamperoni, das Wissen darüber, wie Nachrichten zustande kämen, sei für viele nicht selbstverständlich. "Wir müssen transparenter werden. Ich glaube, man kann nicht jeden Zuschauer einladen, aber ich fände es gut zu zeigen, wie der Maschinenraum aussieht." (tmg/KNA)