Behörden müssen auch Kompetenzen abgeben

Parolin: Kurienreform stärkt Staatssekretariat und Wirtschaftsaufsicht

Aktualisiert am 17.05.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Mit seiner Apostolischen Konstitution "Praedicate evangelium" hat Papst Franziskus die vatikanische Kurie reformiert und unter anderem Aufgaben neu verteilt. Bei einem Studientag hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin nun die Reform erläutert.

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Mit der vatikanischen Kurienreform wird das Staatssekretariat in seinen zentralen Aufgaben gestärkt. An anderen Stellen muss die Behörde jedoch Kompetenzen abgeben. Dies erläuterte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Dienstag bei einem Studientag der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom zur neuen Kurienverfassung. Diese tritt am 5. Juni in Kraft.

Demnach soll das Staatssekretariat für ein weitgehend harmonisches Handeln des Heiligen Stuhls sorgen. Besonders wichtig sei dies bei internationalen und diplomatischen Angelegenheiten. So müsse etwa die Evangelisierungsbehörde in Fragen der Religionsfreiheit mit dem Staatssekretariat zusammenarbeiten; ähnlich die Familienbehörde, wenn es um juristische Fragen der Anerkennung internationaler Laienvereinigungen gehe.

Staatssekretariat rede weiter auch bei Pressearbeit mit

Aber auch sonst sei es wichtig, dass zentrale Texte und Sprachregelungen einheitlich seien, so die Nummer Zwei des Vatikan. Deswegen rede das Staatssekretariat weiter ein entscheidendes Wort in der Öffentlichkeits- und Medienarbeit des Vatikan mit.

Kompetenzen abgeben muss das Staatssekretariat indes bei Wirtschafts- und Vermögensangelegenheiten. Für diese ist künftig allein das Wirtschaftssekretariat zuständig.

Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Symbolbild)

Mit der Kurienreform werde das gesamte Päpstliche Sekretariat auf zwei getrennte Kurieneinrichtungen aufgeteilt, erklärte Kardinalstaatssekretär Parolin: "In wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten ist das Wirtschaftssekretariat zuständig, in allen anderen Bereichen das Staatssekretariat."

Damit, so Parolin, werde das gesamte Päpstliche Sekretariat auf zwei getrennte Kurieneinrichtungen aufgeteilt: "In wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten ist das Wirtschaftssekretariat zuständig, in allen anderen Bereichen das Staatssekretariat."

Die Errichtung des Wirtschaftssekretariats, anfänglich geleitet von Kardinal George Pell, und die Zuschreibung von Aufgaben seien mitunter ein "ziemliches Hin und Her" gewesen, so der Leiter der Behörde, Juan Antonio Guerrero. Nun seien dessen Zuständigkeiten aber geklärt. So muss etwa jede vatikanische Einrichtung bei Ausgaben über 150.000 Euro die Erlaubnis des Wirtschaftssekretariats einholen. Auch die Verwaltung des Vatikanstaats sei jenem nun zugeordnet.

Investitionskomitee werde in den kommenden Wochen errichtet

Der übergeordnete Wirtschaftsrat indes, derzeit geleitet vom Münchner Kardinal Reinhard Marx, approbiert die vom Sekretariat erarbeiteten Budgets und Bilanzen, bevor diese dem Papst vorgelegt werden. Unter den vorgesehenen Institutionen, so Guerrero, sei allein das Komitee für Investitionen noch nicht final errichtet. Er rechne aber damit, dass dies in den kommenden Wochen abgeschlossen werde.

Die vom Papst am 19. März veröffentlichte Apostolische Konstitution "Praedicate evangelium" (Verkündet das Evangelium) ist der Grundtext der Kurienreform von Papst Franziskus. Diese muss noch in eine konkretere Kurienordnung überführt werden. Zudem muss jede vatikanische Einrichtung ihre eigenen Statuten aktualisieren und an die neue Kurienverfassung anpassen. (KNA)