Ein Adventskranz mit vier brennenden Kerzen
Stiftsgärtnerei Sankt Bonifaz beliefert jedes Jahr den Vatikan

Leuchtende Gestecke

Seine Hände sind rot, rau und eiskalt. Sie sind ständig in Bewegung. Sie wuseln im feuchten Tannengrün, blitzen in den roten Beerensträußen auf oder drehen die schneeweißen Blüten der Christrose zurecht. Peter Konrad Ihle verschwindet zwischen den Pflanzenkübeln und Blumenvasen und taucht bei Stechpalmenzweigen wieder auf, nur sein alter grüner Filzhut verrät den Floristen.

München - 09.12.2012

In den Adventswochen hat er selten Zeit, sich bei einem heißen Kaffee aufzuwärmen. Auf dem langen Holztisch wartet immer ein Kranz zum Binden und Bestücken auf ihn.

"Das geht schon seit Jahrzehnten so", sagt Ihle. Seit dreißig Jahren, um genau zu sein. So lange arbeitet der 59-Jährige in der Stiftsgärtnerei Sankt Bonifaz, dem Benediktinerkloster mitten in München. Mit einem grünen Daumen kam Peter Ihle wohl schon auf die Welt. Sein Vater hatte eine große Gärtnerei in Ulm. "Als Bub half ich dort immer aus", sagt Ihle. Später machte er in Kempten eine Ausbildung zum Floristen. "Aber mich zog es schon immer in die Großstadt", erinnert sich Ihle. Und nach ein paar Zwischenstationen und erfolgreichen Floristenwettbewerben kam der Schwabe nach München. "Während der Landesmeisterschaft um die Silberne Rose in Bamberg lernte ich Frater Ansgar kennen", erinnert sich Ihle. Kurze Zeit darauf wurde er in das Kloster an der Karlstraße eingeladen.

Adventskränze für den Vatikan

Zwanzig Jahre arbeitete er an der Seite des Benediktinermönchs Ansgar Mössmer. Der heute 93-Jähriger baute seit 1977 den Klostergarten auf und machte die Stiftsgärtnerei von Sankt Bonifaz über die Grenzen von München hinaus bekannt. Unter seiner Führung werden Adventskränze bis heute in den Vatikan geliefert. Wohingegen Florist Ihle die großen Münchner Stadtkirchen bestückt, wie Sankt Peter und Sankt Benno, und das Ordinariat. "Aber auch die Evangelischen sind treue Kunden", sagt Ihle und schmunzelt.

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Video: © Sarah Stöber

Grünzeug, Strohkranz und Kerzen - was benötige ich für einen eigenen Adventskranz?

"Alle meine Kunden bekommen sehr gute Qualität", versichert er. Für seine leuchtenden Adventskränze bezieht Florist Hagebutten und Datteln aus Italien und die Beerenzweige der Stechpalme aus den Niederladen. Auch getrocknete Orangen, Äpfel, Walnüsse, Eicheln, Zapfen und Zimtstangen zieren seine Kränze "Und das Tannengrün ist ungespritzte Qualitätsware", betont Ihle. Schließlich sollen die dichten und sattgrünen Tannenzweige und die weichen Nadeln der Seidenkiefer die gesamte Adventszeit gut überstehen.

Leuchtende Adventskränze für dunkle Abende

Sträuße, Kränze oder Gestecke – über hunderttausend Blumen hat Peter Ihle bereits zusammengebunden. Viele Kunden schätzen den frischen Pflanzenschmuck aus der Stiftsgärtnerei und bestellen ihn oft für besondere Familienanlässe, wie Hochzeit, Taufe oder Beerdigung. Und manche Familien kennt Ihle schon seit Jahrzehnten persönlich. "Ich möchte auf jeden Kunden individuell eingehen", sagt der Florist, zu dessen Lieblingsfarben Rot und Weiß zählen. Seine Kunden wissen das. Gerade in der Adventszeit kommen sie oft in die Stiftsgärtnerei, um die dunklen Abende zum Leuchten zu bringen.

Peter Konrad Ihle steckt in der Stiftsgärtnerei Sankt Bonifaz in München einen Adventskranz.
Bild: © Julia Walker

Peter Konrad Ihle steckt in der Stiftsgärtnerei Sankt Bonifaz in München einen Adventskranz.

Auch am späten Dezembernachmittag hat Ihle eine rege Kundschaft. Eine Kundin kommt und holt den bestellten Adventskranz ab, die andere lässt ihren Mann das Auto vorfahren, um alle Bestellungen im Kofferraum unterzukriegen. Und dann steht eine Frau draußen vor dem Laden und sieht sich lange einen Türkranz mit roten Ilexbeeren und Hagebutten auf Thujazweigen an. "Nehmen Sie ihn bitte mit!", sagt Ihle. Die Frau guckt hoch und schüttelt den Kopf. "Nein, nein, nehmen Sie! Für die Adventszeit!", besteht Ihle. Es freue ihn, wenn er deren Alltag etwas verschönern kann.

Kränze für Obdachlosenheim

Der Florist kennt die Frau aus der Obdachlosenarbeit im Sankt Bonifaz. Sie kommt schon seit Jahren an die Pforte des Klosters. Auf dem Klostergelände, wo einst Blumen- und Gemüsebeete blühten und grünten, steht das Bonifatius-Haneberg-Haus. Über zweihundert Frauen und Männer ohne festen Wohnsitz erhalten hier seit elf Jahren täglich eine kostenlose warme Mahlzeit.

Inzwischen gibt es nicht mehr viele freie Flächen rund um das Kloster. Gerade vier kleine Felder Freiland stehen der Stiftsgärtnerei noch zur Verfügung. Doch daran hat Florist Ihle seine Freude. "Vor allem im Frühjahr", sagt er und erklärt: "Dann darf ich wieder Gärtner sein und Sommerpflanzen säen."

Von Julia Walker